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Deutsches Romantik-Museum Versuch’s mal bei Privat

Eigentlich hat er gar nichts mit Frankfurt zu tun, doch der Kunsthändler Karsten Greve aus Köln rettet die Realisierung des Deutschen Romantik-Museums. Er kitisiert, dass die Kultur in Deutschland keine mächtige Lobby hat - und zieht die Politik in Verantwortung.

Der Kunsthändler Karsten Greve. Foto: Andreas Arnold

Der Eine-Million-Euro-Mann hat mit Frankfurt gar nichts zu tun, stellt er fest. „Ich war vor 50 Jahren mit den Eltern mal hier“, äußert der Großspender am großen Holztisch des Goethehauses. Dort hat der Großspender Karsten Greve das Freie Deutsche Hochstift am Montag platziert.

So sieht er also leibhaftig aus, der legendäre „Galerist aus Köln“, dem seit März in Frankfurt ein enormer Ruf vorauseilt. Kaum hatte nämlich der hiesige Magistrat das „Deutsche Romantik-Museum“ versenkt, indem er dem Hochstift die Investitionsmittel für die Erweiterung der Goethestätte strich, warf sich aus der Ferne dieser Kunsthändler mit der Million in die Bresche.

Frankfurt und Literatur

„Es war die Reaktion eines Zeitungslesers“, gibt er am Tisch bekannt. Er hatte im Flugzeug in der Zeitung von der Kürzung gelesen, nichts weiter. Wieder mal fiel ihm dabei auf, dass „die Kultur in Deutschland keine mächtige Lobby hat“. Zweitens ging ihm durch den Kopf, „dass die Literatur für Deutschland eine wichtige Basis ist, aber nicht genug gewürdigt wird“. Außerdem wunderte ihn schlicht, dass er keine Ahnung hatte, dass es in Deutschland kein Romantik-Museum gibt: „Ich war über mich erstaunt.“ Das reichte. Greve wurde zur Lokomotive der Geldsammlung für den Bau des Literaturmuseums, eines Aufrufs, der auch von OB Peter Feldmann und Ex-OB Petra Roth getragen wird.

Auf die Tour hat der Galerist Frankfurt wiedergesehen. Die Stadt habe er „immer stark mit Literatur in Verbindung gebracht“, sagt er und verweist auf Suhrkamp. Das Liebieghaus sei ihm ein Begriff, und vom Städel „der alte Teil“. Und die Buchmesse. Es gebe „so Bilder, wie eine Stadt sich präsentiert“. Oder „verpasste Gelegenheiten“.

Die Politik mache oft „merkwürdige Rechnungen auf“; Köln sei da „noch fürchterlicher“. Seine Spende für Frankfurt werde dort „totgeschwiegen oder kritisiert“. Es gelte, „die politischen Kräfte reinzuzwingen in die Verantwortung“.

Das Hochstift versucht es aber jetzt besser bei Privat: Acht Millionen Euro müssen reinkommen, weil die Stadt vier gestrichen hat. Rund sechs Millionen sind überwiesen oder zugesagt. Unterm Strich steht damit: minus zwei. Ende 2013, so Hochstift-Direktorin Anne Bohnenkamp-Renken, müsse klar sein, ob die Summe zusammenkommt. Sonst sei der Bau des Deutschen Romantik-Museums „nicht gesichert“.

Es geht noch was

Fehlen also zwei Millionen? Oder „ist es nicht schön, dass wir schon sechs Millionen Euro gesammelt haben?“ Der Bankier Friedrich von Metzler sitzt mit am Tisch und wendet die Dinge letztlich wieder mal ins Positive. Nicht nur er selber, auch der Großspender Karsten Greve kennt ja noch „jemanden, der sagt: In der Schlussphase rufen Sie mich mal an.“ Es geht also noch was.

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