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Debatte Rassismus in der Schwulen- und Lesbenszene?

Im Vorfeld des Christopher Street Day wird am Samstag in Frankfurt kontrovers diskutiert. Fest steht, viele Homosexuelle sind einer mehrfachen Diskriminierung ausgesetzt.

16.07.2012 21:34
Ausgelassene Stimmung beim Christopher Street Day 2011. Foto: Sascha Rheker

Gibt es in der Schwulen- und Lesben-Szene Rassismus und Islamophobie? Zu diesem Thema wurde am Samstag im Lesbisch-schwulen Kulturhaus kontrovers diskutiert. Harald Eck vom Buchladen Oscar Wilde berichtete, dass er immer nur von türkisch- oder arabischstämmigen jungen Männern beleidigt wird. „Weil ich immer wieder von Migranten angefeindet worden bin, habe ich damals das Buch ,Deutschland schafft sich ab‘ von Thilo Sarrazin in meinem Laden ausgelegt“, erzählt Eck.

Koray Yilmaz-Güney widersprach dem heftigst. Denn schließlich seien die meisten Menschen, die Eck gemeint habe, hier in Deutschland geboren und aufgewachsen. „Das ist deine individuelle Wahrnehmung. Doch von welchen ,wir‘ und ,ihr‘ sollte man eigentlich ausgehen“, fragte ihn der Autor aus Berlin. Sei das nicht schon eine Form der Ausgrenzung und Diskriminierung?

Dem schloss sich auch Simin Jampoolad an. Die gebürtige Iranerin fühlt sich als Deutsche und ist in der Beratungsstelle für lesbische Migrantinnen tätig. „Ich bin auch in der Szene über Rassismus gestolpert“, erzählt sie. So sollte sie einmal iranische Musik zu einer Feier in einer Diskothek mitbringen. Als sie die DJane darauf jedoch ansprach, wurde sie von dieser angefeindet. Zwar wurde die Musik letztlich gespielt, aber auf der Tanzfläche waren außer den iranischen Frauen nur noch drei andere. „Gewalt muss nicht körperlich sein. Eine Mimik oder eine Handbewegung kann auch zur psychischen Gewalt werden“, sagt Jampoolad.

Mehrfache Diskriminierung

Bis wohin solche Gewalt reicht und wie Diskriminierung empfunden wird, dass hat Jay Keim von der Beratungsstelle LesMigras untersucht. So seien etwa 78 Prozent der 2000 Teilnehmerinnen der Befragung von Mehrfachdiskriminierung betroffen – nicht nur wegen ihrer Sexualität, sondern auch Herkunft, Hautfarbe oder körperlichen Beeinträchtigungen, so die Wissenschaftlerin.

Ein Betroffener redete dann auch Klartext. Er selbst ist: Kanadier, schwul, Glatzkopf und in Deutschland Ausländer, hat schon unterschiedlichste Formen von Diskriminierungen erlebt. Eine soziale Schicht oder eine bestimmte Nationalität habe er dabei nicht ausmachen können. „Ich finde es falsch, eine bestimmte Gruppe als Täter auszumachen“, sagte er. „Es gibt keine belastbaren Statistiken für Behauptungen, dass es nur Muslime sind.“

Simin Jampoolad beklagte, dass die Medien sich gerne darauf stürzen würden, wenn junge Migranten Schwule angreifen würden. „Aber Dinge, die in der Szene passieren, werden überhaupt nicht veröffentlicht“, kritisierte sie. (tim.)

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