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PATERNOSTER Anleitung zum Liftfahren

An den Paternostern des Poelzig-Baus kleben seit neuestem große Schilder, die darauf hinweisen, dass die Benutzung dieser Aufzüge nur noch einem exklusiven Kreis gestattet ist - nämlich nur denjenigen, welche die Unterweisung über deren Nutzung unterschrieben haben.

Rauf und runter, ständig in Bewegung: Im Paternoster kann einiges schiefgehen. Foto: Heiko Wolfraum/dpa

Manche bürokratische Vorschrift ist bekanntermaßen nur dazu da, den Bürger zu drangsalieren. Unlängst etwa war Klaus G., Student der Philosophie in Frankfurt, wie üblich auf Inline-Skates in den weiten Gängen des Poelzig-Baus unterwegs. In seiner Linken hielt er eine Leiter, auf den Rücken hatte er sich einen 30 Kilogramm schweren Wanderrucksack geladen, und in der Rechten hielt er mit festem Griff die Leine, an der sein treuer Dobermann Rawls gemütlich neben ihm hertrottete. Ein ganz gewöhnlicher Tag – bis beide zu den beliebten Paternostern kamen.

Dort kleben seit neuestem große Schilder, die darauf hinweisen, dass die Benutzung dieser Aufzüge nur noch einem exklusiven Kreis gestattet ist – nämlich nur denjenigen, welche die Unterweisung über deren Nutzung unterschrieben haben. Kein Problem, dachte sich Klaus und holte sich das Formular beim Pförtner. Doch was er da zu lesen bekam, verdarb ihm endgültig die Laune. Weder Rawls noch seine Leiter sollte er künftig im Paternoster mitnehmen dürfen. Seine Rollschuhe sollte er ebenso ablegen wie den Rucksack. Wenn das keine Schikane ist!

Natürlich existiert Klaus G. nicht wirklich. Die „Unterweisung für die Nutzung der Paternoster im IG-Farben-Haus“ hingegen schon. Dieser Tage ist sie allen Studierenden, Beschäftigten und Doktoranden, die Zeit im Westend-Campus verbringen, zugegangen. Geht es nach dem Willen der Uni-Leitung, sollen künftig nur diejenigen die Paternoster nutzen dürfen, die die schriftliche Unterweisung gelesen, verstanden und unterschrieben haben.

„Mir ist klar, dass die Unterweisung eine Steilvorlage für die Presse ist“, sagt Olaf Kaltenborn. Tatsächlich fallen einige der Hinweise kurios aus. Tiere sollen nicht mitgenommen, Sportgeräte während der Fahrt nicht genutzt werden. Rucksäcke müssen abgenommen werden, um beim Einstieg nicht an der Deckenwand hängenzubleiben. Fahrräder und Bücherwagen müssen ebenfalls draußenbleiben. Die Belehrung gilt wohlgemerkt angehenden und fertigen Akademikern. Minderjährige und Menschen mit Behinderung sollen die Anlage künftig gar nicht mehr benutzen.

„Der Hintergrund ist leider gar nicht lustig“, betont Kaltenborn. Seit dem Beginn des Umzugs der Universität auf den Westend-Campus hat sich die Zahl der Benutzer mindestens verfünffacht. Damit steigt automatisch auch das Unfallrisiko, das bei Paternostern eh schon 30 mal höher ist als bei herkömmlichen Aufzügen. Erst Ende Mai war tatsächlich jemand auf die Idee gekommen, eine Leiter mit in die Kabine zu nehmen. Daraufhin wurden die Umlaufaufzüge zunächst stillgelegt. Nach Protest von Studierenden und Angestellten wurden sie Ende Juni wieder in Gang gesetzt.

„Es geht darum, einen geschlossenen Nutzerkreis zu schaffen“, betont Kaltenborn. Mit dem allgemein zugänglichen Betrieb der Paternoster bewegt sich die Universität nämlich auf juristisch dünnem Eis. Ursprünglich hatte der Gesetzgeber vorgesehen, dass alle Umlaufaufzüge bis 2004 stillgelegt werden müssen. Proteste von Liebhabern führten zur Revision des Gesetzes, so dass Anlagen wie die im IG-Farben-Campus vorerst weiter genutzt werden können. Doch im Schadensfall haftet die Uni, sofern sie nicht klar macht, wie das Transportsystem ordnungsgemäß zu benutzen ist.

„Die Einhaltung können wir natürlich nicht flächendeckend kontrollieren“, erklärt Kaltenborn, „es wird aber Stichproben geben.“ Und vielleicht achten ja auch einige Kommilitonen darauf, dass niemand mit Leiter, Fahrrad oder Hund den Paternoster betritt.

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