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Demo gegen Trump in Frankfurt „Antisemiten sind wir nicht“

1000 Menschen protestieren in Frankfurt gegen Trumps Jerusalem-Entscheidung. Es bleibt nahezu ohne Zwischenfälle. Ein Demonstrant muss aber mit Strafe rechnen, denn er hatte eine US-Flagge mit Hakenkreuz dabei.

Demonstration
Demonstration ?Für Jerusalem, gegen die Entscheidung von Trump?. Die Frauen demonstrierten getrennt von den Männern. Foto: Michael Schick

Ein sich wiederholender Demo-Sprechchor ist zu hören: „Donald Trump, du Trampeltier, Jerusalem gehört nicht dir“. 1000 Menschen haben am Samstag nahezu ohne Zwischenfälle gegen die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch US-Präsident Donald Trump in Frankfurt demonstriert. Unter dem Motto „Für Jerusalem, gegen die Entscheidung von Trump“ zogen sie durch die Innenstadt.

Unweit des Hauptbahnhofs hatten sich gegen Mittag am Kaisersack zunächst laut Polizei 500 Menschen versammelt. Die Polizei war mit sehr vielen Einsatzkräften vor Ort, denn der Veranstalter hatte bis zu 2500 Menschen erwartet. Außerdem waren bei ähnlichen Protesten in Berlin eine Woche zuvor israelische Flaggen verbrannt worden.

Deshalb waren auch die Auflagen in Frankfurt besonders hoch. Unter anderem hatten die Beamten bereits vorab angekündigt, das Verbrennen von israelischen Fahnen nicht zu dulden. „Man darf keine Flagge verbrennen“, sagte Veranstalter Saidy Naiem. Der Darmstädter Ingenieur hatte im Namen der „Palästinensischen Gemeinschaft in Deutschland“ die Demonstration angemeldet. „Wir protestieren“, sagt er, „weil Trumps Entscheidung einfach falsch ist.“

Trump hatte angekündigt, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen und somit Jerusalem als Hauptstadt von Israel anzuerkennen. „Nicht nur die Palästinenser sind enttäuscht“, sagt er. Denn auch Vertreter der Vereinten Nationen und der Europäischen Union haben Trumps Entscheidung kritisiert. „Denn das alles löst einen möglichen Friedensprozess in Luft auf“, so der Veranstalter.

Frauen und Kinder von den Männern getrennt

Auf den Flyern, die die Ordner verteilen, steht: „Derart werden alle Hoffnungen auf die Umsetzung der Zwei-Staaten-Lösung und Chancen, auf einen souveränen, lebensfähigen palästinesischen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt zu errichten, zerstört.“

Angeblich der Ordnung halber werden Frauen und Kinder von den Männern getrennt. So laufen vorne die Frauen und Kinder und hinten die Männer. Auf ihrem Weg in die Innenstadt zeigten die Demonstranten palästinensische, deutsche und vereinzelt türkische und iranische Flaggen. „Freiheit für Palästina“, steht auf vielen Schildern sowie „Jerusalem Hauptstadt Palästinas“. Weitgehend ist der Protest in deutscher Sprache. Nur bei der Abschlusskundgebung am Roßmarkt spricht ein Imam auf Arabisch. Und die Menge ruft die Shahada, das islamische Glaubensbekenntnis.

Wiederholt rufen die Demonstranten in Sprechchören: „Antisemiten sind wir nicht – Anti-Juden auch nicht“. Die Polizei beschlagnahmt zu Anfang von einem Mann eine US-Flagge mit Hakenkreuz, wie Sprecher Alexander Kießling bestätigt. Der Mann müsse mit einer Strafanzeige wegen Verwendung verfassungswidriger Symbole rechnen. Außerdem musste er sein Schild mit der Aufschrift „Israel Terrorstaat“ abgeben.

„Ich habe überhaupt nichts gegen Juden. Aber es ist nicht okay, dass die Israelis die Palästinenser unterdrücken und unschuldige Kinder töten und der Westen dabei zuschaut. Es geht hier nur um Geld und Macht“, sagt eine Demonstrantin. Sie sei in Ägypten aufgewachsen und lebe seit 20 Jahren in Frankfurt.

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