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Dornbusch Plausch mit dem Astronauten

Die Schüler der Wöhlerschule haben für Minuten Funkkontakt mit der Raumstation ISS. Knapp anderthalb Jahre liegen zwischen diesem Moment und der Geburtsstunde der Idee.

Marisa Pfeiffer stellt eine Frage, Jakob Strickler assistiert. Foto: Rolf Oeser

Es laufen die letzten Minuten bis zum großen Augenblick. Auf der Aulabühne der Wöhlerschule in Frankfurt ist an diesem Samstag eine Leinwand gespannt, darauf unser Planet, im Zeitraffer-Überflug aus der Internationalen Weltraumstation ISS aufgenommen. Aus den Lautsprechern plätschern dazu die Läufe der Mondscheinsonate, anmutig wirkt das, harmonisch, aber auch imposant.

Dann endet das Video. Noch wenige Minuten bis 10.54 Uhr, bis zu jenem Augenblick, in dem die ISS in 400 Kilometern Höhe mit 28 000 Kilometern pro Stunde über die Köpfe der Aulagäste hinweg rauscht und Jakob Strickler und sein Team vom Deutschen Amateur Radio Club (Darc) versuchen werden, für zehn Minuten einen Live-Funkkontakt zu Alexander Gerst herzustellen, dem Deutschen auf der ISS.

Ein Traum für Technikbegeisterte

Knapp anderthalb Jahre liegen zwischen diesem Moment und der Geburtsstunde der Idee. Jakob Strickler, der im Frühjahr an der Schule sein Abitur ablegte, war 2011 schon einmal bei einem ISS-Kontakt dabei, „daraufhin habe ich es Herrn Schanbacher für unsere Schule vorgeschlagen“, so der 20-Jährige. Man bewarb sich offiziell bei der Nasa und wurde nach einem zähen Anmeldeprozedere auf die Warteliste gesetzt. „In den Sommerferien haben wir noch nicht gewusst, ob wir überhaupt genommen würden“, erklärt Stephan Schanbacher, unter anderem Lehrer für Physik an der Wöhlerschule.

Dann, als die Ferien vorbei waren, ging alles schnell. Die Zusage kam, zwei Monate blieben noch bis zum Termin. Während sie die Schüler Fragen überlegten und für den Tag der Übertragung Infostände vorbereiteten, kümmerte sich Strickler um die Funkkontaktherstellung. Er ist lizenzierter Amateurfunker, „nur als solcher darf ich einen Funkkontakt herstellen“, so der Technikbegeisterte. Spezielle Geräte wurden ausgeliehen, darunter eine mehrere Meter hohe Antenne.

Jetzt ist sie vor der Aula auf einem Auto montiert, in wenigen Minuten wird sie einen direkten Kontakt zu der Antenne der ISS herstellen. Innen vor der Bühne stehen die Schüler mit ihren Fragen, die 20 besten wurden aus 750 ausgewählt.

10.54 Uhr. „Delta Papa Oscar India Sierra Sierra. Delta Lima Zero Foxtrott Foxtrott Mike. FFM calling. Alex, do you copy?“, rattert Strickler den Kennungscode der ISS und Deutschlands herunter. Die Antwort besteht nur aus lautem Rauschen. Immer wieder spricht Jakob Strickler eilig die Buchstaben des internationalen Buchstabieralphabetes. Minute für Minute. Dann kämpft eine Stimme gegen das Dröhnen an: Es ist Alexander Gerst. Ein Glücksmoment für alle. Er beantwortet einige Fragen, spricht über den Putzplan an Bord, die hohe Strahlung, dann bricht der Kontakt ab. Nicht einmal fünf Minuten waren das, doch jeder ist begeistert. Nachher wird es heißen: „Wir haben es erlebt.“

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