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Demonstration Mehrsprachiger Protest am Flughafen

Hunderte Menschen demonstrieren gegen Abschiebungen. Sie nennen den Frankfurter Airport den Abschiebe-Tatort Nummer 1.

Demo gegen Abschiebungen
Im Terminal 1: Reisende begegnen den Demonstranten. Foto: Monika Müller

Laut schallen die Rufe am Samstagnachmittag durch die Abflughalle B von Terminal 1 des Flughafens. Parolen wie „Kein Mensch ist illegal, Bleiberecht überall“ und „No border, no nation, stop Deportation“ sind zu hören. Bei der Demonstration gegen Abschiebungen geflüchteter Menschen vom Frankfurter Flughafen aus fordern die Teilnehmer eine Abschaffung von Grenzen und Nation sowie ein Ende von Deportationen.

Der Protest ist mehrsprachig. „Besonders ist, dass heute Geflüchtete aus vielen verschiedenen Communities gekommen sind“, sagt Doro Köhler vom Aktionsbündnis gegen Abschiebungen Rhein-Main, das die Demo mit anderen Initiativen organisiert hat. Unter den Demonstranten seien Menschen aus Somalia, Äthiopien, Eritrea und Afghanistan. Sie spricht von insgesamt rund 350 Teilnehmern. Die Polizei schätzt die Zahl auf 250.

Die Demo am „Abschiebe-Airport und Tatort Nummer eins“ sei Teil eines transnationalen Aktionstages, anlässlich des Jahrestages des „EU-Türkei-Deals“, berichtet Köhler. Der Handel mit der Türkei habe dazu geführt, dass Geflüchtete in großer Zahl auf griechischen Inseln in sogenannten Hotspots unter inhumanen Bedingungen festgehalten werden würden. Parallel gebe es auch Kundgebungen in Griechenland, Italien und der Schweiz.

„Wir fordern ein Bleiberecht für alle, die hier bleiben wollen“, ruft eine Sprecherin während ihrer Rede, zu der sich die Teilnehmer in einem großen Kreis im Eingangsbereich der Abflughalle versammelt haben. Sie wünscht sich eine „Willkommens-Gesellschaft“. Viele Transparente sind zu sehen. Auf den Bannern steht: „Keine Abschiebung nach Afghanistan“ oder „For the right to stay“ (Für das Recht zu bleiben).

An Flug-Schaltern und Geschäften vorbei bewegt sich der Demo-Zug vom Eingangsbereich durch die Abflughalle. Demonstranten mischen sich mit vorbeieilenden Reisenden, die Rollkoffer hinter sich herziehen oder Taschen tragen. Eine Gruppe von Trommlern, die weiße Maleranzüge mit der Aufschrift „Stop Deportation“ und pinkfarbene Masken tragen, macht außerdem mit Pfeifen und Rasseln auf sich aufmerksam. Unter einer großen Anzeigetafel angelangt, auf der Dutzende Reiseziele zu lesen sind, spricht ein Mann aus Äthiopien in seiner Heimatsprache durch ein Mikrofon.

Über mobile Lautsprecher, die einige Teilnehmer auf den Schultern tragen, wird die Botschaft transportiert. „Jeden Tag werden Leute von uns ermordet“, übersetzt eine Aktivistin seine Rede – und weiter: „Es heißt, Äthiopien sei eine Demokratie und ein sicheres Land, das stimmt aber nicht.“

Solidarität gefordert

Bevor die Demonstranten gruppenweise in die „Skyline“-Hochbahn steigen, die Terminal 1 und 2 miteinander verbindet, berichtet Doro Köhler, dass das Ziel in Terminal 2 die Schalter von Fluggesellschaften seien, die „Charterflüge in sogenannte sichere Herkunftsstaaten“ vornehmen würden. Auch Serbien, Mazedonien, Kosovo und Albanien seien keine sicheren Länder. Unter den anvisierten Fluggesellschaften sei Air Berlin. „Man weiß, dass viele Abgeschobene in ihren Herkunftsländern in Obdachlosigkeit und in Slums landen“, sagt Köhler.

An den Rolltreppen, vor denen ein Teilnehmer auf Englisch „Solidarität und Gleichberechtigung“ fordert und von Perspektivlosigkeit auf seiner Zwischenstation in Norwegen berichtet, wird es etwas eng. Ein Mitarbeiter des Flughafens in neongelber Jacke des Betreibers Fraport ruft in aggressivem Tonfall: „Erst die Passagiere, dann ihr, die bezahlen nämlich.“ Keiner der Demonstranten reagiert auf diese Provokation. Ohne Gepäck sind die Reisenden auch kaum von den Demonstranten zu unterscheiden.

Nach Angaben der Polizei endet der Protest friedlich und ohne weitere Zwischenfälle.

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