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Studentenportrait Wandler zwischen Welten

Léonce W. Lupette ist Deutschfranzose, Student, Schriftsteller und Pendler zwischen Frankfurt und Buenos Aires.

23.03.2012 20:38
Tatjana Thamerus
Bücher, überall Bücher. Léonce W. Lupette schreibt selbst Gedichte. Foto: Christoph Boeckheler

"Grübeln und Nachdenken sind zwei verschiedene Dinge: Nachdenken ist eine gute Sache, aber Grübeln ist fatales auf der Stelle treten. Ich grübele leider oft“, sagt Léonce und zwirbelt seinen Bart. Léonce W. Lupette ist ein ruhiger Mensch, bedacht und um Tiefgang bemüht. Der 25-jährige Student der Goethe-Universität ist viel rumgekommen in der Welt – und hat dabei die Literatur und Südamerika lieben gelernt.

Derzeit pendelt Lupette zwischen Frankfurt und Buenos Aires. Von beiden Kontinenten aus arbeitet er als freier Schriftsteller, Übersetzer und Literaturwissenschaftler. Hauptberuflich, wie er betont. Nebenbei studiert er an der Frankfurter Uni Komparatistik, Lateinamerikanistik und Philosophie. Er spricht vier Sprachen, schreibt Gedichte und übersetzt Autoren wie Esteban Echeverría und John Ashbery ins Deutsche. Er ist auch Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Karawa.net.

Immer wieder Fernweh

Neugierig und immer bereit, etwas Neues zu entdecken, machte sich der Deutschfranzose früh auf, um die Welt zu erkunden. Mit 16 ging er für ein Jahr nach Paraguay. Zu Hause in Deutschland fühlte er sich zu diesem Zeitpunkt eingeengt. „Dieses Jahr war ein Befreiungsschlag. Ich wollte möglichst weit weg und mein eigenes Ding machen“, sagt er.

Nach dem Abitur zog es Lupette wieder in die Ferne: In Tunesien absolvierte er seinen Zivildienst. „Was ich dort erlebt habe, war sehr verwirrend. Einerseits die sehr ausgeprägte Gastfreundschaft, andererseits die religiöse Ideologie, die ich oft als faschistoid empfand, und dann der Überwachungsstaat“, erzählt Léonce W. Lupette. Diese Zeit habe ihn jedoch sehr geprägt.

Ursprünglich stammt Lupette aus Göttingen, einem „bildungsbürgerlichen Disneyland“, wie er scherzhaft anmerkt. Er bevorzugt die Großstadt und vor allem Buenos Aires hat es ihm angetan. Sein Herz hat er in Argentinien während eines Auslandsjahres verloren: Er liebt das Land, die Literatur, Sprache, die Großstadt Buenos Aires und eine Argentinierin. 11487 Kilometer trennen ihn zwar momentan von seiner Liebe, doch der Schmerz ist für ihn nicht nur Feind: „Ich versuche alle Gefühle intensiv zu leben. Ich hasse Mittelmaß.“

Reaktionen provozieren

Der Student macht Dinge ganz oder gar nicht. Er hat sich der Sprache und Literatur verschrieben. Schriftsteller sein bedeutet für ihn „die Entscheidung getroffen zu haben, die Welt als Sprache zu betrachten“, wie der Lyriker Günter Eich einst sagte. Schon als Kind erfuhr der 25-Jährige, der in der deutschen und französischen Kultur aufwuchs, wie sehr Sprache „Welt“ bedeutet. „Ich hatte immer zwei Heimaten“, sagt er. Heute übersetzt Lupette mühelos aus dem Französischen, aber auch aus dem Spanischen, Portugiesischen und Englischen.

Als freier Schriftsteller schreibt Lupette vornehmlich Gedichte – eigenwillige, die in keine Kategorie passen. „Es geht mir immer um Strukturkritik. Ich möchte problematisieren, Reaktionen provozieren.“ Der 2009 erschienene Gedichtband „Einzimmerspringbrunnen“ von ihm und Tobias Amslinger ist provozierend. Schon die Schrift der Gedichte springt ins Auge. Und der Inhalt verstört und interessiert zugleich.

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