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Cannabis-Anbau Gute Ware vom Herrn Hanf

Ein Cannabis-Zucht-Genie beeindruckt das Frankfurter Landgericht. Er kommt mit einer milden Bewährungsstrafe davon.

Herr Hanf betrieb eine Cannabis-Plantage in Okriftel. Foto: reuters

Lucas B. sieht nicht aus wie ein bewaffneter Drogenhändler. Er sieht eher aus wie ein Ingenieur. Ist er auch, und zwar ausstudierter Ingenieur der Elektrotechnik. Und 31 Jahre alt. Vor dem Landgericht steht er allerdings wegen bewaffneten Drogenhandels.

Im April bereitete die Polizei dem Treiben Lucas B.s ein Ende, zerstörte die Cannabis-Plantage, die er unter dem schönen Künstlernamen „Hanf“ in einem Hochhaus in Okriftel betrieb, und konfiszierte die 2,8 Kilo Gras, die er in einer Sporttasche in Sicherheit bringen wollte. Weil er in einem Herrenhandtäschchen noch einen Teleskopschlagstock mit sich führte, lautet die Anklage auf bewaffneten Drogenhandel.

Eigentlich ist Lucas B. eher Genie als Verbrecher. Die wissenschaftliche Hilfskraft der Fachhochschule, Spross einer Ingenieursfamilie, hat Fertigkeiten, die nicht jedem gegeben sind. „Ich dachte erst, ich wär’ bei der Nasa“, sagt der Polizist, der die Plantage damals als erster gesichtet hatte. Schläuche, eine raffinierte, elektronisch gesteuerte Klima- und Bewässerungsanlage, Natriumdampflampen: ein Labor, das einem Wissenschaftler zur Ehre gereichen würde. Nicht schnöde im Kiffer-Shop gekauft, sondern selbst entwickelt, gebaut und programmiert. „Für das Klima habe ich die Wärmetauscher von fünf alten Fiat-500-Kühlern hintereinandergeschaltet“, sagt B. nicht ohne Stolz vor Gericht. Der Richter ist beeindruckt: „Haben Sie das erfunden?“ „Das habe ich erfunden!“

Selbst der perfekteste Plan geht manchmal daneben. In B.s Fall war es ein Wasserschaden, der die Polizei auf den Plan rief. Als B. nach seinen Pflanzen gucken wollte, klebte ein Polizeisiegel an der Tür. „Ich hätte das als Zeichen sehen sollen“, sagt B. heute, aber er tat es nicht. Nachdem die Polizei die eine Wohnung unbrauchbar gemacht hatte, ihm selbst aber nicht auf die Spur gekommen war, mietete er im selben Haus einfach eine zweite Wohnung – und machte weiter. Es konnte auf Dauer nicht gutgehen.

Das Gras war gut und preiswert

B. verkaufte nach eigenen Angaben ausschließlich „in meinem studentischen Freundeskreis“. „Gute Qualität zu vernünftigen Preisen“, wie selbst der Staatsanwalt anerkennt. „Und man wusste, wo’s herkommt“, ergänzt B. Tatsächlich war es B. binnen weniger Jahre gelungen, aus einer einzigen „Mutterpflanze“ unzählige Setzlinge zu ziehen, deren Rauschgiftgehalt Experten mit den Ohren schlackern lässt.

Alles mit Hilfe der Technik, Liebe zu Tüfteleien und einem grünen Daumen. Bliebe noch der Schlagstock. Den habe er, versichert B. glaubhaft, wegen des Freundes eines Mädchens dabeigehabt, das er im Waldstadion kennengelernt habe. „Was da zwischen uns passiert ist, geht aber nur sie und mich was an. Und ihren Freund vielleicht auch ein bisschen, na ja...“ Deshalb der Schlagstock. Für den Freund des Mädchens.

Das Gericht verurteilt Lucas B. zu der mildesten Strafe, die geht: zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung. „Mit diesem Know-how können Sie doch noch ganz andere Sachen machen“, gibt ihm der Staatsanwalt mit auf den Weg. Aber das tut der junge Mann schon. Derzeit betreibt er ein Sonnenstudio, das er bei Ebay gekauft habe. Da könne er die Sonnenbänke in Eigenregie ein wenig aufmöbeln.

Kunden dieses Sonnenstudios könnte das vielleicht eine Chance bieten, sehr schnell sehr braun zu werden.

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