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Buchmesse Wo der Pfeffer wächst

Indonesien zeigt sich auf der Buchmesse kulturell, kulinarisch und politisch. Kochen ist auch in diesem Jahr einer der Megatrends. Besonders gefragt sind Krimis und Reiseführer, die Geschichte und Reisen mit Essen verbinden.

Indonesischer Tanz auf der Buchmesse. Foto: peter-juelich.com

Indonesien isst scharf. Zum Beispiel Ikan Kuah Kuning, eine gelbe Fischsuppe mit viel Chili, die ein indonesischer Koch in der Show-Küche der Gourmet Gallery zubereitet. Mit großen Schoten, erklärt er dem Publikum auf Deutsch, gibt man sich in Indonesien gar nicht erst ab. „Das ist Spielzeug.“ Lieber nimmt er die kleinen roten, die am schärfsten sind. „Spice it up“, „verleihe dem Essen Würze“ heißt eine Initiative indonesischer Köchinnen und Köche, die auf ihren Heimatinseln bekannt sind, teils im Fernsehen kochen und Bücher veröffentlicht haben. Sie sollen dem Publikum auf der Buchmesse die indonesische Küche näherbringen. Das lässt sich auch optisch gut aufbereiten, mit schönen Schalen voller Chilischoten, Safran oder Anis.

Die Welt kocht, das Thema liegt im Trend. Die Zahl der ausstellenden Verlage hat sich in der Gourmet Gallery im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Rund 80 Aussteller aus mehr als 30 Ländern präsentieren sich, 50 Veranstaltungen sind geplant. Der Zuwachs liegt auch in einer neuen Kooperation begründet, Gourmand International, der Veranstalter der World Cookbook Fair, arbeitet mit der Buchmesse zusammen. Edouard Cointreau von Gourmand International erklärt, dass der Rechtehandel in dem internationalen Markt immer bedeutsamer werde, da damit nationale Schwankungen ausgeglichen werden können. Im Trend, sagt der Experte, lägen hochwertige Kochbücher. Und von denen gibt es für Liebhaber einige zu sehen.

Längst geht es nicht mehr nur ums Kochen. Ob regionale Krimis mit Rezepten, Reiseführer, Erlebnisberichte, die Surfen, Reisen und Kochen verbinden, oder Weinratgeber, in denen Künstler mit Köchen zusammenarbeiten. Vegan und vegetarisch ist weiter im Kommen, inzwischen auch in Familienkochbüchern. Der G&U-Verlag hat in diesem Jahr zwei Themen aufgegriffen, die noch weiter gehen. „Super Food“, also die Verarbeitung besonders ausgefallener Samen und Rohstoffe wie beispielsweise Quinoa, und „Clean Food“, die Ernährung, die nicht nur gesund, regional, sondern auch noch naturbelassen und sozialverträglich ist.

Dass es beim Essen nicht nur um gute Nahrung, sondern um Lebenseinstellungen geht, glaubt auch Roland Burger von der Initiative Foodexplorer.co, der diese Botschaft ins Klassenzimmer der Zukunft trägt. Schüler, die sich vorher angemeldet haben, kochen mit indonesischen Köchinnen und erfahren dabei einiges über das Gastland. Der Andrang, sagt Burger, sei groß. Zwölf Abiturienten lassen sich gerade erklären, wie ein indonesischer Pfannkuchen mit Kürbis gebacken wird. Die 18-jährige Jenny Klytta freut sich aufs Probieren, indonesisch gegessen hat sie noch nie.

Gewürze gibt es natürlich auch im Gastland-Pavillon (Forum/Level 1). Das muss so sein im Land, in dem der Pfeffer wächst. Cumin, Curcuma, Andaliman-Pfeffer, der nach Zitronengras riecht, daneben echtes Zitronengras. „Reinfassen ist nicht explizit verboten“, sagt Mirjam Flender von der Buchmesse, „das machen die Leute sowieso.“ Es geht ums Geruchserlebnis.

Buchmesse will Fernweh wecken

Dass man erleben muss, um zu kapieren, wusste auch schon Johann Wolfgang Goethe. „Wer den Dichter will verstehen,/Muss in Dichters Lande gehen“ steht groß am Eingang zum Gastland-Pavillon. Wer selbst noch nie im Land der „17 000 Inseln“ war, bekommt einen Eindruck von der Kultur des Inselstaats.

Erster Eindruck: Die Band „Selamat Pagi“ spielt so hypnotisierend mit Mini-Trompete und Trommeln, dass es an Musik der 70er Jahre erinnert. Dazu noch leuchtende Lampions und schummriges Licht, schon ist der Besucher eingetaucht. Themeninseln gibt es auch. Auf einer spielen gerade die Musiker, am Rand stehen wiederum Bücher, auch über Krieg und Gräuel.

„Aufs Politische achtet die Buchmesse sehr“, sagt David Albamonte von der Buchmesse. Bücher wie „Indonesien 1965ff“ über Generalmajor Suharto und die geschätzt drei Millionen Toten unter seinem Regime. Romane, die die Militärherrschaft aufarbeiten, wie „Alle Farben Rot“, „Pulang. Heimkehr nach Jakarta“ oder „Schreib ja nicht, dass wir Terroristen sind!“

Das würde die Touristen fernhalten, die wichtig sind fürs Land. Das will die Buchmesse nicht, im Gegenteil, sie will Fernweh wecken. Dazu liegen Dutzende Reiseführer aus, auch empfehlenswerte von „Lonely Planet“, allerdings nur auf Englisch.

Batiken am Bildschirm

Ein wenig Englisch braucht der Indonesien-Besucher aber ohnehin, ob im Land oder auf der Buchmesse. Etwa, wenn er mit Autoren spricht, die im Pavillon ihre Bücher vorstellen. Beng Rahadian hat einen Comic verfasst, über Kaffee, der genau zur Buchmesse auf Deutsch übersetzt wurde. Auf Englisch wiederum sind die Erklärungen auf den Ausstellungsstücken, wie dem Welterbe Nagarakretagama aus dem Jahre 1365. Dreimal hintereinander sagen, bis es sitzt! In altjavanischer Sprache, mit balinesischer Schrift, steht auf Palmblättern, wie König Hayam Wuruk sein Reich führte. Der Monarch habe auf Religionsfreiheit, soziale Gerechtigkeit und das Wohlbefinden der Untertanen geachtet.

Auf der digitalen Themeninsel können Besucher auf Bildschirmen Batiken erstellen, und falls das aus technischer Tücke nicht klappt, gibt es noch die Bücher übers Batiken. Die lassen sich garantiert aufschlagen. Hostessen passen unterdessen auf, dass keine Bücher wegkommen. Am ersten Tag der Buchmesse ist das noch kein Problem. „Aber am Sonntag sieht die Ausstellung schon ganz anders aus“, sagt David Albamonte – aus Erfahrung.

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