Lade Inhalte...

Demos in Frankfurt Zwei Demos – ein Ziel

In Deutschland lebende Griechen und Mazedonier protestieren in Frankfurt gegeneinander. Im Grunde fordern sie aber dasselbe. Nationalismusvorwürfe werden zurückgewiesen.

Demonstration
Rund 600 Demonstranten zogen durch die Frankfurter Innenstadt und forderten ein Ende der Verhandlungen mit Mazedonien. Foto: Renate Hoyer

Eine lange Menschenschlange geht die Bockenheimer Landstraße in Richtung Westen. Umrahmt sind die etwa 600 Demonstranten von zahlreichen Polizisten, die den Protestmarsch begleiten. Der überwiegende Teil der Menschen sind in Deutschland lebende Griechen. Sie schwenken die blau-weißen Fahnen des Staates am Mittelmeer, singen die Nationalhymne und rufen immer wieder „Makedonien ist Hellas“. Als die Gruppe an der Universitätsbibliothek kurz pausiert und trommelnd und trötend auf sich aufmerksam macht, hupen viele der Autofahrer, die auf der Senckenberganlage stehen. Nicht jeder scheint Verständnis zu haben.

Die griechischen Demonstranten haben am Samstag auf dem Opernplatz ein Ende der Verhandlungen zwischen Griechenland und Mazedonien gefordert. Immer wieder gibt es Streit zwischen der griechischen Region im Norden des Landes, die ebenfalls Mazedonien heißt, und dem Nachbarland Mazedonien. Beide Seiten sagen, dass der Name nur ihnen zustehe bzw. beide weiterhin so heißen sollen. Einige Griechen fürchten zudem, dass Mazedonien territoriale Begehrlichkeiten auf die Region in Nordgriechenland haben könnte. „Wir geben Makedonien nicht her“, sagte Anastasios Tristidis, einer der Organisatoren. Er sei extra aus Stuttgart angereist, um gegen die griechische Regierung zu protestieren. „Wir wollen die Regierung nicht mehr haben, sie verkauft unsere Geschichte und unseren Namen.“ Nur das griechische Volk habe ein Recht auf den Namen, nicht aber die Politik. Den Politikern in Athen warf der Mann vor, den Bürgern etwas vorzugaukeln.

Vorwürfe, dass man nationalistisch oder rassistisch handle, weist er von sich. „Wir sind Patrioten und friedliche Demonstranten.“ Tatsächlich blieben der Protestmarsch zum griechischen Konsulat in der Zeppelinallee und die Kundgebung friedlich. Die Polizei meldete am Sonntag keine Zwischenfälle.

Gegendemonstranten  formieren sich

Noch bevor die Demo am Opernplatz begann, hatten sich am nahen Rossmarkt Gegendemonstranten zusammengefunden. In Deutschland lebende Mazedonier hatten von der geplanten Demo der Griechen erfahren und spontan eine eigene Veranstaltung organisiert. „Es sind Leute aus Berlin, Dortmund und ganz Hessen hier“, sagte Mitorganisator Borce. Seinen Nachnamen wollte er nicht nennen. Rund um das Gutenberg-Denkmal standen etwa 200 Menschen, schwangen mazedonische Fahnen und sangen alte Lieder aus dem Balkanstaat.

„Wir sind hier geboren und fühlen uns als Deutsche, aber wir lassen nicht zu, dass andere unsere Kultur und unsere Vorfahren anzweifeln“, erklärte Robert, der die Demo ebenfalls mitorganisiert hatte. Auch die mazedonischen Demonstranten forderten eine Ende der Verhandlungen zwischen Skopje und Athen – zumindest in diesem Punkt waren sie sich mit den Teilnehmern der anderen Demo einig.

„Niemand hat die Regierung beauftragt, in Verhandlungen zu treten“, sagte Borce. Die Griechen bräuchten keine Angst zu haben, da niemand vorhabe, sich die Region in Nordgriechenland einzuverleiben. Nach einigen Ansprachen zu den Versammelten marschierten auch die Mazedonier über die Kaiserstraße durch Frankfurt. Eine Vertretung des Landes gibt es in der Mainmetropole nicht.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen