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CDU-Kandidatenkür Drei Kampfansagen

Thilo Stratemann sagt es schnörkellos: „Ich will rein in den Römer.“ Auf dem für ihn, einem Vertreter des Nordostens, vorgesehenen Platz 42 sieht er

22.11.2010 13:47

Thilo Stratemann sagt es schnörkellos: „Ich will rein in den Römer.“ Auf dem für ihn, einem Vertreter des Nordostens, vorgesehenen Platz 42 sieht er keine Chancen. 34 Sitze habe die CDU bei der Wahl 2006 erreicht. Es ist wohl der unangenehmste Moment des CDU-Parteitags am Samstag, als die Vorsitzende der Nordost-Verbände der CDU, Christine Emmerich, ans Mikrofon tritt und erklärt, dass Stratemann von ihr keine Rückendeckung habe. „Mit dem Vorstand war das nicht abgesprochen.“ Stratemann, ein 40 Jahre alter EDV-Projektleiter, ist desavouiert und fällt durch mit seiner Kampfkandidatur gegen den Bornheimer Martin Gerhardt auf Rang 14.

Vergeblich versucht hat es auch Naim Yildirim, ein türkisch-stämmiger Elektriker, der schon lange gerne etwas in der CDU werden will. Er fordert den Rechtsanwalt Rainer Krug auf Platz 25 heraus. Seine Begründung: „Es sind so viele Rechtsanwälte auf der Liste“, kaum normale Menschen.

Die aussichtsreichste Kampfkandidatur kommt vom Oberräder CDU-Vorsitzenden Christian Becker. Er wird vom ganzen Frankfurter Süden unterstützt, der sich auf der Liste, wie Hans-Günter Joras aus Sachsenhausen beklagt, „nicht gut bedacht“ fühlt und nun „zutiefst verunsichert“ sei. Der 33 Jahre alte Lehrer Becker bewirbt sich mit dem Schwerpunkt Bildung, die Delegierten reagieren positiv.

Die Flügel marschieren

Das setzt die Führungskräfte beider CDU-Flügel, die „rechte“ Mittelstandsvereinigung (MIT) und die „linke“ CDA, in Marsch. Der Oberräder will Rang 32 haben, da sitzt aber Buchbindermeister Thomas Rätzke. Kämmerer Uwe Becker, die Landtagsabgeordneten Ulrich Caspar und Ralf-Norbert Bartelt sowie MIT-Chef Joachim Gres werben für Rätzke, die CDU brauche das Handwerk und den Mittelstand. Ex-Forschungsminister Heinz Riesenhuber leitet humorvoll, aber mit strengem Unterton die Versammlung. Er mahnt Disziplin und zügigen Verlauf an. Ausufernde Debatten sind nicht erwünscht, macht Riesenhuber klar. Es sei denn „die Zukunft Deutschlands“ sei betroffen. Es kommt keine Gegenrede mehr.

Schließlich scheitert der Lehrer Becker, wenn auch knapp mit 44,6 Prozent. Der Vorstand hat seine Liste durchgebracht, wenn auch nicht ganz ohne Reibung. Parteichef Boris Rhein erteilt den Aufständischen später eine Art Absolution: „Das passiert eben in einer lebendigen Partei.“ (ox)

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