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Deutscher Präventionstag Frankfurt Verbrechen geht uns alle an

Welche Schäden verursacht Kriminalität? Wie gehen Einbrecher und Diebe vor? Wie können sich die Bürger schützen und wie viel ist die Gesellschaft bereit zu investieren, um Verbrechen zu verhindern? Diese Fragen beschäftigen die Teilnehmer des Deutschen Präventionstags in Frankfurt. Klar ist: Ohne die Bürger geht es nicht.

Ein Alterssimulationsanzug soll beim 20. Deutschen Präventionstag in Frankfurt körperliche Beschwerden im Alter simulieren. Foto: dpa

Der 30-Jährige stöhnt unter den ganzen Manschetten, die Polizeibeamtin Anja Traxler ihm anlegt. „Mit dem Alterssimulationsanzug wird er sich etwa 30 bis 40 Jahre älter fühlen“, erklärt die Beamtin des Landeskriminalamts Hessen (LKA). Dann wirft sie dem eben noch jungen Mann ein Päckchen vor die Füße und bittet ihn, es aufzuheben, was der Mann nur mit Mühe schafft. Die Polizei will mit der Aktion um Verständnis für ältere Mitbürger werben, die vor allem im Straßenverkehr von jüngeren oft nur als ärgerliches Hindernis wahrgenommen werden.

Das LKA ist einer von rund 150 Ausstellern beim 20. Deutschen Präventionstag. Wer sich die Ausstellung am Rande des zweitägigen Kongresses anschaut, wird nicht in Jubel ausbrechen, aber anschaulich erfahren, wie vielfältig Prävention sein kann und verstanden wird. Es zeigt aber auch, wie viel sich die gut 3100 Teilnehmer aus 44 Ländern beim diesjährigen Schwerpunktthema vorgenommen haben: „Prävention rechnet sich. Zur Ökonomie der Kriminalprävention“, heißt das vollmundige Motto. Doch ob das stimmt und wenn ja wie sehr, ist unklar. Der Gutachter Stephan Thomsen warnt daher vor allzu großen Erwartungen bei dem Kongress. „Es gibt in Deutschland keine systematische Datenlage. Wir sind weit davon entfernt, die immateriellen Kosten der Kriminalität schätzen zu können“, so Thomsen, der auch Direktor des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung ist.

Die Geschichte des Deutschen Präventionstages begann 1995 in Lübeck mit 168 registrierten Kongressteilnehmern. Seinerzeit ging es vor allem darum, über bloße Absichtserklärungen bezüglich des Nutzens der Prävention hinauszukommen und Barrieren zwischen einzelnen Behörden abzubauen. Etwa zur gleichen Zeit begannen Experten in den USA bereits zu eruieren, welche Kosten die Kriminalität alljährlich verursacht. Die vorsichtige Schätzung: Es gibt jährlich einen Schaden in dreistelliger Milliardenhöhe. Jeder aufgewendete Dollar in der Prävention bringe hingegen 16 Dollar weniger Schäden.

Doch welche Kosten können bei solchen Rechnungen überhaupt einbezogen werden? Wie sollen etwa psychische Schäden bei Opfern berechnet werden? Thomsen gibt zudem zu bedenken, dass auch Täter finanzielle Schäden erleiden. Wer ins Gefängnis müsse, habe danach deutlich schlechtere Berufsaussichten. Gemessen werden müssten zudem sehr vielfältige Effekte. „Wie viel weniger Kosten verursacht ein Drogenabhängiger, der nicht drogenabhängig wird“, gibt Thomsen zu bedenken.

Es scheint noch ein weiter Weg, bis solche Fragen beantwortet werden können und den Befürwortern der Prävention weitere wichtige Argumente liefern. In Frankfurt wollen es die Präventionsexperten aber zum ersten Mal probieren. Am Dienstag soll zudem eine „Frankfurter Erklärung“ verabschiedet werden, mit „deutlichen Forderungen an die Politik“, wie der Geschäftsführer des Deutschen Präventionsrats, Erich Marks, schon mal vorab verriet.

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