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Demo für Tierrechte in Frankfurt Der pelzige Arm der Antifa

Alle Jahre wieder: Mit einer Demonstration gegen Kapitalismus und andere Tierquälereien machen die „Animal Liberators“ in Frankfurt auf sich aufmerksam.

Arme Schweine sterben für das Kapital. Foto: Monika Müller

Wenn eine Tierrechtsdemo von etwa 200 Teilnehmern von etwa derselben Anzahl an Polizisten begleitet wird, dann mag das daran liegen, dass dahinter die „Animal Liberators“ stecken, die die Ortsgruppe der „Tierbefreier“ ist, die man mit etwas Phantasie als auch pelzigen Arm der Antifa sehen kann. Die Vorsichtsmaßnahme erweist sich als überflüssig. Es bleibt schon mangels Masse friedlich.

Und natürlich geht es auch nicht um Tierrechte allein. Es geht ums Ganze. Mit Infozetteln wird die Restbevölkerung informiert, dass der Protestzug durch die „Kürschner-Hochburg Frankfurt“ sich nicht bloß gegen Pelze richte, sondern „als Teil antikapitalistischen und herrschaftsfreien Denkens und Handelns verstanden werden“ sollte.

Da hätte man auch alleine drauf kommen können. Und nicht nur wegen der hohen Dichte an schwarzen Kapuzenpullovern. Auch wegen der Sprechchöre. So wird der derzeit auf einschlägigen Demos zur Grundausstattung gehörende Schlachtruf „No border, no nation – stop deportation!“ mal kurz in „No border, no nation – animal liberation“ umgetextet. Was bei etlichen Passanten, denen sich der unmittelbare Zusammenhang nicht erschließt, für Stirnrunzeln sorgt. Und nein, die Nilgänse sind damit nicht gemeint.

Auf der Hauptwache stehen bereits am Samstagmittag etliche Infostände. Einer informiert über ein „Kuhaltersheim“, beim anderen gibt es „Aufkleber und Spuckies“ für schmales Geld, auf denen Slogans wie „Gegen Nazis und andere Würstchen“ stehen. Der Imbissstand verkauft Schnitzelbrötchen ohne Schnitzel und Eiersalat ohne Eier. Wie das gehen soll, verrät zwar nicht die Speisekarte, dafür aber das Nummernschild des mitangereisten Aktivisten-Transportes der „Animal Rights Watch“: SO-JA 36. Wofür die 36 steht, bleibt unklar.

Den Soundtrack zur Demo liefert ein rappender Punk mit dem Künstlernamen „Boykott“. „Und wenn der Bolzen durch die Schädeldecke bricht, tief in mein Gehirn einsticht ...“, singt Boykott, der sich beim Texten ganz tief ins Tier versetzt haben muss.

Aber worum geht’s denn eigentlich? Da hilft ein Blick in die Informationsbroschüre des Tierbefreiungsbündnisses Zitronenfalter der Tierrechtsgruppe Zürich. Es geht natürlich um „die Befreiung der Tiere“, die auch immer „ein Angriff gegen die herrschende Klasse“ ist. Das Fazit: Man müsse Tiere endlich „als zivilisationsgeschichtliche Leidensgenoss*innen des Menschen erkennen“ und als Quintessenz „Tiere wie Genoss*innen behandeln“.

Das allerdings kann, historisch gesehen, auch eher eine Bedrohung als ein Erlösungsversprechen sein.

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