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"Sound Thinking" Klang denken im Hörsaal

Die Konferenz „Sound Thinking“ bringt Klangkünstler und Philosophen zusammen - und entfernt sich dabei von festgefahrenen Denkmodellen. Bernd Herzogenrath erklärt, was Zuhörer ab morgen erwartet.

31.05.2013 20:46
Im IG Farbenhaus bringt die Konferenz "Sound Thinking" Klangkünstler und Philosophen zusammen. Foto: dpa

Herr Herzogenrath, an diesem Wochenende veranstalten Sie an der Goethe-Universität eine Tagung mit dem Titel „Sound Thinking“. Was verstehen Sie unter diesem Begriff?

Auf der einen Seite geht es darum, Klang zu beobachten, auf der anderen Seite beschreibt „Sound Thinking“ auch ein Denken, das sich nicht an festgefahrenen Denkmodellen orientiert, sondern am Untersuchungsgegenstand, dem Klang oder Sound, selbst. Wir wollen schauen, was für ein Denken entsteht, wenn man sich nur am Klang orientiert.

Welchen Zugang haben Sie als Amerikanistik-Professor zu dem Thema?

Wenn man den Literatur- und Kulturwissenschaften, z.B. der Amerikanistik über Musik spricht, dann wird in der Regel das Stück wie vertonter Text behandelt. Da werden die Lyrics auseinandergenommen, das heißt man behandelt Songs so, als wäre das nur eine unwesentlich andere Form eines Gedichtes oder eines Textes. Aber das sagt erst einmal nichts über den Klang aus, sondern nur über die Bedeutungsebene des Stückes. Man redet mit Konzepten über Klang, die mit Klang selbst nichts zu tun haben. Wir haben da eine andere Stoßrichtung.

Sie fragen sich als Erstes, wie etwas klingt, und entwickeln dann erst die Begrifflichkeiten.

Genau. Daher habe ich auch bei der Auswahl der Referenten darauf geachtet, dass nicht nur Leute kommen, die über Klang reden, sondern auch Leute, die mit Klang arbeiten.

Wen haben Sie eingeladen?

Wir haben Komponisten im klassischen Sinne wie zum Beispiel Heiner Goebbels zu Gast. Auf der anderen Seite haben wir aber auch Thomas Köner und Bernhard Günter, die eher der Electronic-Sound-Art-Richtung zuzuordnen sind. Ich glaube beide werden einen Großteil ihrer 25 Minuten Redezeit damit bestreiten, ein Klangkunstprojekt zur Diskussion zu stellen.

Was erwartet die Zuhörer da?

Thomas Köners Stücke, sind ähnlich wie die Stücke der amerikanischen Minimalisten Morton Feldman und Philip Glass, oft stundenlang. Man verliert das Gefühl für die Struktur von Zeit. Köners Musik verdeutlicht so die Prozesshaftigkeit von Musik vielleicht viel besser, als man das in einem klassischen Vortrag könnte. Das ist ein Beispiel für die Dinge, die wir erarbeiten wollen.

Welches Ziel haben Sie sich für Ihre Konferenz gesetzt?

Wir wollen ein Bewusstsein schaffen, dass Denken eigentlich immer medial vermittelt ist. Viele denken da ausschließlich an Massenmedien wie zum Beispiel die Zeitungen. Und wir wollen einfach gucken, wie man mit einem anderen Medium, dem Klang, vielleicht anders denken kann. Und am Ende steht die Hoffnung, dass man einen Studiengang daraus entwickeln könnte.

Wie könnte dieser Studiengang aussehen?

So wie wir das hier auf der „Sound Thinking“-Tagung versuchen, wollen wir Leute, die sich philosophisch mit Sound beschäftigen, zusammenbringen. So dass es am Ende vielleicht so etwas wie Doktorarbeit-Teams gibt.

Wie weit sind Sie in Ihrer Planung?

So ein Studiengang kann natürlich nur in Kooperation zwischen Hochschulen und Universität entstehen. Wir sind gerade dabei, Interessenten an der Städel-Schule und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst zu finden. Interview: Judith Kessler

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