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Umzug der Uni ins Westend Wermutstropfen Bibliothek

Präsident Müller-Esterl über den Kompromiss beim letzten Abschnitt des Uni-Umbaus: Die Zentralbibliothek bleibt zunächst in Bockenheim.

27.03.2012 05:56
Der Campus Westend: Die nächsten Bauprojekte dort sind beschlossene Sache. Foto: Michael Schick

Präsident Müller-Esterl über den Kompromiss beim letzten Abschnitt des Uni-Umbaus: Die Zentralbibliothek bleibt zunächst in Bockenheim.

Von ihrem ursprünglichen Wunsch, den Umzug von Bockenheim auf den Campus Westend und Riedberg bis zum 100. Geburtstag 2014 abschließen zu können, musste sich die Goethe-Universität schon lange verabschieden. Nach jahrelangen Unsicherheiten und Verhandlungen über den dritten Ausbauschritt haben sich nun Unipräsidium, Finanz- und Wissenschaftsministerium auf einen Kompromiss geeinigt. Studierendenhaus und Institutsbauten kann die Uni verwirklichen, nur die Zentralbibliothek muss warten und bleibt vorerst in Bockenheim. Bis 2017 räumt die Hochschule dort aber den Platz für den neuen Kulturcampus.

Herr Müller-Esterl, die Verhandlungen mit dem Land über den dritten Bauabschnitt waren lang und hart. Hat der Wunsch nach schneller Realisierung des Kulturcampus und städtebaulicher Neustrukturierung in Bockenheim die Sache beschleunigt?

Ich denke schon. Seit klar ist, dass der Kulturcampus umgesetzt werden soll, ist eine ganz andere Dynamik in den Prozess gekommen. Nach schwierigen Verhandlungen sind die Partner nun aufeinander zugegangen. Der Kulturcampus hat da als Katalysator gewirkt. Die Stadt Frankfurt hat ebenfalls ihr Interesse signalisiert und damit zur Einigung beigetragen. Die Goethe-Uni ist glücklich über die kommende Nutzung ihres „alten“ Campus: Der Kulturcampus ist eine geniale Lösung.

Vom Zeitfaktor abgesehen hat die Goethe-Uni ihre baulichen Vorstellungen bei der Landesregierung verwirklichen können. Zumindest fast. Ist die Verschiebung des Neubaus der Zentralbibliothek im Westend die Kröte, die Sie schlucken mussten?

Für die Universität haben wir eine Lösung gefunden, die in der Neuordnung der Hochschule ein großer Schritt nach vorne ist. Und ja, wenn Sie so wollen, ist die Bibliothek die „Kröte“, die wir schlucken mussten. Ihr Neubau wird rund 100 Millionen Euro kosten. Das war dem Land derzeit nicht mehr zuzumuten. Wir mussten einen Kompromiss eingehen. Dass die Bibliothek vorerst in Bockenheim bleibt, muss kein Nachteil sein. Wir realisieren derzeit ein Konzept der Dezentralisierung: An den einzelnen Standorten gibt es große Bereichsbibliotheken wie im Otto-Stern-Zentrum auf dem Riedberg und dem Campus Westend. Und es wird einen verstärkten Bestell- und Liefer-Service der Zentralbibliothek geben.

Aufgeschoben ist nicht doch vielleicht aufgehoben?

Nein. Wir haben die Zusage, dass die Bibliothek nach Abschluss des Heureka-Bauprogramms, das bis 2019 läuft, realisiert werden kann. Es bleibt die Frage, wann und mit welchen Mitteln dies möglich sein wird. Wir brauchen daher eine Neuauflage des Heureka-Programms nach 2019, damit Universitäten und Hochschulen ihre Infrastruktur weiter verbessern können, zu der auch Bibliotheken zählen.

Sonst mussten Sie keine Abstriche machen?

Die Bibliothek ist der einzige Wermutstropfen. Alle anderen Projekte können wir nun realisieren. Dafür sind wir dem Land sehr dankbar.

Welche Projekte sind das?

Die sogenannte Paketlösung umfasst den dritten Bauabschnitt am Campus Westend und wichtige Neubauten auf dem Riedberg. Damit werden beide Campi architektonisch und funktional abgerundet. Im Paket enthalten sind die Fächer Musik, Kunst, Außereuropäische Sprachen (rund 70 Millionen) am Campus Westend, der Einstieg in den Neubau für die Chemie (50 Millionen) auf dem Campus Riedberg, um den sehr lange gerungen worden ist, sowie eine Lösung für Informatik und Mathematik, ebenfalls am Riedberg. Berücksichtigt man noch das Seminarhaus (20 Millionen) und das neue Studierendenhaus (13), so sind allein am Campus Westend Vorhaben für über 100 Millionen Euro in Planung. Hinzu kommt noch das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (35 Millionen) der Leibniz-Gemeinschaft.

Der erste Bauabschnitt für die Chemischen Institute auf dem Riedberg ist mit 50 Millionen Euro veranschlagt?

Das Projekt soll in zwei Bauabschnitten realisiert werden, der erste ist nun sozusagen der Türöffner für den zweiten Abschnitt, der in einer Post-Heureka-Zeit verwirklicht wird.

Und dann wären da noch die Informatik und Mathematik?

Hier rechnen wir mit einer Einigung im April. Derzeit läuft noch eine Wirtschaftlichkeitsprüfung. Mehrere Optionen werden geprüft: ein architektonisch gestaltetes Gebäude, eine preiswertere Lösung in Modulbauweise oder eine Anmietung – etwa im angrenzenden Mertonviertel. Im ersten Fall geht es um Baukosten von rund 40 Millionen Euro. Dazu müsste die Universität selbst tief in die eigene Tasche greifen.

Was wäre Ihr Favorit?

Die von uns bevorzugte Lösung ist die eines Institutsgebäudes, das dem Fachbereich dauerhaft ein neues Zuhause gibt. Das würde den Riedberg auch architektonisch abrunden. Zusammen mit der Chemie wären das die letzten großen Bauprojekte dort.

Fürchten Sie, dass das Land nach einem so tiefen Griff in die Baukasse beim Grundbudget knausrig werden könnte?

Das hoffe ich nicht. Ich denke, das Land sieht, in welchem Umfang wir selbst finanziell zu dieser Lösung beitragen. Und wir arbeiten auch an anderer Stelle sehr konstruktiv: Wir nehmen mehr Studenten auf, wir wachsen weiter, insbesondere wenn die G8- Jahrgänge ab 2013 kommen. Wir gehen davon aus, dass das Land uns weiter unter die Arme greift und auch beim Grundbudget auskömmlich finanzieren wird.

Das Interview führte Astrid Ludwig

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