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Debatte um „Fikkefuchs“ „Wir haben ein eklatantes Sexismusproblem“

„Fikkefuchs“-Produzentin Saralisa Volm wundert sich über die Kritik am Plakat zu ihrem Film, der seinerseits Sexismus thematisiert.

Franz Rogowski
Protagonist Thorben (Franz Rogowski) kommt als jämmerliche Gestalt daher - und übt sexualisierte Gewalt aus. Foto: Alamode Film (2)

Eine Vater-Sohn-Geschichte, „die mit ihrem provokant-pointierten Humor Männerbilder auf allen Ebenen demontiert“: So wird die deutsche Kinokomödie „Fikkefuchs“ auf der Website zum Film beworben. Gestern feierte der per Crowdfunding finanzierte Low-Budget-Film Premiere in Berlin, ehe er am Donnerstag bundesweit in die Kinos kommt.

In Frankfurt zeigte Regisseur Jan Henrik Stahlberg auf Werbetour den Film bereits am Freitag in der „Harmonie“. Dass der Film am Main zum Politikum geworden ist, noch ehe die breite Öffentlichkeit ihn hat sehen können, liegt weniger an der Vorpremiere als an der Entscheidung der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), die Filmplakate nicht an Haltestellen und in Zügen zu zeigen – die sie wiederum am Dienstag nach heftigem Gegenwind revidierte. Für Anstoß gesorgt hatte nicht der Film, sondern das Plakat, auf dem ein Fuchskopf den Schritt einer wohl weiblichen Silhouette ausfüllt – sexistisch, so die VGF zunächst.

Der titelgebende „Fikkefuchs“ sei, so erläutert es Produzentin Saralisa Volm der FR, inspiriert durch den „Schweigefuchs“, eine Handbewegung, mit der Pädagoginnen und Pädagogen Kindern signalisieren, dass sie ruhig sein sollen. In Volms Film hingegen nutzt der dauerpubertierende und pornogeschädigte Protagonist Thorben eine daran angelehnte, sexuell konnotierte Handbewegung.

„In Bezug auf den Film selbst hätte ich jegliche Form des Vorwurfs erwartet. Er ist eine Satire, er spaltet“, sagt Volm. „Aber ich hätte nie erwartet, dass wir mit dem Plakatmotiv auf Probleme stoßen würden, das sind ja total entspannte, grafische Plakate. Das finde ich schon ein bisschen absurd.“

Filmstoff ist kontrovers

Der Filmstoff selbst freilich ist kontrovers. Auf Twitter etwa kritisierten einige Kommentatorinnen und Kommentatoren eine verharmlosende Darstellung sexualisierter Gewalt – eine Lesart, die Volm von sich weist.

Protagonist Thorben, dargestellt von Franz Rogowski, kommt nach einer versuchten Vergewaltigung in die Psychiatrie. Von dort entronnen, steht er plötzlich bei seinem Vater Rocky (Jan Henrik Stahlberg) vor der Tür, dem einstmals „größten Stecher von Wuppertal“, der seinen Sohn bis dato nicht kannte. „Fikkefuchs“ dreht sich in der Folge darum, wie Thorben sich bei Rocky Flirttipps holen möchte.

Ein Unterfangen das, glaubt man dem Trailer, zum Scheitern verurteilt ist. Die beiden Männer kommen mit ihrer sexistischen Weltsicht, plumpen Anmachversuchen bis hin zu grober sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt als jämmerliche Gestalten daher. Rocky begründet seine Vorliebe für junge Frauen etwa mit dem Satz, „die ausgediente Hirschkuh am Wegesrand interessiert mich nicht“. Und Thorben, der selbst an Werbeschildern Kopulationsbewegungen macht, hängt buchstäblich die Zunge aus dem Mund, als er vor dem Hintern einer Frau unbemerkt Selfies schießt.

Als die Schauspielerin Saralisa Volm vor rund drei Jahren begann, an ihrem ersten Film als Produzentin zu arbeiten, konnten sie und ihr Team noch nicht ahnen, dass der Filmstart mitten in die „#Metoo“-Debatte über Sexismus und sexualisierte Gewalt in Hollywood und anderswo hineinfallen würde. Gleichwohl griffen sie das Thema damals schon bewusst auf. „Wir haben ein eklatantes Sexismusproblem in unserer Gesellschaft“, sagt Volm. „Die aktuelle Debatte ist total wichtig, nur nehmen die meisten Männer, die so sind wie Rocky und Thorben, daran ja gar nicht teil, sondern laufen zu Zehntausenden da draußen rum und verhalten sich ihren Frauen, Freundinnen, Kolleginnen gegenüber weiterhin so.“

Die 32-Jährige, die als Schauspielerin in Filmen von Klaus Lemke bekannt wurde und vor einigen Jahren auch schon in dem erotischen „Porneo“-Kurzfilm „Hotel Desire“ an der Seite von Clemens Schick spielte, bezeichnet sich selbst als Feministin. „Ich würde mich selber definitiv als Feministin bezeichnen und halte es für sehr relevant, dass wir über Rollenbilder diskutieren, auch streiten; dass wir nicht mehr nur in klassischen Mann-Frau-Mustern denken.“

Ihr Film, sagt Volm, sei aber nicht in erster Linie ein Debattenbeitrag, sondern auch schlicht ein Stück satirische Unterhaltung. „Die aktuelle Debatte zeigt, wie wichtig es ist, dass wir über das Thema reden und vielleicht auch mal drüber lachen. Im Idealfall gehen Leute in einen Film und kommen mit mehr Fragen wieder raus. Ich glaube, das ist uns mit „Fikkefuchs“ ganz gut gelungen.“

Wer das selbst beurteilen möchte, findet in Frankfurt nun auch wieder den mit Werbeplakaten gepflasterten Weg in die Kinos.

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