Lade Inhalte...

Uni Frankfurt „Bei der Campusmeile den großen Wurf wagen“

Birgitta Wolff, Präsidentin der Frankfurter Goethe-Universität, spricht über visionäre Stadtplanung, die Zukunft der Regelstudienzeit und eine Kampagne gegen sexualisierte Diskriminierung.

Birgitta Wolff
Wünscht sich mehr Wohnflächen und kreative Räume für Studierende: Birgitta Wolff. Foto: Peter Jülich

Frau Wolff, was waren Sie für ein Studententyp? Traf man Sie nur in der Bibliothek oder auch auf Studipartys?
Meinen ersten Abschluss habe ich an der damals neuen Uni Witten/Herdecke absolviert. Wir waren zunächst weniger als 100 Studierende in meinem Fach. Gefeiert haben wir knackig. Die besten Partys hatten die Zahnmediziner (lacht). Gelernt haben wir meist in unseren WGs, in kleinen Gruppen. Die Einführungveranstaltung war keine Vorlesung, sondern hatte Projektcharakter. Und wenn wir fachliches Know-how gebraucht haben, hieß es: Das kannst du nachlesen. Für mich hat das gut funktioniert. Aber nicht alle haben dieses Nicht-an-die-Hand-genommen-Werden als Chance gesehen, sondern auch als „Die lassen mich hängen und keiner erklärt mir, wie die Welt funktioniert“.

Gerade gab es eine Studierendenbefragung. Zwei Drittel der Eingeschriebenen sind neben dem Studium erwerbstätig. So schätzt fast die Hälfte, dass sie gegenüber der Regelstudienzeit in Verzug ist. Ist die Regelstudienzeit ein Auslaufmodell?
Wir sollten zusammen mit der Politik überlegen, ob die Regelstudienzeit noch ein sinnvoller Parameter für die Hochschulfinanzierung ist. Macht es wirklich noch Sinn, Hochschulen Anreize zu setzen, die Studierenden zu einem schnellen Studium zu drängen, wenn das weder zu deren Lebenssituation passt noch der Schlüssel zu einem guten Studienerfolg ist? Die Befragung hat auch ergeben, dass 90 Prozent unserer Studierenden ihren Freunden die Goethe-Uni weiterempfehlen würden.

Der Lehramtsbereich ist ein sehr großer Bereich mit einem nicht so guten Betreuungsverhältnis zwischen Professoren und Studierenden. Haben Sie vor, da aufzustocken?
Das werden wir müssen. In den Lehramts-Studiengängen fürs Grundschul- und Förderschul-Lehramt haben wir im letzten Sommer auf Wunsch der Politik die Erstsemesterzahlen verdoppelt. Das war heftig. Da kann man gar nicht so schnell Professuren schaffen, wie es nötig wäre. Didaktiker sind bundesweit heiß begehrt, weil inzwischen alle merken, dass wir mehr Lehrer ausbilden müssen. Gleichwohl sollte man nicht erst Lehrer ausbilden, wenn man merkt, dass sie akut fehlen. Schülerinnen und Schüler fallen ja nicht plötzlich vom Himmel; sie kündigen sich in der Regel sechs Jahre vorher an. Auch ohne Migration hätten etliche Bundesländer einen Lehrkräftemangel. Das ist seit Jahren bekannt.

Ihr Vorgänger wollte aus der Goethe-Uni ein „Harvard am Main“ machen, aber Hessens Universitäten gehören nicht zu den Gewinnern der Exzellenzstrategie …
Ich habe immer gesagt, dass mir „Goethe am Main“ besser gefällt. Der Exzellenzwettbewerb ist wie eine wichtige Fußballmeisterschaft, die nur alle sieben Jahre stattfindet. Daran hängt viel Reputation. Deshalb ist unser Abschneiden im Exzellenzwettbewerb Anlass zur Selbstreflexion und für eine Entwicklungsdiskussion innerhalb der Uni. Vielleicht sollten wir wieder stärker daran erinnern, dass es auch andere hochrangige Wettkämpfe gibt. Zudem bringt der neue gemeinsame Exzellenzcluster der Universitäten Gießen und Frankfurt insgesamt rund 40 Millionen Euro zusätzlich, verteilt auf sieben Jahre und mehrere Standorte. Unser Uni-Gesamtbudget betrug im Jahr 2017 rund 630 Millionen Euro; davon waren fast 200 Millionen eingeworbene Drittmittel. Der monetäre Wert eines Clusters erscheint also kompensierbar. In anderen Spitzenforschungsbereichen, die sich in anderen Wettbewerben um Bundes- und Landesmittel bewähren, steht die Goethe-Universität aktuell gut da.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen