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Comic-Leidenschaft Zu Besuch bei Onkel Dagobert

Alex Jakubowski schreibt ein Buch über den weltberühmten Disney-Zeichner Don Rosa. Wer will, kann seinen eigenen Namen darin veröffentlichen – in Rosas Handschrift.

Don Rosa
Der Mensch hinter den Enten - und seine Denkerstirn: Don Rosa.

Rundschau-Leser kennen den Frankfurter Alex Jakubowski schon seit mindestens eineinhalb Jahren. Damals veröffentlichte der begeisterte Comicsammler ein Buch über – begeisterte Comicsammler. Nicht irgendein Buch, sondern einen großen, dicken, bunten und bewegenden Bildband mit den Geschichten von 15 ziemlich verrückten, aber auch sehr liebenswerten Menschen.

Don Rosa kam seinerzeit auch schon drin vor. Das ist kein Wunder, denn Don Rosa ist ganz offensichtlich ebenfalls ein ziemlich verrückter, aber auch sehr liebenswerter Mensch. Zu allem Überfluss war er viele Jahre lang der Mann, der die Familie Duck zum Leben erweckte. Grund genug also, ihm ein eigenes Buch zu widmen: Don Rosa, einem der beliebtesten Comiczeichner der Welt.

Vorausgesetzt, man kommt an einen solchen Star der Szene überhaupt heran. Alex Jakubowski kam. Einen Kontakt hatte es schon im Zuge des Sammlerbuchs gegeben. Dann traf man sich auf einer Messe wieder, und auf der nächsten Messe ging man schon zusammen essen. „Bei der Gelegenheit hat er dann ganz locker gesagt: Ihr könnt das Buch machen“, erinnert sich Jakubowski. Es war der Ausgangspunkt einer ziemlich irren Reise.

Mit dem vielfach ausgezeichneten Fotografen und Verleger Lois Lammerhuber flog der 46-jährige Fernsehjournalist nach Kentucky. Die beiden verbrachten eine ganze Woche mit Don Rosa – „von morgens bis in die Nacht“ – auf dem zehn Hektar großen Anwesen des Zeichners. „Er hat sich komplett für uns freigenommen.“ Auf allen Vieren krochen sie durch die Chilifelder, denn Don Rosa züchtet die pikanten Schoten in großen Mengen und in vielen Sorten, von denen die Gäste aus Europa allerdings nur die wenigsten aushielten: „Zu scharf. Einige sogar zu scharf für Don.“

Sie durchstöberten Don Rosas monumentale Comicsammlung, seine Flippersammlung, seine Oldtimersammlung, sie goutierten Don Rosas riesiges Archiv von „White-Castle“-Devotionalien, einer legendären US-Fast-Food-Kette. Sie grillten gigantische „Monstersteaks und Superhühner“ (aber selbstverständlich keine Enten). Sie nahmen einen Ritt auf einem von Don Rosas Aufsitz-Rasenmähern – nachdem sie gemeinsam in die Stadt gefahren waren, um eine neue Batterie für das Vehikel zu kaufen. Und sie machten Ausflüge zu den wichtigsten Stationen in Don Rosas Leben: zu seinem Elternhaus, seiner alten Schule, seiner ersten eigenen Bude, zum Salon seines Frisörs mit Original-Einrichtung von anno Tobak.

Dieses Vergnügen soll in dem Buch herüberkommen. In der Mitte wird es ein großes Faltblatt geben, ein Panoramabild von Don Rosas Studio, auf dem der Zeichner acht Mal zu sehen sein wird: an acht verschiedenen Stellen, in acht verschiedenen Körperhaltungen, mit acht verschiedenen T-Shirts – und mit acht verschiedenen Grimassen. „Er muss immer Grimassen schneiden“, sagt Alex Jakubowski und lacht. „Wenn du ihn fragst, ob er ausnahmsweise für ein Foto normal gucken kann, dann sagt er: Ich gucke doch normal. Das bin ich!“

Was auf den vielen herrlichen Fotos besonders auffällt: Don Rosa ist praktisch Onkel Dagobert. Die Frisur, die Statur, die Brille – frappierend, diese Ähnlichkeit. Und natürlich die gemeinsame Sammelleidenschaft. Wobei Don Rosa sehr viele verschiedene Dinge sammelt. Und die reiche Ente nur Geld. Aber, das wäre für die meisten angehenden Sammler schon mal ein passabler Anfang: Geld.

Als Kind begann der heute 65-Jährige Keno Don Hugo Rosa, wie er vollständig heißt, die Geschichten von Disney-Autor Carl Barks nachzuzeichnen. An seinem großen Ziel gab es keinen Zweifel: Er wollte einmal im Leben selbst eine Entengeschichte erzählen, zeichnen und veröffentlichen. In den 80er Jahren bekam er schließlich die Chance – „als eigentlich niemand in den USA etwas von der Familie Duck wissen wollte“, schildert Jakubowski. Aber Don Rosa blieb hartnäckig und wurde selbst zur Legende. Er zeichnete 87 Disney-Storys und erhielt zwei Mal den renommierten Will Eisner Comic Industry Award. Freilich verehrt man ihn heute viel mehr in Europa als in seiner Heimat. „Hier in Europa ist er ein Star. In den USA heißt es: Who the fuck is Don Rosa?“ Die Duck-Figuren spielten drüben keine Rolle mehr; dort seien im Comic die Superhelden gefragt.

Für den Amerikaner Don Rosa eine spezielle Situation. „Eigentlich sollte man denken: Er hat das Beste aus beiden Welten“, sagt Jakubowski. „Hier in Europa den Ruhm, dort in Kentucky seine Ruhe.“ Aber den Gästen offenbarte der Zeichner auch eine gewisse Verbitterung, speziell über seine Geschäftspartner. Die Verlage hätten jede Menge Geld mit seinen Zeichnungen verdient, ihm aber nicht den gerechten Anteil zugestanden. Das ist einer der Gründe, aus denen Rosa schon vor Jahren aufhörte, die Disney-Enten zu zeichnen. Ein anderer: Die Augen ließen nach.

„Es ist auch der Traum eines Fans, dieses Buch zu machen“, schwärmt HR-Journalist Jakubowski. „Eine Woche mit Don Rosa zu verbringen, so einem unprätentiösen Menschen, das Gefühl zu haben, dazuzugehören, willkommen zu sein.“ Über Donald Trump haben sie natürlich geredet beim Grillen. Draußen, in der Nachbarschaft, fielen Schüsse. „Die haben hier alle Waffen“, sagte der Gastgeber seinen erschrockenen Besuchern, „nur ich nicht.“ Don Rosa ist Demokrat.

„I still get chills“, gestand der Zeichner während der Kentucky-Woche: Er bekomme immer noch Gänsehaut, wenn er sich mit seiner Comicleidenschaft beschäftige. Und so wird auch das Buch heißen. Es erscheint am 29. Juni zu Don Rosas 66. Geburtstag. Ende März soll es ins Layout gehen; bis dahin haben Fans noch die Chance, selbst darin vorzukommen. Wer den doppelten Ladenpreis berappt (das sind dann 99 Euro), der erhält eine nummerierte und signierte Ausgabe – und eine „ehrenvolle Erwähnung“ mit dem eigenen Namen, von Don Rosa höchstpersönlich auf eine der ersten Seiten geschrieben. Und wer noch einmal 100 Euro drauflegt, erhält zusätzlich einen sogenannten Fine Art Print, also einen Sonderdruck, von Rosas Lieblingsfoto aus dem Buch.

Sammler eben. Auf der Internetplattform Youtube zeigen jede Menge Filmchen, wie sich der dagobertige Zeichner bei Signierstunden Zeit nimmt für seine Fans. Darunter ein Video, das die unglaubliche Menschenschlange entlangfährt, die in Helsinki darauf wartet, dem Meister näherzukommen – schier endlos lang. Finnen eben. Fast genauso verrückt wie Don Rosa.

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