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CSD in Frankfurt Eine vielfältige Gesellschaft demonstrieren

Die Demo steht wieder im Mittelpunkt des CSD, aber auf den Bühnen sollen auch ernste Themen angesprochen werden.

Christopher Street-Day 2017
Demo in den Farben des Regenbogens: Ähnlich wie im letzten Jahr geht es auch diesmal durch die Frankfurter Innenstadt. Foto: Michael Schick

Am Wochenende wird es bunt auf der Konsti, denn von Freitag bis Sonntag wird beim 26. Christopher Street Day (CSD) demonstriert, diskutiert und gefeiert. „Meine Identität ist nicht verhandelbar“ lautet in diesem Jahr das Motto. Joachim Letschert vom CSD Frankfurt erklärt: „Jeder soll seine eigene Identität frei wählen und leben können, solange dadurch niemandem wehgetan wird.“ 

Dafür demonstrieren die Besucher des CSD am Samstag. Mit bis zu 20 000 Menschen rechnen die Veranstalter. „Unser Anliegen ist für die gesamte Gesellschaft wichtig. Wir kämpfen nicht nur für uns, sondern für Vielfalt, die alle bereichert“, so Letschert. Die Demonstration beginnt am Samstag um 12 Uhr auf dem Römerberg. Die Teilnehmer ziehen durch die Innenstadt und kommen gegen 15 Uhr an der Hauptwache an.

Die Forderung nach Selbstbestimmung findet sich im Bühnenprogramm wieder. Während der Beginn am Freitag um 15 Uhr im Zeichen von Musik und Party steht, geht es Samstag und Sonntag auf zwei Bühnen auch in die politischen Vollen.

Letschert bemerkt, dass bei alledem eine verständliche Sprache wichtig für den Austausch sei. „Es ist nicht immer leicht, komplexe Themen wie Transsexualität in einfachen Worten zu besprechen, manchmal ist Fachsprache dafür notwendig“, sagt Letschert.

Er selbst verwendet für homo-, bi- und transsexuelle Menschen den Begriff „queer“.

Passend zum Motto ist Transsexualität in diesem Jahr ein großes Thema. Eine der politischen Forderungen beim CSD sei, dass transsexuelle Menschen keine langwierigen psychologischen Begutachtungen durchmachen müssen, ehe sie ihr Geschlecht offiziell ändern dürfen, erklärt Letschert. Zu den Interviews mit Transpersonen am Samstag gibt es rechtliche Tipps von Anwältin Friederike Boll am Sonntag.

Letschert hat noch einen heißen Tipp für den Samstagabend um 19.30 Uhr parat: „Mein persönliches Highlight ist der Poetry Slam, bei dem sich nicht nur queere Menschen queeren Themen widmen.“ Der ist Teil des jährlich wachsenden Programms auf der Kunst- und Kulturbühne.

Außerdem freue er sich auf die Band Ohrenpost aus Münster, die mit poppigem Sound, Titeln wie „Unperfekt Perfekt“ und passend zum CSD-Motto die Einzigartigkeit jedes Menschen feiert. 
Schließlich darf der Spaßfaktor hier nicht fehlen. „Die Leute sollen nach drei Tagen sagen, dass das eine coole Party war, und merken, dass wir alle ganz normale Leute sind. Das ist unser Ziel“, erklärt Vorstandsmitglied Letschert. Dass es beim CSD nur ums Feiern und die Show ginge, empfindet er deshalb überhaupt nicht als störendes Vorurteil: „Wir wollen ja auch Menschen außerhalb der Community ansprechen und uns nicht uns selbst mitteilen.“ Und wie ginge das besser als bei guter Stimmung.

Das Leben als Person, die nicht heterosexuell oder sofort als männlich/weiblich einzuordnen ist, ist in Deutschland auch gegenwärtig nicht immer so bunt und lustig wie es beim CSD den Anschein erwecken könnte. Vorstandsmitglied Letschert hat zwar den Eindruck, dass „ein Großteil der Gesellschaft der queeren Community positiv gleichgültig“ gegenüberstehe. Doch die Zahl homophober Attacken hat allein von 2016 auf 2017 um knapp ein Drittel zugenommen. Das ging im August vergangenen Jahres aus einer Regierungsantwort auf die Anfrage des Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) hervor.

Auf dem Basar der Vielfalt, der Infostraße des CSD, treffen Besucher aber nicht nur deshalb eine Vielzahl von queeren Initiativen, Vereinen und Institutionen an. Neben Informationen zu verschiedensten Hilfsangeboten gibt es in der Großen Friedberger Straße auch allerlei Fröhliches wie Mode, Kunst, Kulinarik und einen Tombolastand. 

Nicht fehlen wird in diesem Jahr auch wieder die Schweigeminute, in der aller gedacht wird, die seit dem vorigen CSD verstorben sind. „Die Tradition hat in Frankfurt ihren Ursprung genommen, und ich bin froh, dass viele CSDs es mittlerweile aufgegriffen haben.“

Den Namen hat der CSD von der Christopher Street in New York. Am 28. Juni 1969 wehrten sich dort Homosexuelle und Personen sexueller Minderheiten gegen Polizeiwillkür. 
Zehn Jahre später zogen zu diesem Anlass auch in Deutschland zum ersten Mal queere Menschen durch die Straßen Bremens, Berlins und Kölns. Dabei tragen sie stolz Regenbogenfarben. Als Flagge oder auf den Körper gemalt, sind sie Symbol für Vielfalt und Toleranz.

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