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Deutsche Bundesbank Tag der offenen Tür Ein goldiges Erlebnis

Grau und unspektakulär - so wirkt die Bundesbank aber nur von außen. Beim ersten Tag der offenen Tür offenbart die Bundesbank spektakuläre Einblicke - Goldbarren zum Anfassen inklusive.

Ist das nicht der erste Kreuzer von...ach nein, ein Fünfeuroschein. Foto: Rolf Oeser

So hat noch nie jemand die Deutsche Bundesbank gesehen. Üblicherweise ist sie mit ihren 85.784 Goldbarren, die einen Wert von rund 30 Milliarden Euro darstellen, ein Hochsicherheitstrakt, der in der Wilhelm-Epstein-Straße ein von der Öffentlichkeit völlig abgeschottetes Dasein führt. Am Wochenende wurde die Bundesbank bei ihren ersten Tagen der offenen Tür zur Partymeile und zu einem Lernort. Die Besucher konnten – wenn sie wollten – alles über Geldpolitik, Zahlungsverkehr, Finanz- und Währungsstabilität oder  die Bankenaufsicht erfahren.

Viele wählen als erste Station den „Goldraum“: „Papa, der klebt fest“, sagt David (5). Erst streckt er den rechten Arm durch das Loch in der Glasvitrine, dann versucht  es der Fünfjährige mit beiden Armen, den glänzenden Goldbarren, der dort ausgestellt ist und angefasst werden darf, anzuheben. Nichts bewegt sich. 12,4 Kilo schwer ist das 25 Zentimeter lange, vier Zentimeter hohe und neun Zentimeter breite Goldstück schwer. Dem Papa, immerhin, gelingt es, den Barren etwas zu liften.

Gold selbst auf der Stofftapete

Eine ältere Dame versucht es erst gar nicht. Mehrere Sekunden ruht die Hand auf dem matt glänzenden Barren:  „Ein schönes Gefühl“. Die meisten Frauen scheitern bei ihren Versuchen, den Barren zu bewegen. „Wir tragen Gold lieber anders“, kommentiert eine 40-Jährige, aber auch ein 13-Jähriger meint mit Respekt vor dem Gewicht:  „Den klau ich nicht.“

Etwa dreißig Minuten müssen die Besucher warten, so lang ist die Schlange vor dem Goldraum. Man kommt ins Gespräch. Eine junge Frau aus Worms ist noch vor der Besichtigung „beeindruckt von dem großen Wert, der da so geballt rumliegt“. Zwei Banker sind zum Tag der offenen Tür gekommen, um „mal zu sehen, was die große Mutter macht“.

Gold hat auch seine sinnlichen Qualitäten: Mal in Gold baden, ist bei einem Barren nicht möglich, doch ist das Betreten des abgedunkelten Raums mit seiner Stofftapete, die hunderte Goldbarren zeigt, schon ein goldiges Erlebnis. Fast alle verlassen ihn mit strahlenden Augen.

Strenge Sicherheitskontrollen verhindern, dass irgendwelche Panzerknacker-Phantasien entstehen. „Wir mussten ja alles abgeben“, meint ein Familienvater. Tatsächlich sind  Rucksäcke nicht erlaubt, sondern müssen gegen Stofftüten mit Bundesbank-Logo ausgetauscht werden, in denen dann das Allerwichtigste transportiert werden darf. Am eigentlichen Eingang werden die Tüten und der Personalausweis kontrolliert.

Die Besucher verteilen sich schnell über das große parkähnliche Gelände. Die Bundesbank selbst, ist ein grauer unspektakulärer Bau. Im Foyer befindet sich der Grundstein vom 10. November 1967. Von hier starten die Führungen durchs Haus und zu der Kunstsammlung, die schon am Vormittag ausgebucht sind.

Sensationell niedrige Preise

Hier befinden sich aber auch einige dicht umlagerte Informationsstände, etwa „Falschgeld erkennen“.  Eine Junge rätselt, welcher der drei gezeigten Zehn-Euro-Scheine denn der echte ist: Wasserzeichen und Sicherheitsstreifen sind eigentliche gute Erkennungsmerkmale, erläutert ein Mitarbeiter der Bundesbank. Aber im November komme ein neuer Zehn-Euro-Schein mit einer grün leuchtenden „10“ auf den Markt, der noch sicherer sei. Dabei werden Zehn-Euro-Scheine gar nicht so häufig gefälscht: Im vergangenen Jahr waren die 20-Euro-Scheine Spitzenreiter: „Wir hatten 15 000 falsche  Zwanziger“, erzählt der Bundesbank-Mann. In diesem Jahr liegen bislang die 50-Euro-Scheine vorn.

Ein Mitarbeiter des Landeskriminalamtes (LKA) erläutert, wie die Kartenlesegeräte von Supermärkten manipuliert werden. Wenn gerade niemand hinschaut, wird ein Zusatzgerät auf das Original gesteckt, das  alle Daten der Kundenkarten speichert. Mit diesen Daten werden neue Karten gemacht, dann fliegt der Datendieb nach Südamerika und hebt Geld ab, erzählt der LKA-Vertreter. In einem einzigen Fall betrug der Schaden 1,2 Millionen Euro, die von den betroffenen Banken ersetzt wurden. Der Kunde selbst „kann gar nichts machen.“

Gute Musik auf den zwei Bühnen, sensationell niedrige Preise für Essen und Trinken  laden dazu ein, auch mal eine Pause einzulegen. Als „Bürgerfest“, das die Institution Bundesbank den Menschen näher bringen will, waren die Tage der Offenen Tür geplant. Aber ganz sicher ist daraus ein großes Frankfurter Familienfest geworden mit vielen Angeboten für die Kinder. Unter anderem vertreten: der bewährte  Abenteuerspielpatz Riederwald mit Hüpfburg und Kletterwand.

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