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Comedy „Ich habe einen Frankfurter Humor“

Salim Samatou gewinnt den RTL Comedy Grand Prix und hat über Nacht 16.000 Likes. Jetzt tritt der Comedian in den USA im Vorprogramm von Stars wie Dave Chappelle und Tim Allen auf. Am Dienstag ist Samatou erstmals mit seinem Soloprogramm in der Frankfurter Käs zu sehen.

Samatou tritt am 29.11. in Frankfurt auf. Foto: Julia Holland

Salim Samatou trägt nicht nur auf der Bühne diese Touri-Bauchtasche, sondern sie ist tatsächlich sein Alltags-Accessoire. „Seit der siebten Klasse habe ich eine Bauchtasche. Ein Tipp meiner Oma, denn davor habe ich immer mein Portemonnaie oder meinen Schlüssel verloren“, erzählt der 23-jährige Comedian beim Interview im Hipster-Café Plank im Frankfurter Bahnhofsviertel.

Die alte Bauchtasche im gleichen Camouflage-Style wie sein Portemonnaie aus der Schulzeit habe er neulich leider ersetzen müssen, weil sie nicht mehr zu reparieren war. Anfang dieses Jahres hat er als absoluter Newcomer den RTL-Comedy- Grand-Prix gewonnen.

„Vorher hatte ich drei Likes auf meiner Facebook-Seite, und diese waren alle von mir selbst“, sagt er und lacht. „Nach dem Auftritt hatte ich plötzlich 16.000 Likes.“ Mittlerweile sind es knapp 32.000. Mit dem Gewinn verbunden ist seine erste Solo-Tour „Voll tight“. Am heutigen Dienstag tritt er damit zum ersten Mal in Frankfurt auf –und zwar im Kabarett-Theater Käs.

Samatous Humor hat manchmal etwas vom Gedankengang eines schrägen Wissenschaftlers. „Einige Leute sagten zu mir, warum machst du Gags über Zeitzonen? Rede doch lieber darüber, wie Frauen einkaufen gehen. Das ist aber nicht mein Ding.“ Während er die Mangaserie „One Piece“ schaute, fiel ihm auf, dass die Japaner immer so verspätet und extrem überrascht auf die Worte des Vorredners reagieren.

Er googelte und fand heraus: „Die japanische Grammatik ist komplett anders als unsere. Da kommt nämlich das Verb immer erst am Ende des Satzes. Und man weiß also erst sehr spät, was der andere einem eigentlich sagen will.“

Mit elf verließ er Indien

Aus diesem Wissen macht er auf der Bühne einen Gag. 40 Bahn-Minuten entfernt wohnt er von Frankfurt. Und zwar in Bad Kreuznach. Aufgewachsen ist er aber in Mumbai. Sein Nachname sei französischen Ursprungs, obwohl Indien eine englische Kolonie war. „Da waren wohl auch ein paar Franzosen bei uns.“ Als er elf Jahre alt ist, beschließen seine Eltern, Indien zu verlassen, um in Deutschland in der IT-Branche zu arbeiten.

Samatou spricht zunächst kein Wort Deutsch und kommt in die Hauptschule; dann, als er die Sprache immer besser kann, steigt er schulisch schnell auf: Erst besucht er die Realschule, später macht er sein Abitur am Wirtschaftsgymnasium. Einen Akzent hat er keinen, er habe ein gutes Gehör. „Ich kann auch jeden Akzent schnell nachmachen.“

Der Comedian ist höflich wie herzlich und geht in Richtung superintelligent, aber ohne damit anzugeben. „Ich programmiere, seit ich sechs Jahre alt bin. Damals habe ich auch schon PCs zusammengebaut.“ Seinen Abschuss in Internationaler Wirtschaftsinformatik hat er an der FH Frankfurt gemacht. Schon während der Schulzeit absolviert er Praktika in Frankfurt: bei der Börse oder der Deutschen Bank.

Bis heute arbeitet er noch im Home Office für einen Online-Dienstleister. „Das Programmieren will ich nicht aufgeben. Nicht weil ich das muss, aber es macht mir einfach zu viel Spaß.“

Erst vor zwei Jahren fängt seine Stand-up-Comedian-Karriere so richtig an: und zwar als er das Programm „Rebell Comedy“ sieht. Unter den jungen, wilden Comedians beeindruckten ihn besonders Benaissa Lamroubal und Ususmango.

Und weil er nicht weiß, wie man sich richtig als Comedian bewirbt, schreibt er Lamroubal ein förmliches Anschreiben: „Sehr geehrter Herr Lamroubal, wie Sie anhand von meinen Praktikumsbescheinigungen sehen können, habe ich auch Kurse im öffentlichen Reden belegt, und ich würde mich sehr für eine Comedy-Stelle interessieren.“ Lamroubal mailt zurück: „Komm’ einfach mal zur Offenen Bühne und probiere es aus.“

Samatou spricht in seiner Show darüber, dass es Rassismus auch in der Tierwelt gibt: Schwarze Nacktschnecken seien obdachlos, die weißen hingegen hätten Häuser und würden von den Menschen mehr geliebt. Auf der Bühne ist er schräg-überdreht.

Gestikuliert viel, rennt umher und imitiert Bahnhofsviertel-Tauben, die aussehen, als würden sie Gangsta-Rap hören. „Ich habe einen Frankfurter Humor“, sagt er. Die meisten seiner Auftritte hatte er bislang hier. 20 Minuten seines Programms drehen sich nur ums Bahnhofsviertel, das nachts mit der schrägen Mischung aus Unterwelt und Hipster an ein Thriller-Video erinnere.

„Als ich den RTL-Comedy-Grand- Prix gewonnen habe, hatte ich nur zehn Minuten Programm und musste dieses dann für die Tour innerhalb von drei Monaten verzehnfachen.“ Die ersten Shows gingen Richtung Albtraum. Gegen Texthänger klebt er sich Merkzettel auf den Boden. „Das Problem war, bei der Darmstädter Preview gab es keine richtige Bühne. Also konnte jeder meine Zettel sehen und lesen.“ Er überlegte laut: „Was mache ich als nächstes?“ Ein Zuschauer antwortet: „Du bist jetzt beim Thema Schnecken.“

Aber nicht nur in Deutschland tritt Samatou auf, sondern er hat es sogar ins Vorprogramm von US-Stand-up-Comedy-Champions wie Bill Burr oder Dave Chappelle geschafft. Während eines IT-Praktikums in New York probiert sich Samatou abends in kleinen Comedy-Clubs aus. „Die großen Comedians treten hier auch auf, um neue Nummern zu testen.“

Kokosnusswasser und Löwenzahnpulver

An einem Abend hat Samatou zufällig vor Chappelle seinen Auftritt. Dieser ist von Samatou beeindruckt. „Er fragte mich danach, ob ich für ihn den Opener machen will.“ Als er das erzählt, packt Samatou im Café plötzlich sein Kokosnusswasser, Löwenzahnpulver und eine Limette aus. „Ich ernähre mich basisch, weil ich einen Cousin an Krebs verloren habe, und Krebs kann nur in einem sauren Milieu wachsen.“ Einen anderen an Krebs erkrankten Cousin habe diese Ernährungsumstellung gesund gemacht, sagt er.

Mit US-Star Tim Allen, den die meisten Deutschen noch aus der 90er-Jahre-Serie „Hör mal, wer da hämmert“ kennen, tritt er im nächsten Monat in Los Angeles bei einer Weihnachtsshow für Obdachlose auf und hat auch mit ihm reguläre Auftritte an Silvester. Vorher ist Samatou auch nochmal im Vorprogramm des bekannten Steve O. von der US-Kultserie „Jackass“ am 17. Dezember im Frankfurter Club Zoom zu sehen.

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