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Demo in Frankfurt Demonstration für Seenotrettung von Geflüchteten

1. Update200 Demonstranten werden erwartet, knapp 900 kommen zur Demo für die Seenotrettung von Geflüchteten nach Frankfurt.

Demo Seebrücke
Aktivisten des zivilgesellschaftlichen Bündnisses "Seebrücke" demonstrieren für mehr Schutz für Geflüchtete auf dem Mittelmeer und fordern Frankfurt auf, als "sicherer Hafen" Flüchtlinge aus dem Mittelmeer aufzunehmen. Foto: Michael Schick

Sicherer Hafen Frankfurt – Seebrücke statt Frontex“ ist auf einem meterlangen, orangefarbenen Transparent zu lesen, hinter dem sich am Samstagabend knapp 900 Menschen auf der Untermainbrücke zusammenfinden. Ansonsten ist es erstaunlich still auf der Brücke. Denn die Demonstration des Bündnisses „Seebrücke“, bestehend aus 13 Flüchtlingsinitiativen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, beginnt mit einer Schweigeminute.

Einer Schweigeminute für jene „geschätzt 20.000 Menschen, die seit 2011 auf dem Mittelmeer gestorben sind“, wie es Maurice Stiel vom „Watch The Med Alarm Phone“-Projekt ankündigt. Danach machen er und andere Redner auf dem Weg zum Willy-Brandt-Platz auf den hierzulande längst wieder salonfähig gewordenen rassistischen Diskurs im Zuge des jüngsten Asylkompromisses aufmerksam. Sie klagen das nach wie vor harte Vorgehen der EU-Staaten sowohl gegen Geflüchtete auf dem Mittelmeer als auch gegen das Engagement ziviler Seenotretter an. „Was derzeit auf dem Mittelmeer passiert, ist eine Schande“, so Stiel weiter und „es wird nicht weniger beschämend, nur weil wir uns bereits daran gewöhnt haben“.

Als Zeichen der Solidarität mit den Ertrunkenen sind viele Demonstrierende orange gekleidet, auf Rettungswesten stehen Sprüche wie „Saving lives is not a crime“, andere tragen T-Shirts mit der Aufschrift #seikeinHorst, aus Unmut über Innenminister Seehofer (CSU). Auch Maria und Peter Stein, die sagen, was da auf dem Mittelmeer passiere, habe nichts mehr mit europäischen oder christlichen Werten zu tun, sondern sei„einfach nur noch pervers“.

Während die Euro-Skulptur am Willy-Brand-Platz symbolisch mit orangenen Schwimmwesten verziert wird, weist ein weiterer Redner darauf hin, dass „allein im vergangenen Monat 629 Geflüchtete im Mittelmeer ertrunken“ sind. Eine erschreckend hohe Zahl, die sich vermutlich noch steigern werde. Denn aktuell gäbe es keinerlei private Seenotrettung mehr auf dem Mittelmeer, da sämtliche Schiffe privater Hilfsorganisationen einer Kriminalisierung ausgesetzt seien, wie er mit Verweis auf den jüngsten Gerichtsprozess gegen den Kapitän des deutschen Rettungsschiffes „Lifeline“, berichtet. Ein Vorgehen, welches der Redner als unterlassene Hilfeleistung bezeichnet. „Das ist in etwa so, als würde man der Freiwilligen Feuerwehr verbieten, Hausbrände zu löschen, nur weil sie freiwillig ist“.

Während mehrmals betont wird, dass sich in Berlin, Hannover oder Leipzig ebenfalls erfreulich viele Menschen an dem bundesweiten Aktionstag beteiligt und damit ein „starkes Zeichen der Solidarität“ gesetzt hätten, zeigt sich Paul Hahn am Rande der Abschlusskundgebung weniger optimistisch. „Eigentlich bin ich wütend“, sagt er. Denn wenn es darum ginge, „ob der Weg weiter in Richtung Barbarei geht, oder ob wir weiterhin als Menschen zusammenleben wollen, dann müssten hier eigentlich 10 000 Leute auf der Straße sein“.

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