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Demo in Frankfurt Für die USA, gegen Trump

200 Menschen demonstrieren recht spontan auf dem Paulsplatz in Frankfurt gegen die Einreiseverbote von US-Präsident Donald Trump.

Teilnehmer einer Kundgebung gegen Trumps Einreiseverbot am Paulsplatz. Foto: christoph boeckheler*

Dorsey Bushnell kämpft mit den Tränen, dann schreit sie ihre Wut heraus. Die Südstaatlerin kam vor 35 Jahren nach Deutschland, stolz auf ihre Heimat und die Werte, die sie vertritt. „Es ist so abgefuckt, was da drüben gerade passiert“, schreit die 61-Jährige. Dann fordert Bushnell, die im Januar gemeinsam mit Micaela Leon den Women’s March in Frankfurt organisiert hatte, alle auf, auch weiterhin die „Ärsche hochzubringen und auf die Straße zu gehen. Es reicht nicht, nur einen Button bei Facebook zu klicken“.

Immerhin aber ist es den sozialen Netzwerken zu verdanken, dass sich am Mittwochabend auf dem Frankfurter Paulsplatz gut 200 Menschen versammelt haben, um gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump zu protestieren. Die Idee zu der Kundgebung hatte der hessische Grünen-Chef Kai Klose am Montag, kurz nachdem Trump das denkwürdige Einreisedekret gegen Bürger aus dem Iran, Irak, Libyen, Somalia, dem Sudan, Syrien und dem Jemen erlassen hatte.

Klose war im November als „official reviewer“ bei den US-Präsidentschaftswahlen vor Ort. „Trumps Wahlsieg war schlimm, aber was seit dem 20. Januar passiert ist, ist viel erschreckender“, sagt er. Also wollte er ein Zeichen setzen und spontan demonstrieren. Dass der Aufforderung nur 48 Stunden später keine großen Menschenmassen folgen würden, war Klose klar. „Es ist keine Frage der Zahl, es geht um das Zeichen“, sagt der 43-Jährige. Gleich zu Beginn seiner kurzen Ansprache betont Klose, dass dies keine Demonstration gegen Amerika sei, sondern gegen Trump. Der US-Präsident teste im Moment aus, wie weit er gehen könne. Die Tatsache, dass viele Menschen nach dem kurzfristigen Erlass trotz gültiger GreenCard in den Transitbereichen US-amerikanischer Flughäfen gestrandet sind, bezeichnet Klose als „unwürdig“ und erntet dafür großen Applaus.

Unter den Applaudierenden sind nicht nur ausgewiesene Trump-Gegner. Kerry Reddington bekennt freimütig, dass er selbst den Republikaner gewählt habe. Der amerikanische Unternehmer mit Wohnsitz Frankfurt ist hier auch Mitglied der Kommunalen Ausländervertretung. Was Klose als unwürdig brandmarkt, bezeichnet Redding-ton als „uncool“. Die ganze Aktion sei von Trump „nicht durchdacht“ gewesen. „Wie kommt er darauf, er hat gar nicht die Leute, das so kurzfristig umzusetzen“, ereifert sich Reddington.

Der hessische Grünen-Chef Klose fordert derweil, es brauche nun „weniger Amerikaverachtung“, weil es noch schwerer fallen werde, die gewachsenen Beziehungen zu den USA aufrechtzuerhalten. Als er seine Idee von der spontanen Demo formulierte, war eine Frankfurterin gleich Feuer und Flamme: Nargess Eskandari-Grünberg wollte demonstrieren, „und wenn nur fünf Leute kommen“, sagt sie. Die ehemalige Integrationsdezernentin ist in Teheran geboren. Nach Trumps Dekret war sie erst Betroffene und ist jetzt betroffen. „Trump verletzt tagtäglich die Würde des Menschen“, klagt die ehrenamtliche Stadträtin. Auch Eskandari-Grünberg betont, dass die Kundgebung nicht gegen, sondern für die USA sei.

Für eine USA, die Donald Vaughn noch anders kennengelernt hat. In den 50er Jahren wuchs er in Detroit auf. „Als Schüler mussten wir jeden Tag auf die amerikanische Flagge schwören, um Gerechtigkeit für jeden zu kämpfen.“ Mittlerweile bekomme die Freiheit nur noch der, der sie bezahlen könne. Vaughn, der 1958 als US-Soldat nach Frankfurt kam und blieb, hat eine Autobiografie über seinen Lebensweg geschrieben. Der jetzige US-Präsident kommt dem Buchautor vor „wie eine Medusa, die uns jeden Tag einen anderen hässlichen Kopf zeigt.“ Einig sind sich alle Redner, dass die Versammlung am Mittwochabend keine Eintagsfliege gewesen sein soll. Die Kundgebung dürfe nicht das Ende einer Veranstaltung sein, „sondern der Beginn eines Zeichens der Solidarität“, fordert Klose. Solidarität den betroffenen gegenüber, aber auch denjenigen in den USA, die gegen ihren Präsidenten auf die Straße gehen.

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