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Demonstration Lauter Protest gegen Pegida

Begleitet von massiven Protesten haben am Montagabend rund 80 Anhänger der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) auf der Frankfurter Hauptwache demonstriert.

02.02.2015 20:44
Von Martín Steinhagen, Hanning Voigts
Anhänger von Pegida versammeln sich vor der Katharinenkirche. Foto: Andreas Arnold

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Zum zweiten Mal hatte die Gruppe „Pegida Frankfurt Rhein-Main“ um die Pädagogin Heidi Mund und ihren Ehemann, den Stadtverordneten Mathias Mund (Freie Wähler), zu der Kundgebung aufgerufen. Etwa 1500 Menschen, darunter viele Jugendliche, Gewerkschafter und Mitglieder unterschiedlicher linker Organisationen, protestierten mit Plakaten, Pfiffen und lauten Parolen gegen die Versammlung. Wie in der vergangenen Woche wurden Eier auf die Pegida-Anhänger geworfen, außerdem flogen vereinzelt Flaschen und Feuerwerkskörper.

Bereits am späten Nachmittag hatte die Polizei die Hauptwache mit einem Großaufgebot weitläufig abgeriegelt. Der Kundgebungsort direkt vor der Katharinenkirche war mit Drängelgittern abgesperrt, nur durch einen Tunnel aus Bauzäunen konnten die Pegida-Anhänger zu ihrem Versammlungsort gelangen. Bereits vor Beginn der Kundgebung versuchten Antifa-Aktivisten, die Zugänge zum abgesperrten Bereich zu blockieren. Am Friedrich-Stoltze-Platz kam es zu Rangeleien mit der Polizei, die Beamten setzten vereinzelt Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Gegen 18 Uhr trafen die ersten Pegida-Anhänger vor der Katharinenkirche ein. Sie trugen Transparente, auf denen etwa „Stoppt die Islamisierung Europas“ zu lesen war – verbunden mit Werbung für das rassistische Internetportal „Politically Incorrect“. Außerdem schwenkten sie die Fahnen Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz. Dazu hielten sie Schilder in die Luft, auf denen Sprüche wie „Nein zu Islam-Nazis – Hier stehen echte Antifaschisten und Demokraten“ zu lesen waren. Unter die Teilnehmer hatten sich auch rechte Hooligans und Aktivisten der rechtsradikalen „German Defence League“ gemischt. Die NPD-Politiker und Neonazi-Kader, die eine Woche zuvor zur ersten Pegida-Kundgebung gekommen waren, waren dieses Mal nicht zu sehen.

Pfiffe und Buh-Rufe

Als die Organisatorin Heidi Mund die Pegida-Kundgebung gegen 18.30 Uhr eröffnete, versuchten die Gegendemonstranten, ihre Rede mit Pfiffen, Buh-Rufen und Parolen wie „Haut ab“, „Es gibt kein Recht auf rechte Propaganda“ oder „Wir sind Frankfurt und ihr nicht“ zu übertönen. Es flogen Eier und einzelne Böller auf die Pegida-Anhänger, die Polizei rief die Versammelten über Lautsprecher immer wieder dazu auf, keine Gegenstände zu werfen.

In ihrer Rede warf Heidi Mund den Gegendemonstranten vor, dieselbe Ideologie zu vertreten wie die SED in der DDR. „Das ist Sozialismus pur, das ist die Diktatur, aus der ich gekommen bin“, rief sie. Außerdem verlas sie die sechs Forderungen ihrer Gruppe, die unter anderem mehr innere Sicherheit, Volksentscheide auf Bundesebene und die Abschiebung von Islamisten beinhalten. Andere Redner sagten unter anderem, sie fühlten sich als Deutsche „fremd im eigenen Land“ – und in vielen Schulklassen gebe es kaum noch „deutsche Kinder“.

2000 protestieren in Kassel

Die Katharinenkirche blieb den ganzen Abend über dunkel. Man wolle damit ein klares Signal setzen, sagte Pfarrerin Gita Leber der Frankfurter Rundschau. „Wir setzen uns für die Würde des Menschen, die für jeden gilt.“ Dass die erste Pegida-Kundgebung direkt vor der Kirche stattgefunden habe, habe die Gemeinde als „fatales Zeichen“ empfunden, sagte Leber. Daher habe man die Stadt gebeten, das Gebäude bis zum Ende der zweiten Kundgebung nicht anzustrahlen.

Gegen 20 Uhr wurde die Pegida-Kundgebung mit dem Singen der Nationalhymne beendet. Im Anschluss zogen etwa 500 Gegendemonstranten spontan über die Zeil. Die Polizei sprach von sechs vorübergehenden Festnahmen und neun Verletzten. In Kassel gingen zur selben Zeit rund 2000 Menschen gegen religiösen Fanatismus, Rassismus und den lokalen Pegida-Ableger „Kagida“ auf die Straße

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