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Blockupy Frankfurt Das Feldlager der Kritiker

Auf dem Rebstockgelände sammeln sie sich: Die Aktivisten und Sympathisanten von Blockupy bereiten sich auf die an Fronleichnam beginnenden Protesttage in der Frankfurter Innenstadt. Mehr als 1000 Aktive sind angemeldet. Diverse Straßen sind jetzt schon gesperrt.

Die großen Zelte stehen schon, heute kommen viele kleine hinzu. Foto: christoph boeckheler*

Drei Nilgänse watscheln gemächlich über einen Fußgängerweg in Richtung des kleinen Sees im Rebstockpark. Ein paar Meter weiter ist eine junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter und dem Hund unterwegs. Über das satte Grün des Parks spannt sich der blaue Dienstagmorgenhimmel, es ist ruhig in und um den Park.

Nähert man sich jedoch dem hinteren Ende der Max-Pruss-Straße, kommt langsam Leben in die Szenerie: Weiße Zeltdächer blitzen durch das Laub der Bäume, Menschen laufen unaufgeregt, aber zielstrebig über die großen Wiesenflächen. Auf einem rund 12.500 Quadratmeter großen Gelände am nördlichen Ende des Rebstockparks entsteht seit Montagmorgen das Camp der Blockupy-Aktivisten, die für Freitag und Samstag Kundgebungen und Demonstrationen in der Frankfurter Innenstadt geplant haben.

Die Max-Pruss-Straße ist am Dienstag schon weitestgehend gesperrt, doch die Aktivisten lassen die wenigen Autofahrer, die vorbeikommen, noch freundlich durch die Absperrung. „Ab Mittwoch müssen wir die Straße dann aber wirklich sperren, denn wenn hier die Busse mit den anderen ankommen und ausgeräumt wird, können wir keine vorbeirasenden Autos gebrauchen“, sagt ein junger Mann aus dem Organisationsteam, das am Montag und Dienstag das Camp für die über 1000 Aktivisten, die sich im Voraus angemeldet haben, vorbereitet.

Fluchtwege in den Barrios

Der größte Teil der Fläche ist mit rot-weißem Flatterband abgesteckt. Das sind die Rettungs- und Fluchtwege, die zwischen den sogenannten „Barrios“ hindurchführen, die ab heute Mittag im Rebstockpark entstehen. „Barrio ist das spanische Wort für Nachbarschaft“, erklärt der junge Mann. In den Barrios bauen die Gruppierungen und Aktionsbündnisse, die heute aus ganz Deutschland und der europäischen Nachbarschaft, unter anderem aus Spanien und Italien, anreisen, ihre Zelte auf.

Das „Camp Anticapitalista“, wie es im Internet und den Veröffentlichungen des Blockupy-Aktionsbündnisses heißt, bietet bis zu 3000 Personen Platz; für die nicht angemeldeten Aktivisten, die nicht in Bündnissen organisiert sind, gibt es eine Fläche in der Mitte des Camps. Am Dienstagvormittag herrscht schon geschäftiges Treiben, die meisten der für das Rahmenprogramm und die Organisation wichtigen Zelte stehen bereits in einem gesonderten Bereich. „Hier entsteht die Infrastruktur mit dem Versammlungszelt, der Bühne und der Bar und dem Versorgungszelt“, erzählen die Leute im Orga-Team. Das rechteckige, weiße Versorgungszelt soll die Volksküche, bei manchen besser bekannt als „VoKü“, beherbergen. Dort wird gemeinschaftlich das Essen für die Campbewohner zubereitet.

Kita inklusive

Die Gruppe, die das Camp seit einem halben Jahr vorbereitet, hat auch an die Familien unter den Aktivisten gedacht. Ein Stück hinter dem Eingang des Camps soll eine Kinderbetreuung entstehen. Dort können Eltern, wenn sie an den Demonstrationen und Kundgebungen teilnehmen wollen, ihre Kinder betreuen lassen. Dass das Gelände, auf dem das Camp nach Verhandlungen mit der Stadt nun entstehen durfte, weiter außerhalb der Innenstadt liegt, als sie es sich gewünscht haben, ist ärgerlich für die Aktivisten. Die Straßenbahnlinie 17 sei zwar in der Nähe, „doch wir wissen nicht, wie die am Wochenende letztendlich fahren wird“, äußert der Blockupyer seine Bedenken. Doch das werde sie natürlich von nichts abhalten. „Wir können auch zum Willy-Brand-Platz laufen, das dauert dann zwar etwas länger, aber geht auch.“ Genauso wenig abschrecken lassen werden sich die teils sehr erfahrenen Demonstranten auch vom schlechten Wetter. „Wenn es regnet – dann regnet es halt“, so der Mann mit einem Lächeln.

Die Protestierer wollen auch im Camp die Öffentlichkeit an den Aktionen teilhaben lassen. „Auf unserer Bühne wird es zum Beispiel fünf öffentliche Konzerte geben, und wir würden uns freuen, wenn auch viele Leute von außerhalb des Camps vorbeikommen“, sagt der junge Mann, der durchs Camp führt. „Es sind auch schon Leute aus dem Viertel vorbeigekommen, die uns ihre Hilfe bei der Versorgung mit Lebensmitteln angeboten haben“, erzählt ein älteres Mitglied des Bündnisses. Sie hilft gerade dabei, eine große, hölzerne Stellwand rechts der Straße anzubringen, eine Art „Schwarzes Brett“, über das die Campbewohner miteinander kommunizieren können. Die meisten Leute, die zufällig an der großen Wiese vorbeikommen, zeigen sich den Campern der Blockupy-Bewegung gegenüber freundlich und aufgeschlossen. „Bis jetzt waren immer alle interessiert und haben sich informiert, was wir machen“, so die Frau. Das sei auch Ziel der Blockupy-Aktionen, fügt der junge Aktivist hinzu, schließlich diskutiere man über ein breites Spektrum an Themen.

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