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CSD in Frankfurt „Lesbische Frauen bleiben unsichtbar“

Die Aktivistin Mercedes Rodriguez Garcia-Gutierrez vermisst im Interview lesbisch lebende Prominente, die als Vorbilder dienen könnten. Die Sichtbarkeit von Lesben ist auch in der Community ein Thema.

CSD / Christopher Street Day, Wiesbaden, Bild x von 8
CSD-Demoteilnehmer in Wiesbaden. Foto: Michael Schick

Frau Rodriguez, für was steht Despierta?
Despierta ist ein gemeinnütziger Verein in Frankfurt, der sich für die Gleichstellung der LGBTI einsetzt. Wir meinen die Gleichstellung analog der spanischen Rechtsprechung, die bereits seit 2004 existiert. Dort wird sie ohne Wenn und Aber vollzogen. Nicht so in Deutschland, was konkret heißt, dass die Kinderwunschbehandlung für lesbische Frauen nicht möglich ist, selbst wenn sie verheiratet sind. Vollzogen wird dort auch das Abstammungsrecht, also beide Frauen sind die Mütter, wenn eine Frau ein Kind in die Ehe mitbringt oder während der Partnerschaft ein Kind gebiert.

Die Ehe für alle reicht nicht?
Tatsächlich sind wir im letzten Jahr einen großen Schritt nach vorne gegangen, aber speziell die Lesben werden nach wie vor diskriminiert. Und: Obwohl wir im Adoptionsrecht jetzt gleichgestellt sind, hängt es immer noch von den Sachbearbeiter*innen in den Jugendämtern ab. Wenn du an eine rechte AfD-lerin gerätst, wird die schon einen Weg finden, um dir die Adoption so schwer wie möglich zu machen.

Können Sie das mit der spanischen Rechtsprechung konkretisieren?
Es hängt nicht speziell mit den Lesben zusammen, sondern mit den Frauenrechten. Jede Frau ab 18 in Spanien, die ein Kind bekommen möchte, darf sich behandeln lassen, sich an der Samenbank bedienen, darf also die ganze Reproduktionsmedizin verwenden, und das, ohne einen Mann oder eine Frau zu haben. Es hat also nichts damit zu tun, ob man lesbisch, bi oder hetero ist, es geht einzig um die Erfüllung des Kinderwunsches. Stellen Sie sich eine Frau vor, die als Kind misshandelt wurde und für die Sexualität mit einem anderen Menschen nicht möglich ist. Warum sollte diese Frau auf ein Kind verzichten müssen?

Und in Deutschland? 
Hier muss man verheiratet sein, und zwar als Mann und Frau, das ist ganz wichtig. Und man muss ein gewisses Alter haben. In Spanien geht das bis zum 50sten Lebensjahr, in Deutschland ist das gedeckelt auf das 40ste Lebensjahr. Aber die Gesellschaft hat sich verändert, ein Kinderwunsch ist bei etwas älteren Frauen nichts Ungewöhnliches. Außerdem gibt es in Spanien keine Probleme mit dem Abstammungsrecht. Man nimmt das Ei von der einen Frau, fügt den Samen ein und implantiert es der Partnerin. Daher sind per se beide Frauen Mütter. Natürlich geht es mir nicht darum, dass jetzt alle Frauen Kinder bekommen sollen, mir geht es um die diesbezügliche Freiheit.   

Warum sind die Spanier an dieser Stelle so fortschrittlich? 
Die Diktatur wurde 1975 in Spanien beendet, und die Frauenrechte waren am Boden. Es herrschte der Machismo, aber durch den Tod von Franco hat sich das Bedürfnis nach Freiheit und Gleichheit auf allen Ebenen entladen. Auch die Frauen sind über sich hinaus gewachsen in ihrem Wunsch nach einem klaren Wechsel. All das konnte auch dadurch entstehen, dass Spanien immer offen war für den Tourismus und die Spanier*innen ausreisen konnten. Dadurch kamen sie an ganz andere gesellschaftliche Entwicklungen und brachten diese Dinge nachhause. Und, ganz entscheidend, die katholische Kirche hatte sofort an Macht verloren, denn Franco und die Kirche gehörten zusammen. Das betraf auch die traditionelle Familienstruktur, die als Modell nicht mehr zwingend ist.

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