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Die Zukunft heißt Big Belly Gestählt in der Bronx

Ein neuer Mülleimer mit siebenfachem Fassungsvermögen und solarbetriebener Abfallpresse absolviert im Südbahnhof seinen Testlauf. Wegwerfen wird nie mehr so sein wie einst.

07.10.2010 21:16
Jochen Pioch
Der „Dickbauch“ presst selbst. Foto: FR/Arnold

Der Eingang des Frankfurter Südbahnhofs ist ein Nadelöhr. Durch die drei Flügeltüren gehen Marktbesucher, Reisende und Kunden des US-amerikanischen Fastfood-Restaurants, und viele haben Müll in der Hand, den sie schnell loswerden wollen. Genau der richtige Ort, um Big Belly zu testen, den Super-Mülleimer.

Big Belly, der Dickbauch, ist solarbetrieben und kann wie ein Müllauto seinen Inhalt selbst kleinpressen. Außerdem meldet er sich automatisch, wenn er voll ist, und funkt Hilfe herbei. Diese Vorteile will der Frankfurter Entsorgungsdienstleister FES nun am Südbahnhof testen.

Jeden Sommer gibt das Unternehmen allein 35.000 Euro für die Leerung der Mülleimer am Mainufer aus. Wenn Big Belly sich bewährt, dürfte sich das ändern. Der neue Schluckspecht fasst so viel Abfall wie sieben Mülleimer – wenn der Inhalt sich türmt, wird automatisch die Presse aktiviert, die alles zusammendrückt. Dementsprechend selten müsste man ausrücken, um den Müll abzuholen. „Gerade in Parks und am Ufer werden wir oft angefeindet, wenn wir mit unseren Wagen an den Spaziergängern vorbeifahren“, sagt Peter Postleb von der FES.

Doch bis es so weit ist, muss der erste Big Belly am Südbahnhof erst einmal den Testlauf absolvieren. Denn noch ist das Gerät in Deutschland ein Neuling. Hamburg hat auch einige Exemplare in der Erprobung, auch in Wien stehen schon welche. Aber jede Stadt ist anders, und die FES will keine Fehlinvestition riskieren.

Die Frage ist, ob die Frankfurter den neuen Mülleimer so gewissenhaft benutzen wie die herkömmlichen – immerhin müssen sie eine Klappe betätigen und können den Abfall nicht lässig im Vorbeigehen hineinschmettern. Und wer weiß, ob sie den futuristischen Apparat überhaupt als Mülleimer erkennen. Erfolgreich getestet ist Big Belly in New York, und zwar ausgerechnet in einem berüchtigten Stadtteil. „Dieses System hat in der Bronx überlebt, da stehen die Chancen gut, dass es in Sachsenhausen auch klappt“, sagt Postleb.

Vielleicht findet der Dickbauch schnell Freunde, wenn er seine Mitmenschen höflich behandelt. „Wir wollen ihm noch sprechen beibringen, damit er Danke! sagen kann“, verrät Peter Postleb. Dennoch zeigt er sich misstrauisch, ob dem Erstgerät auch nichts zustößt: „In der Theorie funktioniert alles, aber die Solarzelle kann zugeklebt werden, die Technik kann beschädigt werden – man wird sehen.“ Auch die Reisenden am Südbahnhof sind noch skeptisch: „Da kommen doch nur Vandalen, die das wieder kaputt machen“, sagt ein Passant.

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