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Cannabis in Frankfurt Ärzte verschreiben die Droge nicht gern

David Lang informiert über seine Erfahrungen in der Beratungsstelle für Cannabis als Heilmittel in Frankfurt.

Cannabis
Cannabis wird je nach Arzneimittel in unterschiedlichen Formen weiterverarbeitet. Foto: rtr

Der Arzt David Lang ist Leiter der Malteser-Suchthilfe. Seit Juni 2015 bietet er zusammen mit dem Juristen Markus Cronjäger an jedem ersten Mittwoch im Monat im Stadtgesundheitsamt eine Beratung zu Cannabis als Arzneimittel an. Im Europa des 19. Jahrhunderts galt Hanf als Allheilmittel, etwa bei Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Asthma. Das Aus kam 1925: Auf der 2. Internationalen Opiumkonferenz in Genf wurde Cannabis neben Heroin und Kokain verboten. „Die Substanz ist zu Unrecht verteufelt worden, aber sie sollte nicht glorifiziert werden“, sagt Lang im Gespräch mit der FR.

Vor allem Schmerzpatienten und ADHS-Patienten, die hyperaktiv sind und keine Ruhe finden, kommen ins Gesundheitsamt, um sich beraten zu lassen. Sie wollen wissen, ob ihnen das sogenannte medizinische Cannabis, das in der Apotheke in Form von Blüten, Tropfen, Dragees oder auch als Mundspray erhältlich ist, verschrieben werden kann. Lang und Cronjäger informieren, bei welchen Krankheitsbildern Cannabis auf Rezept theoretisch einsetzbar ist und mit welchen Nebenwirkungen und Risiken gerechnet werden muss.

Selbst ein solches Rezept ausstellen darf Lang nicht. Also kann er nur die Empfehlung geben, sich gegebenenfalls einen anderen Arzt zu suchen. Viele Patienten haben das allerdings bereits erfolglos versucht. Denn mit dem Verschreiben tun „sich viele Ärzte schwer – was ich nachvollziehen kann“, sagt Lang. Da gebe es zum einen die „Hemmung“, eine illegale Droge zu verschreiben. Dazu komme ein hoher bürokratischer Aufwand. Außerdem seien Cannabis-Patienten sehr teuer, was zulasten des Budgets eines niedergelassenen Arztes gehe.

450 bis 900 Euro hätten Patienten vor einer Gesetzesänderung im März 2017 im Monat für ihre Behandlung gezahlt. Nachdem das neue Gesetz in Kraft getreten ist, seien die Preise noch einmal nach oben geschnellt. Das Ziel des Gesetzgebers, den Zugang zu medizinischem Cannabis zu erleichtern, ist wohl auch deshalb noch lange nicht erreicht worden, weil die Krankenkassen mauern.

Nach Angaben des „Stern“-Magazins seien seit der Gesetzesänderung mehr als 17 000 Anträge bei den vier größten gesetzlichen Krankenkassen eingegangen, die aber oft abgelehnt werden: „Die Krankenkassen lehnen die Kostenübernahme pauschal ab“, sagt Lang – auch wenn sie dem Gesetz nach die Kostenübernahme nur „in Ausnahmefällen verweigern“ dürfen.

Lang räumt ein, dass man das „Medikament besser kennenlernen“ müsse. Fest steht wohl, dass Cannabis im Vergleich zu den bei starken Schmerzen oft verordneten Opioiden, also Substanzen mit morphinartiger Wirkung, weniger Nebenwirkungen hat. Und man kann es so dosieren, dass ein Rausch und damit auch das Süchtigwerden vermieden werden.

Unstrittig ist aber auch, dass es „zu wenige klinische Daten“ und bei den wenigen Studien oft nur geringe Fallzahlen gebe. Das würde sich automatisch ändern, meint Lang, wenn medizinisches Cannabis bundesweit öfter verschrieben würde. Denn die Behandlung und der Krankheitsverlauf müssten dokumentiert und ausgewertet werden.

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