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Dalai Lama in Frankfurt „Das Wunder des Dalai Lama“

Michael von Brück, Professor für Religionswissenschaft, erklärt, was man über den Dalai Lama wissen muss.

Dalai Lama
Der Dalai Lama mit Jugendlichen in Frankfurt. Foto: Boris Roessler (dpa)

Michael von Brück ist Professor für Religionswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zum Zen- und Yogalehrer hat er sich neben seiner Lehrtätigkeit ausbilden lassen und nahm an den Veranstaltungen um den Dalai-Lama-Besuch teil.

Herr Professor von Brück, was muss man über den Dalai Lama wissen, um ihn in Frankfurt richtig zu verstehen?
Der Dalai Lama will die buddhistische Geistesschulung aus dem rein religiösen Kontext herausholen. Er steht für einen sehr aufgeklärten und modernen Buddhismus, mit anderen Worten: Er will die Erfahrungen im Geistestraining, die sich mit der buddhistischen Geschichte verbinden, fruchtbar machen für moderne Gesellschaften. Zugleich sieht er, dass es gewaltsame Konflikte in der Welt gibt, die religiös motiviert sind. Deshalb will er eine gemeinsame Ethik jenseits der Religionen entwickeln, damit die Menschheit überhaupt überleben kann. Das nennt er säkulare Ethik.

Dabei gibt es ja auch viele innerbuddhistische, auch gewaltsame Konflikte in Ländern wie Myanmar, China, Sri Lanka. Bei dem Hype, den die fernöstliche Spiritualität bei uns erfährt, wird das gerne ausgeblendet.
Das ist richtig, der Buddhismus ist sehr einseitig wahrgenommen worden. Das hängt mit der Rezeptionsgeschichte seit dem 19. Jahrhundert zusammen. Dabei hat es in der Tat auch in buddhistischen Ländern Konflikte und Kriege gegeben, die auch religiös gerechtfertigt worden sind. Natürlich ist es immer eine Mischung aus ökonomischen, politischen und Machtinteressen, aber eben auch religiösen Interessen und vor allem religiösen Motivationen.

Gilt das auch für den tibetischen Buddhismus, in dessen Tradition der Dalai Lama steht?
Auch da gab es zwischen den einzelnen „Orden“ oder „Konfessionen“ nicht nur Differenzen in der Lehrauslegung, sondern auch Kämpfe um Macht und ökonomischen Einfluss. Das war ja dann auch eines der Argumente der chinesischen Kommunisten, um die Besetzung Tibets zu rechtfertigen: dass man nämlich das Volk von der „Ausbeuterkaste der Mönche“ befreit habe. Aber es kam eine neue Unterdrückung. Nach einem missglückten Aufstand gegen die chinesische Herrschaft floh der Dalai Lama dann 1959 mit mehr als 100 000 Tibetern nach Indien.

Wie ist es ihm denn bisher gelungen, dort Frieden zu stiften?
Seine auf Ausgleich zwischen China und Tibet zielenden Vermittlungsversuche waren bislang politisch erfolglos, aber dort und in der ganzen Welt, wo sein Wirken bekannt ist, wirkt er dennoch und motiviert Menschen, die für eine bessere, friedliche und gerechtere Welt kämpfen. Er empfiehlt ja eine spirituelle Praxis, die unmittelbar zu ökologisch und politisch vernünftigem Handeln im Sinne der heilenden Hinwendung zu allen Mit-Lebewesen führt. Ich kenne sogar in China viele Menschen, die von seiner Strahlkraft fasziniert sind, auch wenn das bislang politisch noch keine Wirkung gehabt hat.

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