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Comedy in Frankfurt „Mein englisches Ich ist härter“

Der in Köln lebende US-Comedian John Doyle war jahrelang Radio-Journalist bei der Deutschen Welle. Dann entdeckte er in Deuschland Comedy für sich - ein Gespräch.

John Doyle war achtmal bei Stefan Raab, jetzt ist er bald in Frankfurt. Foto: Veranstalter

Der US-amerikanische Comedian John Doyle hat die Comedywelt erst in Deutschland für sich entdeckt. Achtmal war der 54-Jährige allein bei Stefan Raabs „TV Total“ zu Gast. Nun tritt er am 21. März in der Käs auf, die ab jetzt einmal im Monat englischsprachige Comedy anbietet.

In Ihrem Programm „Stressed Out!“ erzählen Sie von der Situation, in der eine Frau neben Ihnen im Flieger sitzt und Sie mitten über dem Atlantik fragt: „Fliegen Sie auch bis Amerika?“ Sie antworten: „Nein, ich steige vorher aus. Ich habe ein „Fly and Swim“- Ticket“. . .
Genau. Du fliegst nicht die ganze Strecke, sondern springst schon über den Ozean aus der Maschine, schwimmst ein bisschen, und wenn du nicht von einem Hai aufgefressen wirst, dann wirst du belohnt mit einem Fahrrad an der Küste und radelst damit bis an dein eigentliches Ziel. (lacht)

Ist dieser Dialog genau so passiert?
Die Frage hat mir ein Passagier wirklich gestellt. Und viele Leute haben schon so eine Frage im Flieger gehört. In dem ersten Moment denkt man natürlich: „Was für eine blöde Frage. Wo soll ich sonst hinfliegen?“ Eine Stunde später geht aber einem als Comedian ein Licht auf: „Das ist lustig“, und probiert dann eine Nummer aus. Für mich ist Stand-up eine Mischung aus Wahrheit und Schmerz: Du kannst nicht etwas erzählen, was die Leute als unwahr empfinden, und dann damit auf der Bühne durchkommen.

Ein Beispiel?
Ich war einmal in einem Comedy Club in New York und ein Schauspieler, der so schön war wie Brad Pitt, stand auf der Bühne und sagte: „Ich habe ein Problem Frauen kennenzulernen.“ Und obwohl sein weiterer Text nicht schlecht war, dachten alle im Publikum: „Wir glauben dir das nicht.“ Keiner lachte.

Und was meinen Sie mit dem Schmerz bei Stand-up?
Die Leute wollen keine Erfolgsgeschichten hören. Sie wollen, dass du deinen Schmerz mit ihnen teilst: Also wenn ich von Rückenschmerzen, oder meiner Angst vorm Zahnarzt erzähle… Und das Publikum muss immer das Gefühl haben: „Ich kann nachvollziehen was er sagt.“ Mehr Leute haben eine Haltung zu „Germany’s Next Topmodel“ als zu einer Physiksendung um drei Uhr morgens.

Nach der Highschool in New Jersey haben Sie eine Fluglotsen-Ausbildung bei der Navy absolviert, dann Journalismus studiert. Comedian war also nie Ihr Kindheitstraum, oder?
Nein, ich war weit davon entfernt. Ich war als Teenager eher der ernste Typ und wollte Auslandskorrespondent für eine Tageszeitung werden. Ich dachte, ich lebe in den USA und das Land hat auch schon genug Entertainment. Ich war also nicht wie Jerry Seinfeld oder Eddie Murphy, die schon ganz früh wussten: „Comedy ist geil.“ Murphy fing schon mit 15 an, in Clubs aufzutreten. Nach meiner Fluglotsen-Ausbildung habe ich also erstmal Journalismus studiert, ging nach Europa und arbeitete dann bei der Deutschen Welle in Köln. Nach ein paar Jahren hatte ich endlich die seriösen Themen und stellte fest: Die machen mich echt depri. Schlimm fand ich auch, dass ich irgendwann so abgehärtet war. Der Alltag war nur eine Meldung. Auslandsradio geht zwar raus in die Welt, aber mir fehlte der Kontakt zu den Menschen.

Und dann?
Ich wollte gut Deutsch können, das war mir sehr wichtig, als ich nach Europa kam. Anfangs, weil ich nicht so einen großen Wortschatz hatte, habe ich mit lustigen Sätzen versucht, meine Unzulänglichkeiten zu kaschieren. Das kam an. Ich glaube, wäre ich in Amerika geblieben, hätte ich nie Comedy für mich entdeckt. Ich schaute dann auch viel deutsches Fernsehen. Da entdeckte ich Kabarettisten wie Dieter Hildebrandt. Mir war überhaupt nicht bewusst, wie groß Hildebrandt war. Aber ich dachte, wenn der das kann, kann ich das auch. Und so versuchte ich mein Glück auf der offenen Bühne in Köln. Ich habe da auch gleich ein paar Lacher bekommen.

Seit 25 Jahren leben Sie jetzt in Deutschland. Also mehr als die Hälfte Ihres Lebens. Fühlen Sie sich mittlerweile eigentlich mehr Deutsch oder mehr noch als Amerikaner?
Lustigerweise fühle ich mich immer dann deutsch, wenn ich in Amerika bin. Schon alleine, wenn ich von völlig Fremden mit diesem übertrieben euphorischen „How are you?“ begrüßt werde, denke ich in dem Moment: „Boah, sind die alle auf Drogen?“ Hier in Deutschland empfinde ich mich dann wiederum als Amerikaner. Das ist auch ein Thema bei meinem Programm: Klar ist es eine Bereicherung beide Kulturen zu haben, aber manchmal ist es auch eine Belastung. Ich fühle mich nirgendwo 100 Prozent zu Hause, ich bin heimatlos.

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