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Demo der Kurden Solidarität mit Kobane

Hunderte kommen zur Demonstration der Kurden für den Wiederaufbau der Stadt Kobane. Die Flüchtlingskrise und der Wiederaufbau seien im Zusammenhang zu sehen.

Kurdische Fahnen wehten in der Kaiserstraße. Foto: Rolf Oeser

Für die Freiheit und den Wiederaufbau von Kobane sind am Sonntagnachmittag Hunderte Menschen auf die Straße gegangen. Der Demonstrationszug vom Hauptbahnhof zum Römer war Teil eines internationalen Aktionstages für die syrische Stadt, die vor einem Jahr zu großen Teilen von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) eingenommen und später befreit wurde. Die Veranstalter sprachen von mindestens 1000 Teilnehmern, die Polizei von 500. Zur Demonstration aufgerufen hatte unter anderem das Demokratische Gesellschaftszentrum der Kurden in Deutschland (NAV-DEM).

Fahnen mit dem Konterfei des Kurdenführers Abdullah Öcalan sowie von der syrischen Kurdenmiliz YPG und der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) wehten über den Köpfen der Demonstranten – jedoch keine Fahnen der kurdischen Arbeiterpartei PKK. Das habe die Polizei ihnen untersagt, berichtete Mako Qocgiri, Sprecher von NAV-DEM, und forderte sogleich, das Verbot der PKK in Deutschland aufzuheben.

Zwei weitere Forderungen der Demonstranten nannte Qocgiri: Er appellierte an die internationale Gemeinschaft, den Wiederaufbau von Kobane stärker zu unterstützen. Zudem solle an der türkischen Grenze ein Korridor für die humanitäre Hilfe nach Kobane eingerichtet werden. Die internationale Solidarität, die den Bewohnern der Stadt nach dem Angriff des IS zuteil geworden sei, müsse anhalten, sagte er.

Kritik an türkischer Regierung

Etwa die Hälfte der einst 400 000 Einwohner der Region Kobane sei wieder zurückgekehrt, erläuterte Mehmet Atac, der die Demonstration angemeldet hatte. Er betonte den Zusammenhang des Wiederaufbaus der Stadt mit der Flüchtlingskrise in Deutschland. Die geflüchteten Menschen würden nur dann in ihre Heimat zurückgehen, wenn sie dort auch leben könnten, so Atac. Deshalb müsse sich auch Deutschland dafür einsetzen, dass dort beispielsweise Schulen und Krankenhäuser gebaut würden; schließlich sei die Stadt zu 80 Prozent zerstört. Auch müssten die Menschen über die türkische Grenze besser versorgt werden können, sagte er.

Hüseyin Cavli war zusammen mit einem Freund und mit einer Öcalan-Flagge aus Neu-Isenburg zur Demonstration gekommen. Als „faschistisch“ bezeichnete er die Politik der türkischen Regierung. Er demonstriere auch für mehr Demokratie und für eine stärkere Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Türkei, betonte Cavli, eben dafür würde die prokurdische Partei HDP eintreten.

Gegen eine „reaktionären Politik“ der türkischen Regierung gegen PKK und HDP wetterte auch die Sprecherin der Gruppe „FrauenLesbeninProcess“ in ihrem Redebeitrag. Gleichzeitig lobte sie die „Entwicklung demokratischer Autonomie“ in von Kurden kontrollierten Gebieten im Norden Syriens. Für die Sprecherin, die nur ihren Vornamen Luna in der Zeitung lesen will, ist das der „Gegenentwurf zu den benachbarten reaktionären Regimen und deren imperialen Gelüsten“.

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