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Die WM und Frankfurt No Römer, no Party

Die maßgebliche Rolle der Frankfurter bei Fußball-Weltmeisterschaften: Ohne sie ging seit Urzeiten nichts - bis ein Pakt mit dem Teufel alles änderte.

Fußball-WM 1990
Kaiser Franz und ganz Frankfurt: WM-Feier 1990 am Römer. Foto: Kai-Uwe Wärner (dpa)

Es gibt ja diese in Stein gemeißelten Fußball-Gesetzmäßigkeiten: Wenn es am 57. Tag vor dem Anpfiff des dritten Spiels in Gruppe C länger als 21 Minuten in Klein-Auheim geregnet hat, ist Deutschland immer Weltmeister geworden. Na gut, das war jetzt konstruiert. Aber: Wenn Eintracht Frankfurt gegen Ulm im DFB-Pokal angetreten ist, hat sie später den Pott geholt – das stimmt. So geschehen 1981 und 1988. Und jetzt spielt sie in der ersten Runde wieder gegen Ulm.

Aber darum geht es hier ja nicht. Hier geht es aus aktuellem Anlass um Frankfurt und die Fußball-WM. Gesichert ist: Wenn Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal holt, besteht eine hohe Chance, dass Deutschland auch den gerade anstehenden Titel erringt. 1974: Weltmeister Deutschland, Pokalsieger Frankfurt. 1988: Pokalsieger Frankfurt, Deutschland im EM-Halbfinale gegen die Niederlande ausgeschieden, die dann das Endspiel gegen die Sowjetunion gewannen. Wer spielt diesmal nicht mit? Holland. Die Sowjetunion ja irgendwie auch nicht. Und wer ist Pokalsieger? Zack. Die Krone ist uns sicher.

Lange Zeit galten auch weitere Fakten als ehern, darunter dieser: Eine deutsche Fußballerauswahl konnte mehr als 4,5 Milliarden Jahre lang keinen Weltmeistertitel gewinnen, wenn nicht mindestens ein Spieler von Eintracht Frankfurt im Kader stand.

Bitte sehr: Alfred Pfaff ermöglichte durch seine bloße Anwesenheit das Wunder von Bern 1954, Bernd Hölzenbein und Jürgen Grabowski siegten 1974 im eigenen Land, Uwe Bein und Andreas Möller waren 1990 Helden in Italien. Hatte ein Bundestrainer keine Frankfurter dabei, gab es auch keinen WM-Titel. Seit Entstehung der Erde.

Bis 2014, da gelang es plötzlich, auch ohne Frankfurter Spieler Weltmeister zu werden. Unter Fachleuten gilt als sicher, dass dies nur mit einem schmutzigen Deal vonstattengehen konnte. Konkret heißt es, der deutsche Fußball habe seine Seele an den Teufel verkauft, damit das klappt. Vorbild waren die Spanier, die dies bereits einige Jahre zuvor getan hatten, um überhaupt mal irgendwas zu gewinnen. Die Folgen sieht man ja nun: Mammon, Mammon, Mammon – schnöde regiert der Zaster das Kickergeschehen.

Noch etwas wurde damals an den Beelzebub verschachert: der gute Brauch, einen Titelgewinn auf dem Frankfurter Römerberg zu zelebrieren. Man konnte seit jeher fest davon ausgehen, dass die Buben mit leeren Händen heimkommen würden, sollte nicht der Römerbalkon, sondern eine Ballermeile in Fußballprovinzen wie Berlin der designierte Ort zum Feiern sein. Auch dies endete 2014. Heute wissen wir, dass solch Handel der Türöffner für ganz üble Schlagermusik bei deutschen Spitzenfußballpartys war, gleichsam die Helenefischerisierung des DFB. Zumindest dies zu beenden, oblag wiederum Leuten, die wissen, wann man feiert und wann man besser pfeift: den Fans von Eintracht Frankfurt im Pokalendspiel 2017. Es war nicht ihr letztes Finale, beileibe nicht.

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