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„One Week Student“ Studentin auf Probe

Mit Hilfe des Projekts „One Week Student“ können Schüler eine Woche lang Studenten im Uni-Alltag begleiten - und natürlich auch abends mit zu Studentenpartys.

23.08.2013 13:15
Judith Kessler
Interessierte Schüler und Studierende, die sich vorstellen können, selbst eine Schnupperwoche an ihrer Universität anzubieten, können sich über die Internetseite www.oneweekstudent.de anmelden. kess Foto: Andreas Arnold

Mit Hilfe des Projekts „One Week Student“ können Schüler eine Woche lang Studenten im Uni-Alltag begleiten - und natürlich auch abends mit zu Studentenpartys.

Es hat ein wenig etwas von einem Blind-Date: Verena Siegert, 21, Medizinstudentin, steht auf dem Bahnsteig am Frankfurter Hauptbahnhof und wartet auf den Zug aus Nordrhein-Westfalen. In ihm sitzt Clara Hillekamp, 19, Abiturientin. Kennengelernt haben sich beide über das Internet. Genauer über die Internetseite oneweekstudent.de.

Die Internet-Plattform bringt Schüler auf der Suche nach dem richtigen Studiengang mit Studenten zusammen, die ihren schon gefunden haben. Zwischen drei und fünf Tage bleiben die Schüler bei den Studenten, begleiten sie zu Vorlesungen und in Seminare, wohnen mit ihnen in der WG oder dem Studentenwohnheim und gehen natürlich auch abends mit auf Studentenpartys. Schließlich gehört auch das zum Studentenleben dazu.

„Ich kenne viele, die ihr Studium schon abgebrochen haben, weil sie es sich anders vorgestellt hatten“, sagt Verena Siegert. Sie ist mit ihrem Medizinstudium an der Goethe-Universität zwar zufrieden, hätte es aber nicht schlecht gefunden, wenn auch sie sich vor Studienbeginn die Uni schon einmal hätte anschauen können. Deswegen bietet sie jetzt selbst eine Schnupperwoche an. Hemmungen, eine Woche mit einem fremden Menschen zu verbringen, hatte die Studentin nicht. Sorgen habe sie sich nur gemacht, dass Clara vielleicht die Gemeinschaftsküche und das Gemeinschaftsbad im Studentenwohnheim stören könnten. Unbegründet, wie sich herausstellte.

Der erste Eindruck, den sich beide online voneinander gemacht hatten, trog offenbar nicht. Gleich am ersten Abend redeten sie bis spät in die Nacht über den Medizinertest, das Lernpensum und über die gefürchteten „Prep-Kurse“, in denen die Studenten die menschliche Anatomie anhand von Leichen lernen. „Du musst dir keine Sorgen machen, dass du plötzlich in ein Gesicht guckst, die Köpfe sind schon abgeschnitten“, verrät Verena Siegert. Clara Hillekamp lacht, als sie am Ende der Schnupperwoche davon erzählt: „Mediziner reden immer so offen über die Sachen.“

Nach ihren vier Tagen in Frankfurt ist sie sich noch ein bisschen sicherer, dass sie auch Medizin studieren will. Ihr größte Angst, das Lernpensum nicht zu schaffen, konnten Verena Siegert und ihre Kommilitonen ihr nehmen. Ebenso wie die Sorge, zuviel langweilige Chemie pauken zu müssen. Schließlich habe hier an der Uni einer der Profs gesagt, er erkläre die chemischen Zusammenhänge und wenn jemand in Ohnmacht falle, sei das gleich viel interessanter. Abstraktes Formel-Lernen bringe einen an der Uni sowieso nicht weiter, pflichtet Verena Siegert ihr bei.

An welcher Universität sich Clara Hillekamp später für ihr Medizinstudium einschreiben wird, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall will sie aber auch dort eine Schnupperwoche für Schüler anbieten. „Weil ich so dankbar bin, dass sich jemand für mich die Mühe gemacht hat, mir seinen Uni-Alltag zu zeigen.“

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