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Demo in Frankfurt Rettungskräfte beklagen Gewalt

Feuerwehrleute und Rettungssanitäter demonstrieren in Frankfurt dafür, dass die Gesellschaft Menschen ächten soll, die Einsatzkräften Gewalt und Pöbeleien entgegen bringen.

Rettungskräfte demonstrieren
Einsatzkräfte gehen mit Plakaten und Verdi-Fahnen durch die Innenstadt. Foto: dpa

Mit schrillender Sirene und schallendem Martinshorn zogen am Samstag rund 250 Feuerwehrleute, Sanitäter und Unterstützer durch die Frankfurter Innenstadt. Unter dem Motto „Hände weg - wir sind Eure Rettung“ demonstrierten sie gegen Aggression und Gewalt, die den Rettungsleuten bei Einsätzen verstärkt entgegengebracht würden. 

„Es war immer ein Ehrenkodex, Feuerwehr und Rettungskräfte nicht anzugreifen“, sagte Reinhard Ries, der scheidende Leiter der Feuerwehr Frankfurt. Doch daran habe sich in den vergangenen Jahren etwas verändert. Mittlerweile würde es nicht nur bei Einsätzen im Frankfurter Bahnhofsviertel „ruppig zugehen“. Verbale Attacken und körperliche Angriffe seien zum Alltag geworden. „Wir müssen solche Angreifer ins Abseits stellen“, sagte er.

Auch Ralf Ackermann, Präsident des hessischen Feuerwehrverbandes, berichtete von Drohungen, Pöbeleien, Prügel. „Dabei helfen die Einsatzkräfte doch allen Menschen, gleich welcher Religion, Hautfarbe, politischer Ansichten“.  Innerhalb von zehn Minuten seien Rettungskräfte an der Einsatzstelle, rund um die Uhr. Neben den rund 2000 Berufsfeuerwehrleuten gebe es 73000 freiwillige Feuerwehrleute in Hessen, die jede Stadt, jeden Ortsteil im Notfall schützten. 

„Uns darf man die Hilfe nicht schwermachen“, sagte er. Dazu zähle, die Rettungsgasse - rechts neben der linken Spur -  auf der Autobahn freizumachen, damit Rettungskräfte zur Unfallstellen gelangen könnten. 

Auch die Feuerwehrleute, die Notruf 112 entgegen nähmen, würden häufig beschimpft, sagte der langjährige Branddirektor Reinhard Ries, der Ende März aus dem städtischen Dienst ausscheidet. Mittlerweile seien Einsatzkräfte in Deeskalation geschult, um mit der neuen Situation umzugehen. Trauriger Höhepunkt seien die Blockupy-Proteste am 18. März 2015 gewesen, als ein „schwarzer Block alles angriffen hat, was ihnen in den Weg gekommen ist“, sagte Ries. 

Auch Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU)  nannte den 18. März „einen schwarzen Tag für Frankfurt“, an dem „eine neue Zeit begonnen“ habe. Er kündigte eine „Kampagne für Respekt“ an. „Zeigen Sie den Rettungskräften ihre Solidarität“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) bei der Kundgebung. 

Die Demonstranten zogen von 11 Uhr bis 13.30 Uhr vom Allerheiligentor über Konstablerwache, Bleichstraße, Willy-Brandt-Platz zum Römerberg, wo die Abschlusskundgebung war. Auf Plakaten begrüßten sich den neuen Paragrafen 114, der Gewalt oder Widerstand gegen Einsatzkräfte unter härtete Strafe stellen soll.

Unterstützt wurde die Demonstranten von den hessischen Landtagsabgeordneten Bodo Pfaff-Greiffenhagen (CDU) und Martina Feldmayer (Grüne) sowie den Frankfurter Politikern Volker Stein (FDP) und Eugen Emmerling (SPD). 

Weitere Demonstrationen würden nach der „deutschlandweit ersten Aktion“ im Lauf des Jahres „im Schulterschluss mit der Polizei“ folgen, sagte Verdi-Sprecher Jürgen Bothner, der die Veranstaltung organisiert hatte. 

Auch Polizisten sind verstärkt Angriffen ausgesetzt. Laut Frankfurter Polizei wurden im vergangenen Jahr 1442 Beamte in der Stadt Opfer einer Straftat, eine Zunahme von 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

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