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Demonstration in Frankfurt Angst um das Bargeld

Die Initiative „Pro Bargeld – pro Freiheit“ will am kommenden Samstag erneut an der Hauptwache in Frankfurt demonstrieren. Sie betont ihre Überparteilichkeit und weist den Vorwurf, politischer Rechtslastigkeit zurück.

Hans-Olaf Henkel, der den Aufruf mit unterzeichnet hat, im Mai 2014 bei einer AfD-Kundgebung auf der Hauptwache. Foto: peter-juelich.com

Der Tonfall klingt alarmiert. „Stirbt das Bargeld, stirbt die Freiheit“, heißt es auf der Website von „Pro Bargeld – pro Freiheit“. Die Initiative entwirft wortreich die Horrorvision einer bargeldlosen Gesellschaft, in der ein „gläserner Bürger“ vom Staat überwacht und „wehrlose Sparer“ bei Bankenpleiten und durch Negativzinsen schleichend enteignet werden. Das „Finanzestablishment“ habe ein großes Interesse an der Abschaffung des Bargelds, schreibt die Initiative. „Verteidigen wir es bitte gemeinsam!“

Am kommenden Samstag, 27. August, rufen die Initiativen „Pro Bargeld – pro Freiheit“ und „Stopp Bargeldverbot“ zum zweiten Mal zu einer Kundgebung an der Hauptwache auf. Bereits Mitte Mai hatten einige Hundert Menschen unterschiedlicher politischer Hintergründe vor der Katharinenkirche gegen eine Abschaffung des Bargelds demonstriert. Sie teilten offenbar die Befürchtung der Initiatoren, das von der Europäischen Zentralbank angekündigte Ende des 500-Euro-Scheins sei nur der Anfang – und es drohe das Aus für das Bargeld.

Der Aufruf zu beiden Kundgebungen, denen Ende Oktober eine großangelegte Demonstration in Frankfurt folgen soll, wurde von einer Reihe von bürgerlich-konservativen Unternehmern, Wissenschaftlern und Politikern unterzeichnet, unter ihnen der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer, der Finanzexperte Max Otte und die Europaabgeordneten Hans-Olaf Henkel, Joachim Starbatty und Bernd Lucke – einst Galionsfiguren der rechtspopulistischen AfD, heute aktiv in der AfD-Abspaltung „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (ALFA). Die eher linke Initiative „Neue Geldordnung“, die aus der Frankfurter Occupy-Bewegung hervorgegangen ist, hat die erste Kundgebung im Mai noch unterstützt, sich aber inzwischen von den Initiatoren losgesagt.

Inoffizielles Gesicht der Initiative ist der frühere Investmentbanker und Autor Thorsten Schulte, der am Samstag auch als Redner auftreten will. Schulte ist Vorsitzender des Vereins Pro Bargeld – pro Freiheit, der die Kundgebung mit koordiniert, war nach eigenen Angaben lange CDU-Mitglied und ist demnach aus Protest gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung aus der Partei ausgetreten. In der Vergangenheit hat er immer wieder Texte für den Kopp-Verlag geschrieben, der vor allem für Esoterik und Verschwörungstheorien bekannt ist.

Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau betont Schulte, dass die Abschaffung des Bargelds kein Hirngespinst und die Kundgebung überparteilich sei. „Wir wollen uns an alle Demokraten richten, die freiheitsliebend und für das Bargeld sind“, sagt er. Eine politische Rechtslastigkeit der Initiative wegen seiner Autorentätigkeit oder der Beteiligung ehemaliger AfD-Politiker bestreitet Schulte vehement. Er wolle vielmehr „Brücken bauen“ und habe deshalb auch die Linkspartei-Politikerin Sahra Wagenknecht zu der Initiative eingeladen. Nur politische Extremisten seien nicht willkommen.

Die Kundgebung am Samstag dürfte auch von Teilen der Frankfurter linken Szene aufmerksam beobachtet werden. Sie kritisieren, die Initiative schüre diffuse Ängste und betreibe ein „Querfront-Projekt“, also eine strategische Zusammenarbeit rechter und linker politischer Kräfte.

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