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Co-Working in Frankfurt „Unternehmen wollen weg vom 08/15-Büroflair“

Der Frankfurter Immobilienexperte Oliver Barth spricht im FR-Interview über den Trend zu neuen Arbeitswelten.

Wework Frankfurt
WeWork office co-working space in der Neuen Rothofstraße in Frankfurt. Foto: Peter Jülich

Herr Barth, woher kommt es, dass Betreiber von Co-Working-Places so stark auf den Frankfurter Büromarkt drängen?
Die Welt wird immer schnelllebiger, viele Unternehmen wollen sich nicht mehr lange binden, sondern flexibel kurzfristig Büroraum mieten können. Die Anbieter von Co-Working-Flächen haben sehr innovative Konzepte, die für Einzelnutzer interessant sind, die kleine flexible Flächen mit kurzer Laufzeit suchen, aber auch für Konzerne, die dort mit Projektgruppen unterkommen wollen.

Unternehmen, die Gemeinschaftsbüros mit kurzfristig mietbaren Arbeitsplätzen anbieten, gibt es schon lange. Im vergangenen Jahr haben sich solche Anbieter aber mehr als 50 000 Quadratmeter Fläche in Frankfurt gesichert, viel, viel mehr als zuletzt. Was ist plötzlich anders?
Früher haben Büroservice-Anbieter Büroflächen angemietet, im Wesentlichen Einzelbüros geschaffen und diese dann einzeln mit Empfangs- und Sekretariatsservice vermietet. Das Neue ist, dass man alles ein bisschen stylisher macht. Die Büroflächen werden, etwa bei Wework anders designt; man arbeitet mit anderen Oberflächen und Materialien, um weg vom 08/15-Büroflair zu kommen. Man versucht zudem Zonen zu schaffen, in denen alle Mieter im Haus zusammenkommen, um sich auszutauschen, Ideen zu teilen und gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Es ist nicht so, dass alle im Großraumbüro arbeiten. Im Wesentlichen sitzen die Beschäftigen auch in den neuen Arbeitswelten in Zellenstrukturen, auf relativ engem Raum, gelangen sie von diesen aber in großzügige Allgemeinflächen, um dort Kommunikation zu leben.

Werden moderne Büros nicht ohnehin so gebaut, dass es Stillarbeitsräume und Kommunikationsflächen in angenehmer Atmosphäre gibt?
Ja. Aber das geschieht im Wesentlichen bei großen Unternehmen. Co-Working-Flächen lassen sich aber zudem sehr flexibel für Projekte anmieten und bieten Bereiche für den Austausch mit anderen Unternehmen. Vielleicht sitzen dann zum Beispiel ein Produktdesigner, ein Architekt, ein Marketingexperte und ein Gründer zusammen. Die Beschäftigten können sich gegenseitig befruchten, kreative Ideen entwickeln.

Frankfurt ist geprägt von eher konservativen Branchen: Banken, Wirtschaftskanzleien, Unternehmensberatungen. Gibt es denn dort die Bereitschaft, anders zu arbeiten?
Es gibt sicher Bereiche, in denen kein Austausch stattfinden darf, etwa aus Datenschutzgründen. In der neuen Wirtschaftswelt ist aber klar: Du musst deine Ideen teilen, damit du sie überhaupt realisieren kannst. Man gibt, bekommt aber auch Know-how. So lassen sich Produkte beschleunigt weiterentwickeln. Die Deutsche Bank und die Commerzbank zum Beispiel haben in den vergangenen Jahren bereits Büroflächen angemietet, die genauso aufgebaut sind, um unternehmensintern diesen Austausch zu leben.

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