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Naturschutz Management für Naturschützer

Die zweite Frankfurt Spring School hat begonnen: 30 junge Leute aus aller Welt lernen Praxis bei den Profis.

Internationaler Naturschutz Kurs im Biologicum
Spring-Schüler im Gespräch: vorn Lalatina Odile Randriamiharisoa (l.) aus Madagaskar und Muluken Abayneh aus Äthiopien. Foto: Monika Müller

Joyce Mungure arbeitet in Tansania für die Natur im Serengeti-Nationalpark: Sie macht den Menschen klar, warum es wichtig ist, diese Natur zu bewahren. Sie führt Schulkinder, aber auch Erwachsenengruppen durch das Schutzgebiet. Muluken Abayneh organisiert Okötourismus in Äthiopien, und er wünscht sich, eine Brücke zu bauen zwischen dem Naturschutz und der Politik. Seine Kollegin Tinh Nguyen Thi zeigt Kindern in Vietnam den Zauber des Waldes. Die drei sind junge Naturschutzprofis – und für die nächsten vier Wochen sind sie in Frankfurt, um mit 27 Gleichgesinnten hinzuzulernen und Pläne zu schmieden.

Es ist nach 2017 die zweite Runde der Frankfurt Spring School, zu deutsch: Frühlingsschule, es geht ums Management. „Die Leute, die im Naturschutz arbeiten, haben einen starken Fokus auf die Biologie“, sagt der 29-jährige Abayneh, „aber sie wissen wenig darüber, wie sie Arbeit organisieren, wie sie Schutzgebiete managen.“

Da setzt die Spring School an, mit Intensivkursen (auf Englisch) der Fachleute etwa von der weltweit agierenden Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), dem Umweltverband WWF, von Senckenberg, BioFrankfurt und Goethe-Uni. „Ich verspreche Ihnen, Sie werden hart arbeiten müssen“, sagt ZGF-Geschäftsführer Christof Schenck am Montagmorgen in der Auftaktveranstaltung im Biologicum auf dem Uni-Campus Riedberg, „aber am Ende werden Sie alle Werkzeuge haben, um ein Naturschutzprojekt zu leiten.“

Internationale Beteiligung

Die Teilnehmer kommen von fast überall her. Neun von ihnen sind Studierende aus Frankfurt, 15 studieren an anderen deutschen und europäischen Universitäten, und sechs junge Leute haben Stipendien erhalten, um von weither anzureisen, aus Peru, Ecuador, Tansania, Äthiopien, Madagaskar und Vietnam. Sie alle mussten sich bewerben, ihre Motivation und ihre bisherige Arbeit im Naturschutz erklären. Der Clou für die Teilnehmer aus Südamerika, Afrika und Asien: Drei von ihnen werden am Ende die Zusage mitnehmen können, dass ihre Projekte verwirklicht werden – mit maximal 100.000 Euro Unterstützung für eine Laufzeit von einem Jahr. Die finanzielle Basis dafür liefern die Partner der Spring School, die KfW und die KfW-Stiftung, die KMPG, die Metzler-Stiftung und die Freunde der Universität. 92 Bewerber gab es für den 2018er Kurs, fast vier Mal so viele wie zur Premiere im Vorjahr. Ein Zeichen dafür, wie schnell sich die Idee im Netzwerk der Naturschützer verbreitet, sagt ZGF-Europareferent Michael Brombacher. „Es gibt offenbar Bedarf.“

Die 30 Frühlingsschüler seien hochmotivierte Leute, die sich als Projektmanager weiterqualifizieren wollten. Brombacher: „Einer muss auch im Naturschutz den Laden zusammenhalten.“ Aus Göttingen ist Lynne Werner angereist. Die 27-Jährige hat ihren Master in Verhaltensökologie gemacht und möchte in einer Nichtregierungsorganisation arbeiten; in welcher Richtung genau, das will sie auch mit der Spring School herausfinden: „Über die Praxis lernt man an der Uni nicht genug.“ Da ist Tinh Nguyen Thi, 34, einen Schritt weiter: Seit zehn Jahren begeistert sie Kinder für den Gedanken, Wald und Naturflächen zu schützen. Vom Aufenthalt in Frankfurt verspricht sich die Vietnamesin Anhaltspunkte, wie sie ihre Arbeit effektiver machen kann – und wie sie herausfindet, was sie bei der Bevölkerung tatsächlich bewirkt.

ZGF und WWF erhoffen sich fähige neue Mitarbeiter und Multiplikatoren. Christof Schenk erzählt mit Fotos von seinen eigenen Anfängen als junger Aktivist in Peru: „Wir mussten plötzlich ein Team leiten und waren gar nicht vorbereitet“, sagt er seinen Zuhörern, denen das nicht passieren soll. Naturschutzmanager werde 2025 ein Schlüsselberuf sein, prophezeit Schenk, auch wegen des enormen Bevölkerungswachstums auf der Welt. Bis zum Kursende in vier Wochen, sagt er, lebten gut vier Millionen Menschen mehr auf der Erde – „sechs Mal Frankfurt am Main“. Und Frankfurt, ergänzt Michael Brombacher, werde seine führende Rolle im weltweiten Naturschutz mit der Spring School weiter ausgebaut haben. Mehr demnächst im Internet auf www.frankfurtspringschool.de.

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