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Senckenberg Spinnenforschung Eine Spinne für Loriot

Der Frankfurter Forscher Peter Jäger widmet seine Otacilia dem großen deutschen Humoristen Loriot - weil die Spinne so normal ist.

Klein, aber hungrig: Loriots Steinlaus bringt ganze Wohnblocks zum Einstürzen.

Damit das von vornherein klar ist: Die Spinne, mit der Peter Jäger nun noch ein bisschen berühmter wird, hat „keine Nudeln im Gesicht“, sagt der oberste Senckenberg-Spinnenforscher. Die Spinne ähnelt auch keineswegs einem Mops, sie streitet in Badewannen nicht mit Herrn Müller-Lüdenscheid darüber, ob die Quietscheente mitbaden darf oder nicht, und sie verwüstet auch keine Zimmer, weil angeblich ein Bild schief hängt.

Nein, Otacilia loriot ist eigentlich eine ganz normale, winzig kleine Vertreterin der Ameisen-Sackspinnen. Dass sie von nun an den Namen eines der lustigsten Männer aller Zeiten trägt, begründet Jäger gerade mit ihrer Normalität: Der vor knapp einem Jahr verstorbene Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, habe immer das Komische im normalen, alltäglichen Leben gesucht – „da fand ich es passend, eine Spinne nach ihm zu benennen, die auf dem ersten Blick keine Besonderheiten zeigt“.

Kennengelernt haben sich Otacilia loriot und Peter Jäger bereits 2008 in Laos. Man muss nämlich nicht denken, ein Spinnenforscher entdecke eine neue Art, und 14 Tage später stehe sie in den Lehrbüchern. In Wirklichkeit sammeln die Wissenschaftler ihre Funde („Wir entdecken nicht“, sagt Jäger) eine Weile und beschreiben sie dann auf einen Rutsch. So kamen diesmal gleich sieben neue Arten zusammen. Eine davon wurde sogar schon 1999 eingesammelt und wartete seither auf einen Namen. Die meisten sind ganz langweilig nach den Fundorten benannt, eine heißt bicolor, weil sie zweifarbig ist, und eine hört nun auf den Namen Otacilia christae nach Christa Deeleman-Reinhold, einer erfahrenen und bewunderten Forscherkollegin aus den Niederlanden.

Otacilia loriot ihrerseits ist knapp zwei Millimeter klein und ähnelt eher einer Ameise als einer Spinne. Sie ging Jäger vor vier Jahren an einem Nebenfluss des Mekongs in Laos ins Sieb, als er wie gewohnt Laub nach Lebewesen durchsuchte. Anschließend kam der Fund ins Labor. „Bei der geringen Größe ist es nicht so einfach, da braucht man zur Bestimmung ein Mikroskop“, berichtet der Forscher, und zur Sicherheit zog er seinen Kollegen Jörg Wunderlich zu Rate, der sich in dieser Spinnengruppe besonders gut auskennt.

Spinne statt Steinlaus

Dass Jäger seine Bewunderung für Loriot mit dem Namen zum Ausdruck bringt, freut die Angehörigen. „Meinem Vater hätte diese Ehrung sicher gut gefallen“, ließ Susanne von Bülow dem Forscher ausrichten. Peter Jäger entschuldigte sich trotzdem dafür, dass es nur eine Spinne ist: „Eine Steinlaus wäre eher angemessen gewesen“, witzelt er. Ein solches Tierchen („das kleinste Nagetier unserer Heimat“) präsentierte Loriot einst in seiner legendären Parodie auf Bernhard Grzimek im Fernsehen – übrigens in dem gelben Pullover, der unlängst in der Grzimek-Ausstellung im Senckenberg-Museum zu sehen war. Doch auf das Erscheinen einer zweiten Steinlaus, die ganze Wohnblocks zum Einsturz bringen kann, wartet die Welt seither vergebens.

Nur 21 Arten der Gattung Otacilia waren bisher bekannt; dank Jäger und Wunderlich weiß die Welt nun von sieben weiteren aus China, Laos und Thailand. Dass uns ein kleiner Loriot über den Weg läuft, brauchen wir in Rhein-Main also eher nicht zu erwarten.

Auch die weitaus größeren Exemplare aus der Vogelspinnen-Ausstellung bei Senckenberg haben die Stadt inzwischen verlassen. Knapp 50000 Besucher kamen, um in die Terrarien zu schauen und zahlten erstmals einen Extra-Eintrittspreis für eine Sonderausstellung innerhalb des Museums. „Das Experiment ist gelungen“, freut sich Jäger. Die Spinnenschau spielte alle Kosten wieder ein, den Spinnen hat es in Frankfurt auch gut gefallen. Zurzeit sind sie im Partnermuseum in Dresden zu sehen.

Und im Herbst eröffnen sie eine Herrenboutique in Wuppertal, hätte Loriot gesagt. Beziehungsweise: Ein Leben ohne Spinnen ist möglich, aber sinnlos.

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