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China-Reise Mopeds und Busse hört man nicht

Die Frankfurter China-Delegation bestaunt das Verkehrskonzept der 24-Millionen-Stadt Shanghai.

Feldmann
Geschafft: OB Peter Feldmann rettet sich schnell aus der überfüllten Bahn. Foto: Stadt Frankfurt

Die Chinesen nehmen nie denselben Weg zurück. Das bringt Unglück. Hat die Delegation um Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) beim Besuch in Frankfurts Partnerstadt Guangzhou vom chinesischen Reiseleiter gelernt. Also halten sich die Frankfurter an die chinesischen Weisheiten und fliegen von Guangzhou nicht wieder direkt in die Heimat, sondern nehmen eine andere Route: über Shanghai.

Shanghai ist das größte Finanz- und Wirtschaftszentrum Chinas. Es wächst weiter  und steht damit vor Herausforderungen. Kennt man irgendwie aus Frankfurt, aber die Dimensionen in Shanghai sind ein wenig anders. Immerhin leben mehr als 24 Millionen Menschen dort. Sechs Millionen pendeln täglich in die Stadt. Also quasi ganz Hessen. Zur Rushhour fühlt es sich auch so an, als sei ganz Hessen in der U-Bahn versammelt. Man kommt sich nah. Sehr nah. Wer atmen möchte, sollte lieber zu Fuß gehen. 

Die Stadt Shanghai ist dabei, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen. Mehr Menschen sollen das Auto stehenlassen, auf Busse, Fahrrad und Metro umsteigen. Wie die Verkehrskonzepte Shanghais aussehen, hat sich die Delegation am Mittwoch bei einem Besuch der Shanghai Transport Commission, dem Verkehrsdezernat, angehört. Was etwa gegen die Luftverschmutzung getan, wie der ÖPNV gestärkt wird. „Wir wollen von Ihnen lernen“, sagt Feldmann zu Verkehrsdezernent Xie Feng.

Vor drei Jahren hat sich die Stadt einen Masterplan auferlegt und steckt mehr als die Hälfte des städtischen Etats in Verkehrsprojekte: Bis 2023 soll der Anteil an öffentlichem Nahverkehr, Fahrrädern und Elektroautos auf 85 Prozent steigen. Auf diese Weise soll die Luftverschmutzung reduziert werden. Dafür wird fleißig gebaut. Die U-Bahnen fahren derzeit auf 672 Kilometern durch die Stadt, im Jahr 2020 sollen es 800 Kilometer sein. 128 Kilometer Bahnstrecke werden in Shanghai einfach mal im Handumdrehen gebaut. 

Shanghai setzt auch auf Elektromobilität für die Zukunft. 50 Prozent der Busflotte sind inzwischen schon umgestellt, und es fahren immerhin 17 000 Busse durch die Stadt. „Da sieht man, dass es eine faule Ausrede ist, wenn jemand sagt, es seien keine Elektrobusse auf dem Markt“, sagt Manuel Stock, Fraktionschef der Grünen. Shanghai hat klare Ziele beim Ausbau und hält sich daran. Die fehlen in Frankfurt.

Aber die Maßnahmen sind zum Teil rigoros in China. Mofas und Motorräder wurden einfach aus der Stadt verbannt, sie dürfen in Shanghai nicht fahren. Nur Elektroroller sind zugelassen. Von denen sind zahlreiche im Straßenbild zu sehen, aber nicht zu hören. „Ich war in einer Straße, in der Mopeds und Busse fuhren“, sagt Michael zu Löwenstein, CDU-Fraktionschef. „Das lauteste Geräusch war das Vogelgezwitscher. Eine solche Art der Straßenqualität hat es bei uns noch nie gegeben.“

Auch den Autofahrer will Shanghai überzeugen, auf Elektro umzusteigen. Dafür sind Tausende Ladestationen gebaut worden. Das findet Nico Wehnemann (Die Partei) sinnvoll. „Die Infrastruktur muss auch in Frankfurt zuerst da sein, wer kauft sich sonst ein Elektroauto?“ Für den Umstieg werden Anreize gesetzt. In Shanghai geht das so: Nur mit einer Lizenz darf ein Auto in der gesamten Stadt fahren. Diese Lizenzen werden versteigert, es sind nur ein paar Tausende pro Jahr. Etwa 10 000 Euro werden im Schnitt für eine Lizenz geboten. Wer aber ein Elektroauto kauft, bekommt die Lizenz kostenlos. 

Uwe Schulz (FDP) nennt die Verkehrspolitik in Shanghai „eine Mischung aus modern umweltorientiert und herkömmlich“. Es werde nicht auf die Einschränkung der Infrastruktur fürs Auto gesetzt. „Nicht wie bei uns, wo man eine einspurige Friedberger Landstraße diskutiert.“

Wie das mit dem öffentlichen Nahverkehr in Shanghai so klappt, davon überzeugt sich die Delegation selbst – und fährt U-Bahn. Um fünf Uhr nachmittags. Menschenmassen strömen in die Station, aber so einfach runter geht es nicht zu den Bahnsteigen. Taschenkontrolle. Wie am Flughafen müssen Rucksäcke und Taschen aufs Band gelegt und durchleuchtet werden. Und am Bahnsteig unten, da herrscht Ordnung. Die Bahnsteigkante ist mit Glasscheiben vom Gleis getrennt. Da kann keiner runterfallen. Aussparungen gibt es nur an den Einstiegen. Dort wird sich aufgestellt. Und wenn die Bahn kommt, dann wird gedrückt. Und gedrückt. Bis das Atmen schwer wird. Metropolengefühl. Aber die Chinesen, die können dabei sogar noch Pommes essen. 

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