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Die Altstadt-Rekonstruktion Haus „Würzgarten“: Der richtige Riecher

Das Haus „Würzgarten“ in der neuen Frankfurter Altstadt hat eine Auskragung, die „Frankfurter Nase“ genannt wird. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit des Gebäudes.

Die neue Frankfurter Altstadt
Das Haus „Würzgarten“ wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Bis zum Zweiten Weltkrieg befand sich im Erdgeschoss die „Droguen- und Materialwaarenhandlung“. Foto: Renate Hoyer

Schon der Name des blauen Hauses am Markt 28 lässt die Fantasie sprudeln. Das Wort „Würzgarten“ lässt Bilder von einem kleinen, verwunschenen Kräutergärtchen im Kopf entstehen. Wie es dort wohl früher gerochen hat? Jetzt ist es auch die Nase, die sich an den Geruch von Rosmarin oder Liebstöckel erinnert. Haben die Menschen, die im 16. Jahrhundert durch die Gasse vor dem Haus eilten, überhaupt etwas von dem Geruch mitbekommen? Oder haben die feinen Düfte aus dem Garten es nicht auf die Straße geschafft? Dabei gibt auch die Architektur des Hauses einen kleinen Hinweis darauf, dass es diesem Haus „um die Nase“ geht.

Am Giebel, direkt am Dachfirst, befindet sich eine Auskragung, die „Frankfurter Nase“ genannt wird. Die Fläche darüber ist verschiefert. Betrachtet man das Haus von der Seite, sieht es tatsächlich so aus, als habe das Haus eine Nase.

Das ist jedoch nicht die einzige Besonderheit. Fast unter dem Dach, im zweiten Obergeschoss, sind die Fenster mit einem geschweiften Bogen verziert. Dessen Form erinnert an einen umgedrehten Schiffskiel – oder an das Rückgrat eines Esels. Je nachdem, ob man Schiffe oder Esel lieber mag, wird dieser Bogen „Eselsrücken“ oder „Kielbogen“ genannt.

Sowohl die „Frankfurter Nase“ als auch der „Eselsrücken“ sind Elemente der Spätgotik. Damit steht das Haus in einem Kontrast zu seinem direkten Nachbarn, dem „Alten Kaufhaus“. Dieser Neubau setzt sich mit seiner klaren und modernen Fassade deutlich vom Haus „Würzgarten“ ab.

Wenn man aus Richtung Westen den alten Krönungsweg entlanggeht, ist das Haus Nummer 28 das erste wiederaufgebaute Gebäude in der Zeile. Alle anderen sind Neubauten. Das Haus hat viele Fenster, so konnten die ehemaligen Bewohner die Prozession des Kaisers vom Dom zum Römer von ihrer Wohnung aus verfolgen.

Der Duft der Kräuter und das Haus am Markt 28 schienen für lange Zeit untrennbar miteinander verbunden zu sein. Von Beginn des 18. Jahrhunderts an bis zum Zweiten Weltkrieg befand sich im Erdgeschoss des Hauses „Würzgarten“ die „Droguen- und Materialwaarenhandlung“, die von Philip Gallus Mettenheimer Anfang des 18. Jahrhunderts gegründet wurde.

Nun geht das Haus wieder in den Besitz der Familie Mettenheimer über. Der Jurist Konstantin Mettenheimer erhielt den Zuschlag für das Haus „Würzgarten“. Zukünftig werden im Erdgeschoss keine Duftwässerchen mehr verkauft, sondern Schmuck. Die oberen Geschosse werden vermietet. Vielleicht zieht eines der Kinder Mettenheimers dort ein.

Oder er werde sich dort ein Büro einrichten, so Mettenheimer. Insgesamt hat das Haus „Würzgarten“ eine Fläche von 213 Quadratmetern. Besonders freut sich der neue Besitzer über die vielen Fenster und den freien Blick auf die Schirn. Die ist nämlich nur eine Nasenlänge entfernt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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