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„Digitale Helden“ Chatten bis in die Nacht

Das Frankfurter Unternehmen „Digitale Helden“ bildet jugendliche Mentoren aus, die jüngere Schüler in der Mediennutzung schulen.

Ausbildung zu Digitalen Helden
Per Onlinekurs werden die Jugendlichen zu „digitalen Helden“. Foto: dpa

Das Handy vibriert und bimmelt bis in die Nacht hinein – Hunderte Chatnachrichten gehen bei manchem Schulkind täglich auf dem Smartphone ein. Ein geregelter Umgang mit WhatsApp und anderen Apps ist deshalb ein wichtiger Baustein, den das Frankfurter Sozialunternehmen „Digitale Helden“ Schulklassen in seinem Mentorenprogramm lehrt. Ein Schuljahr lang können sich Schülerinnen und Schüler im achten und neunten Schuljahr per Onlinekurs in ihren AGs und Wahlpflichtfächern weiterbilden, um dann ehrenamtlich Kinder der fünften bis sechsten Klassenstufe bei der Nutzung digitaler Medien beraten zu können.

Einst als Start-up zum „Safer Internet Day“ 2013 und an zunächst fünf Frankfurter Schulen gestartet, unterstütze „Digitale Helden“ heute bereits 100 Schulen in acht Bundesländern, sagt Geschäftsführer Jörg Schüler. Schirmherr der gemeinnützigen Gesellschaft ist Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU), den Schüler am Donnerstag durch die im vergangenen Jahr bezogenen Büroräume in Bornheim führt. Mediennutzung sei auch ein Thema in der Fort- und Weiterbildung an der Hessischen Lehrkräfteakademie, sagte Lorz.

„Aber auf klassischem Wege können Sie nicht alles erreichen.“ Dass Schulkinder von wenige Jahre älteren Jugendlichen lernten, sei „eine tolle Ergänzung und Entlastung für Lehrkräfte“.

„Die Jüngeren blicken zu den Älteren auf und nehmen Ratschläge von ihnen viel besser an“, sagt Medienpädagogin Lena Pauwels. Sie ist eine von sechs Festangestellten im „Digitale Helden“-Team, das in diesem Jahr noch weiter wachsen soll. „Wir leisten Hilfe zur digitalen Selbsthilfe“, erklärt ihre Kollegin Birte Frey das Grundprinzip des Unternehmens. Im Mentoringprogramm würden zunächst die Lehrerinnen und Lehrer zum Thema fortgebildet. Anschließend könnten sie mit ihren Klassen auf mehrere Onlinekursbausteine zugreifen, um die Mentorinnen und Mentoren zu schulen. Diese lernen dabei etwa, wie sie ein sicheres Passwort erstellen und ihre Daten schützen, wie sie sich gegen Cybermobbing oder Sexting zur Wehr setzen können – oder wie sie den WhatsApp-Schulklassenchat stressfreier gestalten. Indem sie sich etwa auf eine Nachtruhe einigen, die Nachrichtenzahl stärker begrenzen, eine Netiquette für den respektvollen Umgangston beschließen oder ein Admin-Team ernennen, das die Einhaltung der Regeln überwacht.

In einem moderierten Forum können sich Lehrkräfte und Jugendliche zudem schulübergreifend austauschen. „Für Lehrer ist es oft schwierig, in das Thema einzusteigen“, sagt Pauwels. Auch Eltern seien unsicher, wie ein gesunder Umgang mit Smartphone und Computer für ihre Kinder aussehen könne, ergänzt Frey. „Denn anders als bei anderen Erziehungsthemen können sie sich nicht am Verhalten ihrer Eltern orientieren oder davon abgrenzen.“ Die jugendlichen Mentorinnen und Mentoren geben ihr Wissen daher auch auf Elternabenden weiter – „das ist toll für ihr Selbstbewusstsein“, sagt Pauwels.

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