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CSD Frankfurt Ehe für alle ist nur der Anfang

Politiker und der Verein CSD Frankfurt freuen sich über die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Nichtsdestotrotz haben sie weitere Themen auf ihrer Agenda.

CSD 2017
Ein Küsschen beim CSD. Foto: ROLF OESER (Rolf Oeser)

Im Winter stand die Alternative für Deutschland in Umfragen bei 15 Prozent. Auch deshalb lautete das Motto des diesjährigen Christopher Street Day: „Bunte Vielfalt statt braune Einfalt“. Inzwischen dümpeln nicht nur die Rechtspopulisten in Umfragen bei nur noch sieben Prozent. Auch andere Themen haben plötzlich ihre Brisanz verloren. Die Ehe-für-alle ist genauso vom Tisch wie der Paragraf 175. Schon vom 1. Oktober an könnte es die Ehe für alle geben. Und Schwule, die für „unzüchtige“ Handlungen einst mit Gefängnis bestraft und deren Urteile später wieder aufgehoben wurden, sollen nun entschädigt werden.

Braucht es da überspitzt formuliert überhaupt noch einen CSD? Welche politischen Forderungen bleiben übrig? „Wir haben eine Menge zu feiern“, sagte der Sprecher des CSD Frankfurt, Joachim Letschert, in seiner Ansprache auf der Konstablerwache. Trotzdem sei der Forderungskatalog lang: So müssten Transgender-Rechte durchgesetzt und der Artikel 3 des Grundgesetzes um das Merkmal „sexuelle Orientierung“ ergänzt werden.

Zudem existiere noch immer viel Homophobie in den Köpfen, so Letschert. „Dafür lohnt es sich, auch die nächsten 25 Jahre auf die Straße zu gehen. Ins gleiche Horn stieß Frankfurts Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Sie empfahl den CSD-Teilnehmern: „Bleibt dabei! Kämpft weiter für mehr Anerkennung!“

Der Christopher Street Day sei immer eine politische Veranstaltung gewesen und werde das auch bleiben, sagte Weber. Sie bescheinigte den Demonstranten, das Gesicht der Stadt in den vergangenen 25 Jahren mitgeprägt und seither viele Freiräume erkämpft zu haben. „Ihr habt dazu beigetragen, dass Frankfurt heute so offen und vielfältig ist.“

Dass der CSD nicht nur eine bunte Party ist, zeigt auch das Programm auf der Hauptbühne. Dort gab es am Samstag nicht nur Musik, sondern auch kommunal- und bundespolitische Gesprächsrunden. Politiker aller Couleur diskutierten über Wegmarken und Etappenziele.

„Ich habe mich über die Öffnung der Ehe sehr gefreut“, sagte etwa Bettina Wiesmann, CDU-Landtagsabgeordnete und Bundestagskandidatin. Denn Schwule und Lesben lebten solidarisch zusammen und ständen füreinander ein. Glücklich war sie auch darüber, dass der neue hessische Lehrplan die Akzeptanz sexueller Vielfalt zum Thema macht. „Wir wollen, dass unsere Kinder in der Schule so angenommen werden wie sie sind.“

Der ehemalige Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Lesben und Schwule in der SPD, Ansgar Dittmar, lobte die Ehe-für-alle als wichtigen Meilenstein. „Wir werden aber nicht obsolet, sondern haben noch viel vor uns“, sagte er. „Mit der Ehe-für-alle ist noch nicht alles abgeräumt“, ergänzte der sozialpolitische Sprecher der Linken im hessischen Landtag, Achim Kessler. Er betonte, dass die Gewalt gegen Lesben und Schwule immer mehr zunehme.

Deshalb, so die Frankfurter Stadtverordnete und Bundestagskandidatin Jessica Purkhardt (Grüne), müsse der Nationale Aktionsplan zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und darauf bezogene Intoleranz um das Thema Homo- und Transphobie erweitert werden. Und auch umgesetzt werden, wie Jürgen Lenders, FDP-Fraktionschef im hessischen Landtag, betonte. „Es reicht nicht aus, schöne Papiere zu verfassen.“

Erfreut zeigte er sich über die Entschädigung der nach Paragraf 175 verurteilten homosexuellen Männer. Jetzt gelte es, den Opfern relativ unbürokratisch eine Rente oder eine pauschale Entschädigung zukommen zu lassen, sagte Lenders. „Doch leider werden da jetzt bürokratische Hürden aufgebaut.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Christopher Street Day in Frankfurt

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