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Caricatura Zum Feiern ist niemand zumute

Das zehnjährige Bestehen des Museums wird vom aktuellen Konflikt überlagert.

Eröffnung der Caricatura 2008
Bild aus ruhigeren Zeiten: Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) eröffnet 2008 das Caricatura. Foto: Andreas Arnold

Manche müssen lachen über den Konflikt, der da gerade in der Kulturstadt Frankfurt ausgetragen wird. „Es geht um ein Museum, das Kommunikation ausstellt“, sagt Thomas Dürbeck, der kulturpolitische Sprecher der CDU im Römer, und fügt hinzu: „Aber ausgerechnet dem Direktor dieses Hauses will die Stadt verbieten zu kommunizieren.“ Und dann lacht Dürbeck herzlich und sagt: „Das ist doch lächerlich.“ 

Am 1. Oktober wird das Caricatura, das Museum für Komische Kunst, zehn Jahre bestehen. Aber zum Feiern ist niemand zumute. Sebastian Popp, der kulturpolitische Sprecher der Grünen im Rathaus, sagt ernst: „Ich finde den Umgang mit Achim Frenz befremdlich.“ 

Der 60-jährige Frenz, Gründungsdirektor der Caricatura, wird von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) dienstrechtlich belangt, seit die Frankfurter Rundschau über die Probleme des Hauses berichtet hatte. Denn rechtlich gesehen ist das Museum für Komische Kunst nur eine Abteilung des Historischen Museums – und dessen Direktor Jan Gerchow besteht darauf, dass er für die Kommunikation nach außen zuständig ist. Also darf Frenz gar nichts mehr sagen und keinen Kontakt mit Journalisten haben.

An seinen Schwierigkeiten ändert das freilich nichts. Er besitzt gerade mal zwei Mitarbeiter und organisiert dennoch mehrere hochkarätige Sonderausstellungen pro Jahr. Das geht nur mit erheblicher Selbstausbeutung – und die ist nun an einer Grenze angelangt. Zuletzt hat Frenz deshalb in den Römer-Fraktionen von CDU, Grünen und SPD seine Argumente für eine Selbstständigkeit des Hauses und eine bessere finanzielle Ausstattung vorgetragen. Auch das fand das Kulturdezernat nicht in Ordnung. Die Grünen haben die Bitten von Frenz daraufhin in einen offiziellen Antrag umgesetzt. 

Und der dümpelt nun innerhalb der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen vor sich hin. „Wir haben noch keine Position als Fraktion“, bekennt CDU-Fraktionschef Michael zu Löwenstein. „Eine Eigenständigkeit des Museums wird an den Finanzverhältnissen scheitern“, urteilt CDU-Kulturpolitik Dürbeck, der das Anliegen von Frenz durchaus sympathisch findet. Die Grünen hoffen, dass ihr Antrag zumindest geprüft wird – dass also die Stadt mal durchrechnet, was so ein selbstständiges Museum für Komische Kunst mit etwas mehr Personal kosten würde …
Die Kulturdezernentin zieht sich darauf zurück, dass sie wegen der dienstrechtlichen Auseinandersetzung mit Frenz gar nichts sagt. Und dann gibt es da noch das Kuratorium des Museums, das so unterschiedliche Persönlichkeiten versammelt wie den Ex-Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, den Unternehmer Claus Wisser und die Journalistin Franziska Augstein. Man darf gespannt sein, was die eigentlich so denken. 

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