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Universität Marburg Gemälde aus der Wäscherei

Ein einzigartiger Studiengang der Universität Marburg verknüpft Kunst mit einem wissenschaftlichen Nebenfach. Der ungewöhnliche Ansatz lockt Studenten aus der ganzen Welt an.

Juan Miguel Restrepo bei der Arbeit an Goliaths Haupt. Foto: Gesa Coordes

Ein einzigartiger Studiengang der Universität Marburg verknüpft Kunst mit einem wissenschaftlichen Nebenfach. Der ungewöhnliche Ansatz lockt Studenten aus der ganzen Welt an.

Juan Miguel Restrepo wählt ein blasses Rosa für den Hintergrund von Goliaths Haupt. Der Kolumbianer arbeitet an einer Serie über Caravaggio: „Ich beschäftige mich mit den alten Meistern“, sagt der 30-Jährige, der einmal Kunstlehrer werden möchte. Restrepo gehört zu den Marburger Kunststudenten, die einen eigenen Atelierplatz in der ehemaligen Wäscherei haben. Nebenan diskutieren zwei Chinesinnen über die Strichtechnik einer Stadtansicht. Unterdessen arbeitet Genia Maria Sieg konzentriert an einem Porträt in Aquarelltechnik: „Man kann sich hier sehr frei entfalten“, sagt die 25-Jährige, die Kulturredakteurin werden möchte.

Viele internationale Bewerber

Der Leiter des Instituts für Bildende Kunst, Eckhard Kremers, geht mit seiner Stellvertreterin Helmi Ohlhagen von Staffelei zu Staffelei, um Fortschritte zu begutachten und Tipps zu geben. „Kunst kann man nicht lehren“, sagt der Professor: „Die künstlerischen Techniken aber sehr wohl.“

Seit knapp zwei Jahren gibt es den Masterstudiengang „Bildende Kunst“ an der Marburger Philipps-Universität, der bis zu 30 Studierende aufnimmt. „Solche Studiengänge gibt es in ganz Deutschland kaum“, sagt Helmi Ohlhagen. Das ist der Grund, warum das seit Jahrzehnten bestehende Institut mit seinen mehr als 120 Studierenden außergewöhnlich viele Bewerbungen aus dem Ausland hat. Aktuell stammen 43 Prozent der angehenden Künstler aus China, Korea, Kolumbien, den USA und Osteuropa.

Der Studiengang verknüpft ein Angebot, wie es in Deutschland sonst eher an Kunstakademien gelehrt wird, mit einem wissenschaftlichen Nebenfach. Dabei können die Studierenden zwischen 33 Fächern wählen. So kommen Kunsthistoriker, die sich auf Druckgrafik spezialisiert haben, Künstler, die für ihre Projekte Kenntnisse in Biologie brauchen, Mediziner und sogar Betriebswirtschaftler: „Diesen breiten Kanon an Nebenfächern gibt es sonst nirgendwo“, sagt Ohlhagen.

Vor einem Jahr haben die Studierenden großzügige Atelierräume in der ehemaligen Wäscherei der Uni-Klinik bezogen. In Räumen für vier bis acht Studierende stehen sie an ihren Staffeleien. Platz für Siebdruck, Lithographien, Radierungen und Holzschnitte gibt es in den alten Kunsträumen im Psychologie-Institut.

Erste Studentin macht ihren Master

Examenskandidatin Adriane Arnold ist fast jeden Tag im Atelier. Sie mag die „supertollen Räume“ und den Austausch untereinander. Arnold wird die erste Marburger Studentin sein, die ihren Master in Bildender Kunst macht. Aktuell zeichnet sie an ihrer Abschlussarbeit – Frauenporträts.

Die Ateliers erlauben große Formate, freut sich Katharina Fondis: „Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich.“ Die Deutsch-Kirgisin beteiligt sich an einem Kunstprojekt über die Brüder Grimm, das die Studenten ab morgen im Marburger Schlosspark zeigen. Große Banner und eigenwillige Objekte rund um die berühmten Märchen erwarten die Besucher. Was die Kunststudenten können, haben sie schon in der Vergangenheit gezeigt: So wurde die von ihnen gestaltete Brötchentüte für Aktionswochen des Studentenwerks mit einem Preis ausgezeichnet. Entworfen haben sie auch Plakate für den Marburger Theatersommer.

Das Institut kann in der „Nacht der Kunst“ am 22. Juni, 18–22 Uhr, besucht werden; die Kunst im Schlosspark ab Freitag bis Ende des Jahres.

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