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Caricatura-Museum Streit um Caricatura ist „nur noch peinlich“

„Missgunst, Neid, und anmaßende Chefallüren“: Der Satiriker Pit Knorr über die unproduktiven Auseinandersetzungen rund um das Caricatura-Museum.

Pit Knorr
Der Satiriker Pit Knorr Foto: Renate Hoyer

Herr Knorr, Sie gehören zum Kreis derer, die sich schon frühzeitig für ein selbstständiges Museum für Komische Kunst in Frankfurt eingesetzt haben.
Das ist richtig. Diese Idee wurde damals vom früheren Kulturdezernenten Hans-Bernhard Nordhoff (SPD) realisiert und von dessen Nachfolger Felix Semmelroth (CDU) tatkräftig unterstützt. Beide waren die entscheidenden Förderer des Projektes. Das Ganze war politisch gewollt und wurde sehr schnell von sehr vielen Besuchern wahrgenommen. Heute, zehn Jahre danach, haben wir in Frankfurt ein Caricatura-Museum, das mit seiner erstaunlichen Erfolgsgeschichte ein glorreiches Jubiläum feiern könnte.

Inwiefern?
Nun, das Haus beherbergt nicht nur die Arbeiten der Zeichner der Neuen Frankfurter Schule, welche die Stadt dankenswerterweise angekauft hat, sondern es ist Achim Frenz, dem Leiter der Caricatura, gelungen, bis zu vier große Einzelausstellungen pro Jahr zu organisieren. Er hat die Crème de la Crème der prominenten Zeichner aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich in sein Museum nach Frankfurt geholt. Alle waren sie da: der Deix, Tomi Ungerer, Greser/Lenz, Gerhard Haderer, Reisér, Michael Sowa, Rudi Hurzelmeier, Ernst Kahl – um nur einige zu nennen! Zur Zeit läuft die Otto-Waalkes-Ausstellung mit exorbitanten Besucherzahlen. Das alles ist einmalig in Deutschland. Und ein Ruhmesblatt für Frankfurt.

Aber es gibt diese peinliche und schrecklich kontraproduktive Auseinandersetzung mit dem Leiter des Historischen Museums, Herrn Gerchow.
Ja. Dem Caricatura-Museum wurden von Herrn Gerchow die Mittel gekürzt. Offenbar darf er das, auch wenn darunter die Arbeit des personell völlig unterbesetzten Caricatura-Museums an den Rand der Unmöglichkeit getrieben wird. Das Museum hat drei (drei!) Mitarbeiter, von denen der eine wegen Überlastung kurz davor ist, den Bettel hinzuschmeißen. Achim Frenz hat sich selbstverständlich über diese Kürzungen beschwert. Angeblich bei der Presse; was er bestreitet. Allein dieser Vorgang hat bei Herrn Gerchow nun zu den unglaublichsten Reaktionen geführt. Redeverbot. Einbestellung zu dienstrechtlichen Gesprächen. Androhung einer Abmahnung.

Gibt es eine rechtliche Grundlage für diese Vorgehensweise?
Das darf man bezweifeln. Das Historische Museum, das Caricatura-Museum und das Kindermuseum sind in einem Verbund organisiert, der daraus besteht, verschiedene administrative Aufgaben zu bündeln und zu koordinieren. Man ist zur Kooperation verpflichtet, statusmäßige Überlegenheit des einen gegenüber dem anderen ergibt sich daraus nicht. Dem Historischen Museum obliegt die Haushaltsführung, aber keine dienstrechtliche Leitungsfunktion.

Und warum dann trotzdem diese Art der Auseinandersetzung?
Missgunst? Neid? Bosheit? Suchen Sie sich was aus. Die riesige, immer wiederkehrende positive Aufmerksamkeit weit über Frankfurt hinaus, die fabelhaften Besucherzahlen für das kleine „untergebene“ Museum können so was schon mal provozieren. Ich halte es jedenfalls für präpotentes Machtgetue. Wenn Herr Frenz wörtlich dazu aufgefordert wird, sich „unterzuordnen“, dann ist das nur noch peinlich. Angemaßte Chefallüren statt kollegialem Umgang – so sieht das leider aus. Und wenn dann im Kulturausschuss der Stadt die Forderung aufkommt, das Caricatura-Museum als selbstständiges Haus in die Unabhängigkeit zu überführen, dann darf man sich nicht wundern, wenn Herr Frenz und fast alle Menschen guten Willens, mich eingeschlossen, sich diesem Wunsch anschließen.

Wie schätzen Sie Achim Frenz ein?
Er ist kein Kämpfertyp. Er ist ein stiller Mann, der zwar keine Rhetorikpreise gewinnen wird, der aber sehr effizient arbeitet. Er wird im Moment übel behandelt. Das ist sehr unfair und entspricht in keiner Weise seinen Verdiensten. Ich habe den Eindruck, dass er jede Art von Unterstützung braucht, weil er und vor allem dieses Museum die Chance zum Fortbestand und zur Weiterentwicklung bekommen müssen.

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