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Buchmesse Frankfurt Sexualität lässt sich nicht umstellen

Wie sehr prägen uns unsere Gene, fragt FR-Chefredakteurin Bascha Mika bei einer Diskussionveranstaltung zum Thema Sexualität auf der Frankfurter Buchmesse. Die Antwort der Experten: „Wir sind Sklaven der Biologie.“

Argumentieren trotz eisiger Kälte: Chefredakteurin Bascha Mika mit Thomas Junker, Ingelore Ebberfeld und Jutta P. (v. l.). Foto: peter-juelich.com

Im Taunus schneit’s, auf der Buchmesse nieselt’s, das Zelt von „Open Stage“ ist offen. Wer sich die Freiheit nahm, am Mittwochvormittag zur Diskussion mit FR-Chefredakteurin Bascha Mika „Sklave des Geschlechts. Zwischen freiem Willen und genetischer Prägung“ zu kommen, war wirklich interessiert. Zusammenrücken, ran an die Heizpilze!

Wie stark prägen unsere Gene unser Verhalten, fragte Mika, und Evolutionsbiologe Thomas Junker antwortete: „Wir sind Säugetiere und dadurch Sklaven der Biologie.“ Ohne Essen und Schlafen geht es nicht. Und bei der Sexualität? „Auch da sind wir determiniert.“ Kinder kriegten nur die Frauen. Die sexuelle Neigung, ob schwul, lesbisch oder hetero, lasse sich „schwer umprogrammieren“.

Dass allerdings „fünf Prozent“ der Menschen homosexuell seien, dem widersprach die Sexualwissenschaftlerin Ingelore Ebberfeld entschieden. Es gebe dazu keine verlässliche Statistik. Auch sie vertrat die These, dass Sexualität „in Herz und Kopf“ verankert sei und sich nicht umstellen lasse.

Ausnahmesituationen wie sexuelle „Zweckgemeinschaften“ von Männern im Gefängnis blieben nun mal Ausnahmesituationen. Sich gegen seine Natur zu verhalten, mache auf Dauer unglücklich, so Junker. Das sah auch Travestiekünstler Jutta P alias Jürgen Peusch („Gerdas Kleine Weltbühne“) so. „Die Natur hat uns aufs Gleis gesetzt.“ Der Theatermann erlebt es als befreiend, sich von Rollenkonventionen gelöst zu haben.

Viele Rollenmuster seien gesellschaftlich vorgegeben und übten Zwang aus, so Mika. Frauen müssen Kinder bekommen und Familie mit dem Beruf vereinbaren! Aber: Freiheit bedeute die Unabhängigkeit von Mündigkeit oder sozialen Vorgaben. „Frei sein heißt, die Machtverhältnisse zu schleifen.“

Oder zumindest zu ändern. „Für Frauen will ich 50 Prozent der Macht im Staat“, sagte Ebberfeld. Ihr seien die männlichen Kollegen an der Uni nicht „auf Augenhöhe“ begegnet. Frauen seien auch insgesamt weniger „machtbedürftig“ und landeten seltener in Führungspositionen. Aber was, wenn Frauen aggressiv aufträten? „Das sind dann die Gene“, so Junker. „So wie bei Merkel, die Frau hat Alpha-Gene“, sagte Jutta P. Frauen müssten ihre Rollenzuschreibung aber nicht als Unterdrückung empfinden, meinte Ebberfeld. Sie lasse sich von einem Mann beim Tanzen gerne hin- und herschwingen. Hilft auch gegen die Kälte.

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