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Denkmalschutz Hotel mit Verfallsdatum

In den 80ern wurde der Bundesrechnungshof-Komplex unter Denkmalschutz gestellt. Das Landesamt für Denkmalpflege entscheidet jetzt, in wie weit das Gebäude noch geschützt werden muss im Angesicht hoher Sanierungskosten.

20.07.2011 21:02
Jutta Ochs
Der Rechnungshof steht seit rund zehn Jahren komplett leer. Es wird weiter diskutiert, was mit dem Gebäude passieren soll. Foto: A. Arnold

Es gab einige in dieser Stadt, die hatten Ahnungen, dass mit der Zwangsversteigerung im vergangenen Jahr und dem Zuschlag an OFB Projektgesellschaft und Fay Gruppe die lange Leidensgeschichte um den seit elf Jahren brach liegenden Bundesrechnungshof-Komplex zu keinem schnellen Happy End kommt. Alle Unken hatten Recht. Zwischen der Helaba-Tochter OFB und dem Landesamt für Denkmalpflege ist ein Kampf um den Denkmalschutz entbrannt, der allem Anschein nach mit harten Bandagen geführt werden wird. Hauptkonservator Heinz Wionski nennt das Vorgehen der OFB „legitim“ und informiert: „Wir werden uns erlauben, die Angelegenheit sehr sorgfältig zu prüfen.“

Die OFB hat gleich mächtige Geschütze aufgefahren. Sie argumentiert, wie berichtet, dass laut einem Gutachten eine Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudeflügels im Osten unerhörte Kosten verursache werde. Und zwar 25,6 Millionen Euro, wirtschaftlich darstellbar seien höchstens 8,4. Die Lösung könne nur Abriss heißen. Zusätzlich führt sie an, dass die gesamte Statik des Gebäudes marode und gefahrvoll sei. Und in einem dritten Strang untergräbt sie die Denkmalschutz-Würde des Hauses. An diesem sei schon mehrfach herumgebaut worden, so dass das ursprünglich Schützenswerte überhaupt nicht mehr bestehe, sagt sinngemäß die OFB.

Nicht leichtfertig preisgeben

Ihre Unterlagen hat sie bereits den Denkmalpflegern übergeben. Sie seien sehr umfangreich. Heinz Wionski glaubt, dass die Prüfung „etwa drei Monate in Anspruch nehmen wird“. Das gelte für die Themen Wirtschaftlichkeit und Statik. Eine schnellere Antwort kann er zum Thema Schutzwürdigkeit geben. Daran nämlich habe sich seit Anfang der 80er, als das Gebäude als „Modernes Verwaltungebäude“ unter Denkmalschutz gestellt wurde, „überhaupt nichts geändert“. Dazu steht auch das Frankfurter Denkmalamt: „Wir halten an dem Bundesrechnungshof fest“, sagt Heike Kaiser.

Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) eröffnet der Debatte noch ein weiteres Feld. Er habe vom ehemaligen Landesminister Alois Rhiel, heute in der OFB-Geschäftsführung, erfahren, dass das Projekt mit Denkmalschutzauflage so teuer werde, „dass sich ein Hotel gar nicht mehr rechnen würde“. Dann könnte, sagt Schwarz, dort nur ein großer Bürokomplex entstehen. Und das wolle er nicht, es gebe genug Büroraum. Das Stadtparlament habe an dieser Stelle auch ein Hotel beschlossen.

Wenn es sich also auf diese Frage zuspitzen sollte, Büros mit Denkmalschutz oder Hotel ohne Denkmalschutz, dann werde er für die zweite Variante plädieren, sagt Schwarz. Zunächst aber werde selbstverständlich die Prüfung des Landesamtes für Denkmalpflege abgewartet.

CDU-Planungsexperte Jan Schneider findet, dass „niemals leichtfertig Denkmalschutz aufgegeben werden“ dürfe. Den privaten kleinen Bauherren verlange man da auch Einiges ab. Ob der Bundesrechnungshof ein Kulturdenkmal sei, daran „scheiden sich die Geister“. Das findet auch Elke Tafel-Stein von der FDP-Fraktion. Sie hält die wirtschaftliche Unzumutbarkeit für relativ gewiss. Und sie sagt jetzt schon voraus, dass das Gutachten der Denkmalpfleger anders ausfallen wird als das der OFB.

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