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Die Altstadt-Rekonstruktionen Haus „Zur Flechte“: Auf Stoltzes Spuren

Von der „Flechte“ über die „Goldene Waage“ bis zum „Weißen Bock“: Wandeln auf den Spuren des Frankfurter Dichters und Journalisten Friedrich Stoltze durch die neue Altstadt.

Altstadt
Der Spruch oben an der „Flechte“ wird manchmal Stoltze zugeschrieben. Foto: Renate Hoyer

Eine Altstadt, ob alt oder neu, ohne Friedrich Stoltze – undenkbar! Zum einen ist der Mundartdichter und Freiheitskämpfer hier geboren und hat in den winkeligen Gassen seine Kindheit und Jugend verbracht. Zum anderen hat er selbst diverse Male über das Quartier geschrieben. Ausgangspunkt der Stoltze-Tour ist das Haus „Zur Flechte“, Markt 20, als sachkundige Führerin wurde Petra Breitkreuz, der das Stoltze-Museum der Stadtsparkasse untersteht, gewonnen.

Auf einer 95 Quadratmeter großen Parzelle erhebt sich die „Flechte“, warum das hellblaue Haus so heißt, ist nicht überliefert. Wie bei so vielen anderen Rekonstruktionen reichen die Anfänge der „Flechte“ in die Gotik zurück. Über dem steinernen Erdgeschoss erheben sich drei Stockwerke mit den für dieses Gebäude typischen drei Fenstern nebeneinander, die der Fassade ein freundliches Gesicht verleihen. Obendrauf thront ein üppig dimensioniertes Zwerchhaus mit einem ovalen Occulifenster als Hingucker.

Auffällig ist auch ein Spruch, der einen dicken Querbalken ziert: „Frankfurt liegt am Mainesstrand, am Rheinesstrand liegt Wesel. Zum besser machen gehört Verstand, kritisieren kann jeder Esel.“ Offenbar scheint die Kunde von der neuen Altstadt schon bis zum Rheinesstrand vorgedrungen zu sein, denn Petra Breitkreuz hat Post von der Stadtkommunikation in Wesel erhalten, die wissen wollte, ob das ein Spruch von Stoltze sei, wie es einige Frankfurter vermuten.

„Für mich ist der nicht von Stoltze“, meint Breitkreuz. Sie befasse sich seit vielen Jahren mit dem Mundartdichter. Der „Rheinesstrand“ sei ihr dabei nicht untergekommen. Wohl aber weiß die Museumsdirektorin von anderen Beiträgen des Mundartdichters zu berichten. Etwa von dem Butter- und dem Heidelbeerkuchen, den er als Kind vom Dorfbäcker „Hinter dem Lämmchen“ erstand. An anderer Stelle fordert er in der „Frankfurter Latern“, seiner politischen Satirezeitschrift, „mehr Luft und Licht und freieren Verkehr in der Altstadt“ und rief in Erinnerung, „dass im vorigen Jahr am Alten Markt mindestens 732 Pferde gestürzt“ seien.

Gasthof zum Rebstock war einst ein Treffpunkt der Freigeister

Später geißelte sein Sohn, Adolf Stoltze – wie der Vater zu Lebzeiten sehr beliebt und prominent –, den „Dorchbruchsdeiwel“, der auch das Geburtshaus von Friedrich Stoltze, den Gasthof zum Rebstock verschlang. Der Gasthof gehörte der Familie und war ein Treffpunkt der Freigeister und Querdenker, die den jungen Friedrich Stoltze prägen sollten. Eine Plakette in der Braubachstraße am alten, gerade eingerüsteten Zollamt erinnert noch daran.

Zurück zur „Flechte“, von der aus man einen schönen Blick auf den Stoltze-Brunnen hat, der, wie Breitkreuz mit einem Foto belegen kann, den Bombenhagel von 1944 fast unbeschadet überstand. Nach einem Gastspiel auf dem Stoltze-Platz an der Katharinenkirche hat er den Weg zurück in die Altstadt gefunden und ist nun in den Mittelpunkt des Hühnermarkts gerückt.

Und weiter geht es auf Stoltzes Spuren den Krönungsweg hinauf Richtung Dom. Fast am Ende der neuen Altstadt mit ihrem fulminanten Schlussakkord, der „Goldenen Waage“, liegt rechts der „Weiße Bock“, Markt 7. Obwohl es sich bei diesem Haus um keine Rekonstruktion handelt, muss der „Weiße Bock“ an dieser Stelle erwähnt werden, denn hier wird am 23. Oktober das Stoltze-Museum, Teil eins, eröffnet. Später, nach Fertigstellung der „Goldenen Waage“, wird sich das Museum dort im Kaminzimmer ausbreiten dürfen. So wird unter anderem Stoltzes geliebte Ottomane zu sehen sein.

Bleibt noch die Frage, wem der Spruch an der „Flechte“ zu verdanken ist. Die Dom-Römer GmbH schreibt ihn Fried Lübbecke (1883-1965) zu, dem Gründer des „Bundes tätiger Altstadtfreunde“, die heute Freunde Frankfurts heißen. Sie werden zusammen mit den Stoltze-Exponaten und einer Dependance des Historischen Museums in die „Goldene Waage“ ziehen. So hat die „Flechte“ letztlich doch zu einem guten Ende geführt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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