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Chronik Die Geschichte der Frankfurter Polizei

Vom Preußenhass zum Terror: Ein Blick zurück in die Vergangenheit der Frankfurter Polizei.

Polizei Frankfurt
Vorführung der Polizei. Foto: Michael Schick

Vorgeschichte: Die ersten Spuren des Frankfurter Polizeiwesens lassen sich bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Hochmittelalter entwickelt sich Frankfurt zur kommunalen Reichsstadt, das fordert auch eine eigenständige Organisation des Ordnungswesens. Die erste Polizeieinrichtung entsteht – sie übernimmt hauptsächlich Verwaltungsaufgaben und ist mit der heutigen Polizei nicht vergleichbar.
 
1867: Frankfurt wird von preußischen Truppen besetzt und erhält eine preußische Polizei mit einem Polizeipräsidenten an der Spitze. Die oberste Institution ist das Polizeipräsidium, das im Clesernhof und in der Konstablerwache untergebracht wird. Damit entsteht in Frankfurt ein modernes Polizeiwesen.
 
1882: In der Preußenzeit wird das Polizeipräsidium zum Inbegriff des Preußenhasses im liberalen Frankfurt. Ein Sprengkörper, der unter einem Treppenabsatz explodiert, richtet erheblichen Sachschaden an.
 
1888: Auf der Zeil 60 bezieht die Frankfurter Polizei ein neues Polizeipräsidium. Das Präsidialgebäude im deutschen Renaissancestil zählt zu den schönsten Bauwerken dieser Bauart.
 
 

1910: Frankfurt erhält erheblichen Gebietszuwachs – ein neues Polizeipräsidium entsteht am Hohenzollernplatz, heute Friedrich-Ebert-Anlage.
 
1914: Der Kriegsausbruch trifft die Frankfurter Polizei erheblich. Viele Schutzmänner werden zum Heeresdienst eingezogen. Im letzten Kriegsjahr kommt es zu Unruhen und Streiks.
 
1918: Nach dem Kriegsende und der Revolution von 1918 herrscht in Deutschland wildes Durcheinander. Zur Unterstützung der Polizei wird ein Hilfspolizeikorps aufgestellt.

1920: Mit der Gründung der Weimarer Republik entschließt sich die neue Reichsregierung, dem revolutionären Treiben ein Ende zu bereiten. Mit der Sicherheitspolizei wird eine militärisch ausgerüstete Polizeiorganisation ins Leben gerufen. Wegen ihres militärischen Charakters wird sie bald von den Entente-Mächten verboten – es kommt zur Neugliederung des Polizeiwesens.
 
1933: Hitler übernimmt in Deutschland die Macht. Den Nationalsozialisten gelingt es schnell, den Sicherheitsapparat in ihre Hände zu bekommen. Säuberungsaktionen sorgen für die Entlassung aller Beamten, die im Widerspruch zum nationalsozialistischen Gedankengut stehen.
 
1939:  Die Geheime Staatspolizei in Frankfurt ist nach groben Schätzungen für die Deportation von etwa 12 000 jüdischen Bürgern verantwortlich.

1945: Nach der deutsche Kapitulation sind die US-Militärbehörden bemüht, schnell eine funktionsfähige Verwaltung und Polizei aufzubauen. Aus der ehemaligen Schutzpolizei bildeten sie eine Ordnungspolizei. Nach zunächst liberalen Einstellungsbedingungen müssen alle Beamten, die NSDAP-Mitglied waren oder mit dem Nationalsozialismus sympathisierten, ihren Dienst quittieren. Die Neueinstellung erfolgt nun nach strengen Richtlinien.

1946: Das Kommando der Ordnungspolizei wird neu aufgebaut. Der neue Polizeipräsident Willy Klapproth bemüht sich um eine Imageverbesserung. Die Polizeikapelle, Polizeisportfeste und weitere Veranstaltungen sollen helfen, nach der schlimmen Nazizeit wieder das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen.

1952: In Frankfurt steigt die Kriminalität. Der erste bewaffnete Banküberfall auf eine Bank am Kurfürstenplatz, bei dem drei Menschen sterben, erschreckt die Öffentlichkeit. Der Polizei fehlt es an Kapazitäten, um mit der Kriminalität fertig zu werden.
 
1957: Die Ermordung der Prostituierten Rosemarie Nitribitt in der Stiftstraße sorgt für Schlagzeilen. Der Polizei gelingt es allerdings nicht, den Fall aufzuklären.
 
1968: Nach den Schüssen auf Rudi Dutschke in Berlin gibt es überall in der Bundesrepublik Demonstrationen. Auch in Frankfurt kommt es an der Galluswarte zu schweren Straßenschlachten mit der Polizei.
 
1972: Frankfurt wird das Ziel von Sprengstoffanschlägen der RAF, etwa auf das IG-Farben-Hochhaus, bei denen es Tote und Verletzte gibt. Ein großer Schlag gelingt der Polizei mit der Festnahme der führenden RAF-Mitglieder Andreas Baader und Holger Meins, die nach stundenlangem Schusswechsel überwältigt werden.
 
1985: Bei einer NPD-Kundgebung im Haus Gallus versuchen zahlreiche Gegendemonstranten, die Veranstaltung zu verhindern. Es kommt zu einer heftigen Straßenschlacht, bei der ein Demonstrant, der 36-jährige Günter Saré, von einem Wasserwerfer erfasst und getötet wird.
 
1987: Bei Protesten gegen die Startbahn West des Frankfurter Flughafens schießt ein Teilnehmer auf Polizisten, zwei von ihnen sterben. Es sind die ersten und bisher einzigen tödlichen Angriffe auf Polizeibeamte in der Geschichte der Bundesrepublik während einer Demonstration.

1990: Eine Mordserie hält Frankfurt in Atem: Der Täter erschlägt innerhalb von knapp vier Monaten sechs Obdachlose und zwei Homosexuelle mit einem Schlosserhammer, was ihm den Namen „Hammermörder“ einbringt.
 
1994: Vier Prostituierte und das Besitzerpaar eines Bordells im Kettenhofweg werden ermordet – mit sechs Toten bis dahin das Verbrechen mit den meisten Todesopfern in Frankfurt.
 
1995: Die zunehmende Kriminalität macht innerhalb der Frankfurter Polizei weitere Organisationsveränderungen erforderlich. Im Mittelpunkt dieser Neuerungen steht die Zusammenfassung der Schutz- und Kriminalpolizei.
 
1998: Der Mord an dem dreizehnjährigen Tristan aus Frankfurt erschüttert die Stadt. 18 Jahre lang konnten die Täter nicht ermittelt werden – dann führte eine neue Spur zu Manfred Seel, der unter dem Verdacht steht, mehrere Frauen ermordet zu haben. Bislang gibt es dafür jedoch laut Frankfurter Polizei nur Indizien.
 
2002: Die Polizei zieht in das neue Präsidium  an der Miquelallee auf dem ehemaligen PX-Gelände der US-Amerikaner.
 
2002: Der Fall des ermordeten Bankierssohns Jakob von Metzler sorgt für großes Aufsehen: Unter der Annahme, der entführte Junge sei noch am Leben, droht der ermittelnde Vizepolizeipräsident Daschner dem mutmaßlichen Täter mit körperlicher Gewalt, wenn er das Versteck des Jungen nicht verrate. Daschner wird später wegen seiner Folterdrohung zu einer „Verwarnung mit Strafvorbehalt“ verurteilt.
 
2011: Terror am Flughafen: Der 21-jährige Arid (oder Arif) Uker feuert auf zwei US-Soldaten. Offenbar handelt es sich um einen Terroranschlag – Uker soll Kontakte zur deutschen Salafistenszene gehabt und während der Tat „Allahu akbar“ gerufen haben.

Zusammengestellt von Lucia Heisterkamp.

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