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Politik im Web Bretter bohren leichtgemacht

Junge Politikwissenschaftler kommunizieren und vernetzen sich in Weblogs. Ihre Beiträge zu Themen wie Mali-Krise und Kampfdrohnen sind auch bei Laien populär.

Janusz Biene, Thorsten Thiel und Philipp Offermann (v. l.) bloggen politisch. Foto: Chris Hartung

Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“, schrieb einst der Soziologe Max Weber. Das gilt für die Politikwissenschaft genauso. Doch statt nur monatelang in Gelehrtenstuben mit penibler wissenschaftlicher Arbeit einen Aufsatz auszubrüten, den am Ende nur wenige Menschen lesen, bohrt eine junge Generation von Wissenschaftlern ihre Bretter zuweilen auch leichter und schneller: Im Internet, in Weblogs, wie etwa dem „Bretterblog“, das auf Webers Zitat gründet.

Das im Juli 2012 gestartete Portal gehört zu den jüngsten seiner Art. Gegründet wurde es von acht Absolventen unterschiedlicher Universitäten. „Wir wollten Politik aus einer wissenschaftlichen Perspektive kommentieren“, sagt Janusz Biene, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Exzellenzcluster Normative Ordnungen der Frankfurter Goethe-Universität. Weil beides, Politik und Wissenschaft, viel Zeit benötige, sollen die Blogbeiträge, kurze Texte in kurzer Zeit, veröffentlicht werden und so stetig die Themen bearbeiten, erläutert der 28-Jährige. Das können auch popkulturelle Themen sein, wie etwa eine politikwissenschaftliche Sicht auf die Fernsehserie „The Wire“. Solche Beiträge sind auch bei Laien populär.

Zwei ähnliche Portale werden ebenfalls von jungen Politikwissenschaftlern des Exzellenzclusters mitbetrieben. Das eine, das „Sicherheitspolitik-Blog“, ist seit 2010 Teil des Forschungsprojekts Sicherheitskultur im Wandel, gefördert vom Bund. Weil das öffentliche Interesse an Sicherheitspolitik gering ist, beschäftigen sich die Blogger kritisch mit Themen wie dem Einsatz von Kampfdrohnen, die Mali-Krise, Amokläufe und Terror. „Das Format verspricht Interaktion mit allen und die Möglichkeit, sich direkt auszutauschen“, sagt der 34-jährige Blogger Philipp Offermann.

Kostenlos und ohne Werbung

Das andere Portal ist bereits Anfang 2010 online gegangen: Das „Theorieblog“ versteht sich als Forum für politische Theorie und Philosophie und richtet sich vor allem an ein Fachpublikum. Auf dem Gebiet habe es bis dato keine Informationsmöglichkeit jenseits von Konferenzen gegeben, sagt Thorsten Thiel, Koordinator des Forschungsverbunds Krisen einer globalisierten Welt und einer der Mitbegründer des Theorieblogs. So sei das neue Portal von Anfang an gut gelaufen, da man eine Lücke geschlossen habe.

Das liegt auch daran, dass auf der Seite nicht nur Theorie und Philosophie erörtert, sondern auch Stellenanzeigen für Politikwissenschaftler gepostet werden. 15.000 bis 20.000 Besucher zählt Thiel im Monat auf der Seite.

Alle drei Blogs sind offen für alle, kostenlos, ohne Werbung und – das Wichtigste – gut vernetzt. Sie verweisen aufeinander und auch auf andere Portale. Das achtköpfige Team des Bretterblogs erstellt jede Woche eine Netzschau – eine Zusammenfassung der Beiträge von etwa 80 Internetseiten.

Allerdings sind nicht viele deutschsprachige darunter, denn hierzulande tut man sich, anders als etwa in den USA, schwer mit dem neuen Medium. Viele Forscher sind skeptisch, dass Blogposts die Aufsätze in Fachzeitschriften ersetzen könnten.

Doch das sollen sie nach Ansicht der Blogger auch nicht. Thiel zufolge sind die Blogs nicht auf die gleiche Stufe mit den Journals zu stellen: „Ich will nicht mit einem Blogbeitrag zitiert werden.“ Das Medium hat eigene Regeln und Vorteile: Die Länge, die Sprache. Eine positive Wechselwirkung ist jedoch zu begrüßen: „Die Praxis des lockeren Schreibens wäre der Wissenschaftssprache zuträglich“, sagt Biene.

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